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27. Juni 2012
Grenzenlose Offenheit
Das Météo-Jazzfestival in Mulhouse bietet Raum für Begegnungen.
Dass Jazz nicht nur abgehoben und für intellektuelle Kreise geeignet ist, zeigt das diesjährige Météo-Jazzfestival in Mulhouse. Denn vor Beginn des eigentlichen Festivals in der Stadt serviert es vom 19. bis 20. August einen Appetithappen, der dieses Vorurteil gezielt zu überwinden versucht.
Mit einer kleinen Tournee wendet sich die Blaskapelle L’Harmonie l’Espérance de Saint-Coin in erster Linie an das ländliche Publikum. Während fünf Auftritten bringt sie ihre ungewohnten Klangwelten in die umliegenden Dörfer von Mulhouse. Ziel ist es, die Musik raus aufs Land zu bringen, um sich dort in bodenständiger Atmosphäre gemeinsam an der Musik zu erfreuen. Die L’Harmonie l’Espérance de Saint-Coin versteht sich als charmante und innovative Neuauflage traditioneller Blaskapellen. Spielerisch und mit viel Witz lässt sie sich von der traditionellen Blasmusik inspirieren, um mit raffinierten Arrangements und einer unvergleichlichen Energie ihrem Publikum ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Stilistisch liegt sie damit zwischen Arfi mit ihrem jazzigen und phantasievollen Zugang zu Folklore, Charles Mingus, dem bedeutenden Jazzkontrabassisten, der den modernen Jazz wesentlich prägte, und Nino Rota, der unter anderem die Filmmusik für den Paten schrieb.
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Mit den Orten Hombourg, Hundsbach, Moosch und Sierent haben die Veranstalter darüber hinaus besondere Kulissen für die geplanten Auftritte gewählt. So wird L’Harmonie l’Espérance unter anderem am Rande eines Golfplatzes sowie im Hof einer alten Mühle in die Röhren blasen.
Vom 21. bis 25. August findet dann das eigentliche Jazzfestival in Mulhouse selbst statt. Die 29. Ausgabe steht dieses Mal ganz im Zeichen der Free music, einer Jazzform, die ohne strenge Regeln auskommen will und die kreative Freiheit der Musiker betont. Vor allem junge Musiker sind dieses Jahr eingeladen um zu zeigen, wie fruchtbar das Musizieren jenseits festgefahrener Kategorien sein kann.
Auch hier beweist das Météo-Festival seine Nähe zum Publikum: Fünftägige Lehrgänge bieten interessierten Hobbymusikern die Möglichkeit, unter der Anleitung erfahrener Musiker wie Jacques Di Donato und Johannes Bauer zu musizieren und gemeinsam an Improvisation und zeitgenössischem Jazz zu arbeiten. Dabei bekommen die jungen Musiker nicht nur die Gelegenheit, neue musikalische Anstöße zu bekommen, sondern sich darüber hinaus untereinander auszutauschen, zu vernetzen und sich gegenseitig zu inspirieren.
Mit seiner Mischung aus etwa 30 Konzerten und 100 Musikern aller Nationalitäten sowie dem Angebot an Workshops und Begegnungen verspricht das diesjährige Mulhouser Jazzfestival also nicht nur ein musikalisches, sondern vor allem ein zwischenmenschliches Erlebnis zu werden.
Autor: Anna Lustenberger



