07. Mai 2009 16:15 Uhr
Hornussen
Schwarzes Flugobjekt im Mittelpunkt
So manch ein Spaziergänger hinter dem Autohaus Moser in Birkendorf traute seinen Augen nicht: Standen doch auf der Wiese zahlreiche Personen mit roten Holztafeln auf der Wiese, schauten angespannt nach oben, liefen plötzlich hin und her und warfen gar die Schilder in die Luft.
ÜHLINGEN-BIRKENDORF. So manch ein Spaziergänger hinter dem Autohaus Moser in Birkendorf traute seinen Augen nicht: Standen doch auf der Wiese zahlreiche Personen mit roten Holztafeln auf der Wiese, schauten angespannt nach oben, liefen plötzlich hin und her und warfen gar die Schilder in die Luft. Erst beim zweiten Blick war zu sehen, dass versucht wurde, ein schwarzes Flugobjekt, das von einem weit entfernten Mann mittels einer biegsamen Rute auf die Reise geschickt wurde, in der Luft abzufangen.

- Hornussen in Birkendorf: Mit der 60 mal 60 Zentimeter großen Schindel versuchen die Spieler den heranfliegenden Hornuss frühzeitig abzufangen. | Foto: Wilfried Dieckmann
Was aber sind Hornussen? Hornussen ist eine schweizer Mannschaftssportart, die hauptsächlich in den Regionen Bern, Solothurn, Oberaargau und Emmental ausgeübt wird und zählt mit dem "Schwingen" und "Steinstoßen" zu den Nationalsportarten der Schweiz. Die Ursprünge des Hornussens sind nicht eindeutig geklärt. Die Vermutungen aber gehen soweit, dass die heutige Sportart aus einem antiken Kriegsspiel hervorgegangen sein könnte, in dem es darum ging, eine Stellung gegen anfliegende gegnerische Geschosse zu verteidigen.
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Die ganze "Hornusserwelt" dreht sich um ein schwarzes Flugobjekt, es besteht aus Kunststoff, ist 78 Gramm schwer und misst 62 mal 32 Millimeter: Der Hornuss wird von einem "Bock", bestehend aus zwei symmetrischen Teilen aus Chromstahl, mittels einem "Stecken" aus Fiberglas in Richtung dem 50 bis 350 Meter großen Spielfeld abgeschlagen. Der Hornuss wird hierfür mittels einem Stück Lehm auf dem vorderen Bockende befestigt.
Nur mit täglichem Training, begleitet von Ausdauer- und Kraftübungen, sind nach den Worten von Spielleiter André Winistörfer Spitzenleistungen mit Schlagweiten von über 300 Meter möglich. Auch stelle die Spieldauer von zwei und mehr Stunden hohe Anforderungen an das Steh- und Konzentrationsvermögen. Trotz aller Sportlichkeit, die Mannschaft aus Winistorf spielt immerhin in der zweithöchsten Liga der Schweiz, kam die Geselligkeit nicht zu kurz. So gab es unter anderem eine Wanderung zur Tannenmühle in Grafenhausen und eine Besichtigung der Staatsbrauerei in Rothaus. Während der Trainingstage wurde für die Mannschaften "Tannenzäpfle" und "Rothaus" eine tägliche Rangliste geführt. Die Sieger wurden mit einer eigens gegossenen Glocke mit der Aufschrift "Trainingslager Birkendorf 2009" belohnt.
Autor: Wilfried Dieckmann





