Sachbuch

Ulla Lachauers Buch "Von Bienen und Menschen"

Heidi Ossenberg

Von Heidi Ossenberg

Fr, 27. Juli 2018 um 20:13 Uhr

Literatur & Vorträge

Machen Bienen glücklich? Die Journalistin Ulla Lachauer hat Imker in Europa besucht – in Städten und auf dem Land. Und sie erzählt dem Leser von dieser besondern Beziehung zwischen Tier und Mensch.

Im Nachwort zu ihrem neuen Werk "Von Bienen und Menschen" schreibt Ulla Lachauer, es habe sich "keiner über meine Buchpläne gewundert". Überall hätten die Türen weit offen gestanden – eine Erfahrung, die die 67-jährige Journalistin und Dokumentarfilmerin wohl nicht allzu häufig in ihrem Leben macht. Gewiss hat das offensichtliche Wohlwollen mit dem Thema zu tun: Es hat sich herumgesprochen, wie wichtig Bienen sind – ihre Bestäubungsleistung schließlich sichert nichts geringeres als die Vielfalt an Nahrungsmitteln für den Menschen.

Auch im Münstertal und in Stuttgart

Aber bestimmt hat auch Ulla Lachauers Konzept überzeugt: Sie besuchte für ihr Buch Bienenmenschen in verschiedenen Regionen Europas – von der Ostseeinsel Gotland über die Lüneburger Heide, in Stuttgart und im Münstertal, von den französischen Pyrenäen über Kärnten bis an die slowenische Adriaküste, vom böhmischen Isergebirge bis in die russische Exklave Kaliningrad. Sie porträtierte vierzehn Imkerinnen und Imker – auf ihre eigene, sehr persönliche, sehr empathische und reflektierte Art und Weise. Herausgekommen ist ein Buch, das man nicht weglegen möchte, bevor man es nicht zu Ende gelesen hat. Ein Buch, das unterhaltsam zu lesen ist, das den eigenen Blick zu weiten vermag, das den Boden für das bessere Verständnis von Kulturen legen kann, das Wissen vermittelt.

Das ist – natürlich – Ulla Lachauer zu verdanken, die klug und verständlich schreibt – und es ist ihren Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern zu verdanken, die sich öffnen und jede Leserin und jeden Leser mitnehmen in eine ungemein spannende Welt: den Bien – den Gesamtorganismus dieser fleißigen Wesen.

Galina kümmert sich um 150 Bienenvölker

Die Idee zu "Von Bienen und Menschen" geht zurück auf das Jahr 1991. Ulla Lachauer traf damals auf die Imkerin Galina im Dorf Jasnaja Poljana, wo Friedrich Wilhelm I. von Preußen im 18. Jahrhundert das Hauptgestüt Trakehnen gründete. Die herrschaftlichen Gestütbauten lagen schon damals, in der Endzeit der Sowjetunion, in Trümmern. Jenseits dieser grauen, ja fast hoffnungslosen Welt, kümmerte Galina sich um 150 Bienenvölker. Zwei Begegnungen mit ihr schildert Ulla Lachauer im Buch – am Anfang und am Ende. So rahmt sie die übrigen Porträts ein und gestaltet auch für ihre Leser die Reise zu den Imkern rund.Lesenswert zudem: In jedes Kapitel streut die Autorin Rezepte der Imker, die sie besucht hat, ein. Die Pfefferles aus dem Münstertal liefern ein Rezept für Tannenhonigparfait, in Erinnerung an die DDR, in der Honig kostbar und rar war, liest man ein Rezept für "Honigscheiben" aus Kunsthonig. "Sättigt enorm", ist das Fazit von Ulla Lachauer.

Für die Autorin sind Imker "besondere Leute" – aber natürlich keine besseren Menschen. Jede Leserin und jeder Leser wird in den elf Kapiteln des Buchs seine(n) Lieblingsimker(in) finden – ich würde mich zum einen für den Bienenfreund und Fotografen Franc Šivic entscheiden, über dessen Geschichte Ulla Lachauer erzählt, welch wichtiges Land Slowenien für die Bienen war und ist. "Unser modernes Wissen (über die Bienenwissenschaft) ist zu großen Teilen slowenischen Ursprungs", schreibt die Autorin.

Ein Syrer in einem Lüneburger Kloster

Zum anderen berührt die Geschichte der in Lüneburg lebenden syrischen Familie Alabed. Vater Assad war Imker in seinem Heimatdorf nahe Homs und ist ein ausgewiesener Kenner von Bienen und Heilkräutern. Sehr behutsam nähert sich Ulla Lachauer der geflüchteten Familie – und ihr ist die Freude "anzulesen", dass Assad einen Job im Kloster Lüne findet, wo er im Kräutergarten arbeitet und wo man sich dank des Fachmannes aus Syrien der alten Tradition der Bienenhaltung wieder annimmt.

Ulla Lachauer: Von Bienen und Menschen. Eine Reise durch Europa. Rowohlt Verlag, Reinbek 2018. 383 Seiten, 22 Euro.
Lesungen: So, 29. Juli, 11 Uhr, Rainhof- Scheune, Kirchzarten (Filmvorführung "More than Honey" am gleichen Tag und Ort um 16.30 Uhr), Mi, 1. Aug., 20.30 Uhr, Theater im Hof, Kandern.