Schiffsbau-Premiere im Schwarzwald

Ursula Ortlieb

Von Ursula Ortlieb

Mo, 20. August 2018

Ühlingen-Birkendorf

Theaterverein Zeitschleuse erhält Hilfe / Zimmerleute rekonstruieren Schoner / Unternehmen übernimmt Kosten von 20 000 Euro.

ÜHLINGEN-BIRKENDORF. Wie kommt eine Holzbaufirma im Schwarzwald dazu, ein Schiff zu bauen? Grund für das außergewöhnliche Projekt der Firma Holzbau Bruno Kaiser aus Bernau ist das Theater "Zwischen den Welten", das vom Theaterverein Zeitschleuse als Freilichtspiel auf die Bühne gebracht wird.

Als Kerstin Kaiser vom Theaterverein Zeitschleuse das Projekt Freilichtspiele "Zwischen den Welten" in den Bürgerversammlungen der Gemeinde vorstellte, war Herbert Duttlinger begeistert und bot als geschäftsführender Gesellschafter der Holzbaufirma in Bernau spontan seine Hilfe an: "Sagt mir, was ihr braucht, ihr bekommt es." Ein Glücksfall für den jungen Theaterverein Zeitschleuse. "Ich dachte dabei an Hilfe bei der Tribüne oder einem Podest. Dass es ein Schiff sein könnte, war mir erst mal nicht klar", erzählt Herbert Duttlinger. Das war es aber, was der Theaterverein unbedingt für Szenen des Stücks aus der Geschichte von Heinrich Ernst Kromer "Amerikafahrt" wünschte. Die Kollegen Stefan Spitz und Andreas Wiesler waren einverstanden, dass man "etwas Rechtes" macht und ihr Mitarbeiter, Zimmermeister Helmut Böhler, setzte das Vorhaben in die Tat um.

Mit viel Schiffsbauliteratur eignete er sich das Wissen an, das für den Bau des Schiffes notwendig war. Die Erstellung der Baupläne und Ansichtspläne folgte, Statik für Standfestigkeit und Traglast wurden berechnet und viele Details mehr, die völliges Neuland für die Zimmerleute und Holzbauingenieure darstellten. Allein Planer Helmut Böhler investierte mehr als 150 Stunden Arbeit. Das Original-Schiff war ein Dreimast-Schoner aus dem 18. beziehungsweise 19. Jahrhundert mit 70 Metern Länge, einem 50 Meter hohen Mast und Platz für 300 Personen. Die Zimmerleute bauten für das Theater maßstabsgetreu ein kleineres Exemplar, sodass es im Klostergarten platziert werden kann. Mit Bugsprieß ist das Theaterschiff nun 23 Meter lang, die Höhe des Masts ist 17 Meter und das Deck als Bühne 100 Quadratmeter groß. Auf zwei Ebenen kann gespielt werden.

Die reinen Selbstkosten für den Schiffsbau betragen etwa 20 000 Euro. Diese Kosten trägt die Holzbaufirma, die damit den Theaterverein enorm sponsert. "Es hat aber auch Spaß gemacht, das Schiff zu bauen", bestätigen die Geschäftsführer Duttlinger und Stefan Spitz. "Ein Geschäftszweig wird es aber eher nicht werden", meinten die beiden augenzwinkernd. Demnächst soll das Schiff nach Riedern transportiert und aufgestellt werden. Die Fundamente wurden schon von Heiner Duttlinger, Friedrich Werner und Thomas Fechtig betoniert.