Fall Kim Wall

U-Boot-Tüftler Peter Madsen bestreitet Mord vor Gericht

dpa

Von dpa

Do, 08. März 2018 um 11:08 Uhr

Panorama

Im Fall der getöteten schwedischen Journalistin Kim Wall hat am Donnerstag der Prozess gegen den dänischen Tüftler Peter Madsen begonnen. Beim Auftakt bestritt Madsen, Kim Wall getötet zu haben.

Erfinder Peter Madsen galt als verrückt, aber genial - bis an Bord seines U-Bootes die Journalistin Kim Wall starb. Seit diesem Donnerstag steht der Däne in Kopenhagen vor Gericht. Über ein mögliches Motiv wird noch gerätselt.

Angeklagt ist der exzentrische dänische U-Boot-Bauer und Erfinder Peter Madsen. Der 47-Jährige soll die junge schwedische Journalistin Kim Wall an Bord seines Bootes gefoltert und getötet haben. Zu Beginn des spektakulären U-Boot-Prozesses hat Madsen bestritten, Wall ermordet zu haben. Auch zum Vorwurf des sexuellen Missbrauchs plädiere er auf unschuldig, sagte seine Anwältin vor Gericht.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 47-Jährigen vor, die schwedische Journalistin in dem selbstgebauten U-Boot gefoltert, mehrfach auf ihren Unterleib eingestochen und sie dann getötet zu haben. Sie fordert lebenslange Haft und Sicherungsverwahrung. Madsen bekannte sich lediglich schuldig, die Leiche der jungen Frau zerteilt und über Bord geworfen zu haben.

Keine DNA-Spuren Madsens an der Journalistin

An der Leiche der schwedischen Journalistin Kim Wall sind keine DNA-Spuren des mordverdächtigen dänischen Erfinders Peter Madsen gefunden worden. Weder auf noch in ihrem Körper gebe es Spuren, die vom Angeklagten stammten, sagte Staatsanwalt Jakob Buch-Jepsen am Donnerstag vor Gericht. Er zeigte dazu eine Zeichnung ihres Torsos, auf der Schnitte und Einstichstellen vermerkt waren.

In Madsens Unterhose sei Sperma gefunden worden, sagte der Staatsanwalt. Der Angeklagte nahm die Erklärungen vor Gericht äußerlich unbewegt hin.

Unterdessen wurde im Kopenhagener Gericht auch eine SMS gezeigt, die Kim Wall vom U-Boot vor ihrem Tod ist an ihren Freund sandte. "Ich lebe übrigens noch - aber wir gehen runter! Ich liebe dich!!!!!! Er hat Kaffee und Kekse mitgebracht", schrieb sie am Abend des 10. August auf Englisch. Etwa eine Viertelstunde danach sei ihr Telefon noch einmal kurz ins Internet gegangen. Das sei das letzte Lebenszeichen der 30-Jährigen gewesen, sagte Staatsanwalt Jakob Buch-Jepsen.

Eine Recherche wurde ihr zum Verhängnis

Die 30 Jahre alte Reporterin Wall hatte Madsen am 10. August vergangenen Jahres für eine Recherche auf das U-Boot begleitet. Zusammen waren sie auf Tauchfahrt gegangen. Am nächsten Morgen sank das U-Boot, Madsen wurde aus dem Wasser gezogen – doch Wall blieb verschwunden. Ihre Leiche fand man noch Wochen später in Einzelteilen im Meer: Erst Kopf und Torso, dann Beine, als Letztes den zweiten Arm.
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Madsen einen Mord an Bord des U-Bootes plante. Er habe eine Säge, Messer und spitze Schraubenzieher mitgenommen. Dann habe er die junge Frau gefesselt, gefoltert, auf sie eingestochen und sie schwer am Unterleib verletzt. Die Anklage lautet deshalb auf Mord und Missbrauch. Gefordert werden eine lebenslange Haft oder Sicherungsverwahrung. Zu einem möglichen Motiv macht die Anklageschrift keine Angaben.

Madsen hat zwar zugegeben, Walls Leiche zerteilt und ins Meer geworfen zu haben. Ihr Tod sei aber ein Unfall gewesen, betonte er.Zum Ablauf präsentierte er der Polizei verschiedene Versionen: Die junge Frau habe einen schweren Lukendeckel auf den Kopf bekommen, sagte er zunächst. Dann behauptete er, sie sei im Inneren des Bootes erstickt.

Der Prozess soll bis zum 25. April dauern. Mehr als 30 Zeugen sollen gehört werden.