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12. März 2010

Kiefer: "Wieder eine Hiobsbotschaft"

Trichinenuntersuchung nur noch am Montag, Mittwoch und Donnerstag möglich / Zukunft für Schlachthaus Mettenberg ist offen.

  1. Bis zur Sanierung des Schlachthauses Mettenberg gibt es für Bürgermeister Erich Kiefer noch einige Fragen abzuklären. Foto: Wilfried Dieckmann

GRAFENHAUSEN. Ob und wann in dem kommunalen Schlachthaus in Mettenberg auch gewerblich geschlachtet werden kann, steht derzeit wieder in den Sternen. "Nach der neuen Hiobsbotschaft, nämlich der Umstellung der Trichinenbeschau bei Schweinen, ist es fraglich geworden, ob Investitionen in Höhe von 25000 Euro gerechtfertigt sind", sagte Bürgermeister Erich Kiefer im Gespräch mit der BZ.

Derzeit können im Oberen Schlüchttal gewerbliche Schlachtungen nur bei der Metzgerei Wolfgang Dürr in Ühlingen oder im privaten Schlachthaus des "Schiesselhofes" bei Herbert Eller durchgeführt werden. In den Gemeinden Ühlingen-Birkendorf und Grafenhausen wurde bisher noch kein kommunales Schlachthaus gemäß den neuen EU-Richtlinien zugelassen.

Sanierungskosten des Schlachthauses summieren sich auf 25000 Euro

Im Rahmen des Verwaltungsverbandes Oberes Schlüchttal hatten sich die Kommunalpolitiker nach einer gemeinsamen Besichtigung der infrage kommenden Einrichtungen für Mettenberg ausgesprochen. Hier sollte für beide Gemeinden ein zentrales Schlachthaus gemäß den EU-Richtlinien entstehen. Die nötigen Investitionen, die sich auf knapp 25000 Euro summieren, wurden im Haushalt eingestellt. Bereits in der Gemeinderatssitzung Mitte November des letzten Jahres sprach sich der Grafenhausener Rathauschef zwar ohne Wenn und Aber für die nötigen Anpassungen aus, hegte aber erhebliche Zweifel, ob die EU-Richtlinien wenigstens in den nächsten Jahre Bestand hätten: "Wie es in fünf Jahren aussieht, kann heute wohl keiner sagen", so Kiefer vor drei Monaten. Und er sollte Recht behalten, da bereits die nächste "Hiobsbotschaft" vorliegt. Ab Januar 2010 darf gemäß den EU-Vorgaben die Trichinenschau bei Schweinen nicht mehr nach dem bisherigen "Quetschverfahren", sondern nur noch nach der "Verdauungsmethode" durchgeführt werden. Diese Tatsache wurde auf Anfrage der BZ vom Pressesprecher des Landkreises, Jürgen Glocker, bestätigt. Ein sehr aufwendiges, aber zurzeit das zuverlässigste Verfahren.

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Trichinellen, früher Trichinen genannt, sind Fadenwürmer, die im Fleisch von Haus- und Wildtieren wie Haus- und Wildschwein oder Fuchs vorkommen und beim Menschen zu schweren Erkrankungen führen können. Bei den Untersuchungen beim Hausschwein habe es nach Angaben des Bundesinstitutes für Risikobewertung in dem Zehnjahreszeitraum von 1995 bis 2005 nur ein einziges Schwein von mehr als 415 Millionen Schweinen Trichinella-positiv gegeben. Ein unter Freilandbedingungen gehaltenes Schwein war vermutlich die Infektionsquelle für den damaligen Fund.

Gegenüber der bisherigen Quetschmethode, bei der eine Fleischprobe unter dem Mikroskop untersucht wird, ist nach Angaben von Glocker bei dem neuen Magnetrührverfahren eine höhere Genauigkeit der Untersuchungen gewährleistet. Allerdings ist dieses sehr aufwendig und kann nur noch in zugelassenen Einrichtungen vorgenommen werden. Das bedeutet im Klartext: Die Untersuchung kann nur noch an den Hauptschlachttagen Montag, Mittwoch und Donnerstag in Waldshut, Bonndorf, Görwihl, St. Blasien und Wehr erfolgen. "Wir müssen uns nach den Schlachttagen in Waldshut richten", bestätigte auch Innungsobermeister Wolfgang Dürr in Ühlingen-Birkendorf, der zwischenzeitlich verstärkt Schlachtungen im Auftrag von Selbstvermarktern durchführt. Nach Aussage von Pressesprecher Jürgen Glocker sei es aber auch möglich, die Proben von Schlachtungen an anderen Tagen im Zuge der Hauptschlachtzeiten untersuchen zu lassen. Bis zum Vorliegen des Untersuchungsergebnisses darf das Fleisch aber nicht verwendet werden. Bei Hausschlachtungen kann auch weiterhin das Quetschverfahren angewendet werden.
Angesichts dieser neuen Situation sieht Bürgermeister Erich Kiefer Überprüfungsbedarf, ob die Schlachthaussanierung in der geplanten Form überhaupt noch sinnvoll erscheint. Auch müsse noch geklärt werden, ob eine Holzbefeuerung des Kessels weiterhin möglich ist. Das Ausschreibungsverfahren für die geplanten Umbaumaßnahmen im Schlachthaus Mettenberg wurde vorerst gestoppt.

Autor: Wilfried Dieckmann