Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

09. Juli 2015

Über Zeiten und Kontinente hinweg

Schon im Ensemble-Namen deuten "Los Ympossibles" ihr grenzüberschreitendes Konzept beim Ettenheimer Musiksommer an.

  1. Sie genießen den verdienten Schlussapplaus: Los Ympossibles im Bürgersaal des Ettenheimer Rathauses. Foto: Eri Sieberts

ETTENHEIM. "Los Ympossibles", drei Musiker und eine Musikerin aus, Frankreich, Schweden, Argentinien und Deutschland, die sich im Raum Freiburg gefunden haben, haben am Sonntagabend im Bürgersaal des Ettenheimer Rathauses ein kontrastreiches Programm entfaltet, das sich musikalisch auf höchster Ebene abspielte und gleichermaßen überraschend und unterhaltsam war.

Los Ympossibles machen es möglich, auf ein fein intoniertes Barockstück von Silvius Leopold Weiss (1686 bis 1750), ein von Ensemblemitglied Love Persson (Bassinstrumente) erst im vergangenen Jahr komponiertes Werk folgen zu lassen. Wer sagt denn, dass es ein Privileg lediglich der Alten Musik sein muss, wenn weiche Darmsaiten einen betagten Resonanzkörper aus Holz in Schwingung bringen. Dieser besondere Klang eignet sich durchaus auch für zeitgenössische Improvisationen. Das musikalische Zwiegespräch zwischen Bass und Violine bei "In The Blink of An Eye", kontrolliert durch Blickkontakt von Love Persson und Daniela Helm, war eine Liebeserklärung an diese spontane Art des Musizierens.

Werbung


Während der letzte zarte Ton noch im Raum schwebte, setzte das Ensemble zu einem kontrastreichen Spiel von Turlough O’Carolans Werken aus dem 17. und 18. Jahrhundert an. Die sieben Charakterstücke des irischen Nationalkomponisten brachten keltische Klänge, die auch der zwölfsaitigen Gitarre, einem bolivianischen Charango, gespielt von Patricio Zeoli, gut standen. Mit viel Feingefühl arrangiert hat dies Love Persson, der auch dem Rock’n’Roll oder dem Blues nahe steht. Und so überraschten die Musiker das in der Hitze des Saales lauschende Publikum mit einem zwischen Bluesakkorde eingestreute "Yeah" des Cembalisten Patrick Ayrton, der nicht nur ein Virtuose auf den Tasten war, sondern auch das Holz des alten Instruments als Klankörper für eine kurze Perkussionseinlage nutzte.

Was Los Ympossibles auszeichnet, ist nicht allein, dass sie das musikalisch scheinbar Unmögliche wagen, sondern vor allem die aufrichtige Spielfreude, sich auch körperlich manifestiert. Daniela Helm (Violine) sprang bei lebhaften Passagen regelrecht in ihren Einsatz und ließ die Musik mit Leib und Seele lebendig werden. Kabarettistische Züge zeigte Patrick Ayrton, wenn er das Spiel mimisch begleitete und zwischendurch vom Klavierstuhl abhob. Zärtlich und zurückgenommen dagegen Patricio Zeoli, der die 1962 verfasste Suite in modo Polonico des polnisch-französischen Komponisten Aleksander Tansman auf dem südamerikanischen Charango interpretierte und ein gehauchtes Wiegenlied mit ebensolcher Eleganz brachte wie eine kraftvoll schreitende Mazurka.

Die Veranstalter des Musiksommers hatten sich vorgenommen, in ihrem neunten Jahr die Höhepunkte aus den vergangenen Konzerten anzubieten. Los Ympossibles überzeugten das Publikum und schafften es, auch ungeübten Ohren mit ihrer Jahrhunderte überspannenden Musiksprache zu begeistern.
Nächstes Konzert im "Ettenheimer Musiksommer": Joachim Held (Laute), Bettina Pahn (Sopran) im Bibliotheksaal des Schlosses von Türckheim, Ettenheim-Altdorf, Schmieheimer Straße 37, Samstag, 11. Juli, 20 Uhr und Sonntag, 12. Juli, 11 Uhr. L’Art du Bois, Sonntag, 19. Juli, Kunsthalle Altdorf, Eugen-Lacroix-Straße 2, 20 Uhr.Karten jeweils 18 Euro: tourist-info@ettenheim.de, Tel. 07822-432-210 oder Abendkasse/Matinee.

Autor: Eri Sieberts