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05. Oktober 2009 18:06 Uhr
Personalie
Ulrich Lang neuer Chef der Arge
Die Arge hat einen neuen Leiter. Ulrich Lang führt die Einrichtung, die für das Arbeitslosengeld II zuständig ist. Seine wichtigste Aufgabe: Das ramponierte Ansehen der Arge aufzupolieren.
Lang hat bereits am 1. August die Leitung der Arge übernommen, der Arbeitsgemeinschaft von Stadt und Arbeitsagentur zur Auszahlung von Arbeitslosengeld II (ALG-II) und zur Förderung von Langzeitarbeitslosen. Die Personalie wurde erst jetzt mitgeteilt. Mit dem 54 Jahre alten Ulrich Lang soll für die Arge Freiburg eine neue Ära beginnen. Seine Vorgänger Norbert Mattusch und Stefan Kaiser mussten Ende 2008 gehen, nachdem es Ärger wegen fehlerhafter Leistungsbescheide gab.
Interimsgeschäftsführer war für einige Monate Knuth Weidenkopf von der Arge Mannheim, doch es ist Lang, der nun mindestens bis Ende 2010 die Arge Freiburg auf Kurs halten soll. Solidität ist dabei für den neuen Chef oberstes Gebot. Lang: "Mein wichtigstes Ziel ist es, eine gute Dienstleistung für die Menschen in Freiburg abzuliefern." Korrekte Bescheide seien da nur ein Baustein. "Ich denke wir sind auf einem guten Weg. Mein Vorgänger Knuth Weidenkopf hat schon einige wichtige Veränderungen vorgenommen", sagt der Diplom-Verwaltungswirt, der bisher als stellvertretender Geschäftsführer des operativen Bereichs bei der Arbeitsagentur Offenburg im Einsatz war.
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Lang weiß, dass er und seine ebenfalls neu ernannte Stellvertreterin Susanne Steck dieses Hauptziel wohl unter erschwerten Bedingungen erreichen müssen: "Die gegenwärtige Wirtschaftskrise könnte die Belastungen für die Arge deutlich erhöhen. Zudem hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass die Argen in ihrer jetzigen Form nicht fortbestehen dürfen. Bis Ende 2010 werden wir also auch stark mit unserer künftigen Struktur beschäftigt sein", sagt Ulrich Lang. Gegenwärtig leben knapp 16.500 Freiburgerinnen und Freiburger in 8900 Bedarfsgemeinschaften von ALG-II. 11.800 Bezieher gelten als erwerbsfähig.
Das personelle Hin und her an der Spitze der Arbeitsgemeinschaft wurde letztendlich durch ein Schreiben der Gemeinderatsfraktion Junges Freiburg / Die Grünen vom Oktober 2008 ausgelöst. Darin wurde die Stadtverwaltung darauf hingewiesen, dass laut Rechnungsprüfungsamt im Jahr 2006 nicht weniger als 81,5 Prozent der geprüften Leistungsbescheide der Arge Freiburg fehlerhaft waren. Nur wenige Wochen später beschloss die Arge-Trägerversammlung unter Vorsitz von Freiburgs Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach einvernehmlich, die auslaufenden Verträge von Mattusch und Kaiser nicht mehr zu verlängern.
Doch auch von Kirchbach selbst wurde hart angegangen, vor allem weil er sich bei einer Debatte des Gemeinderats im Dezember noch schützend vor Mattusch und Kaiser gestellt hatte, obwohl deren Absetzung da bereits beschlossene Sache und Kirchbach auch bekannt war. So mancher kam sich verschaukelt vor. Das Rathaus verteidigte indes Ulrich von Kirchbachs und Oberbürgermeister Dieter Salomons Schweigen damit, dass zum Zeitpunkt der fraglichen Gemeinderatssitzung noch nicht einmal der Arge-Personalrat über die Absetzung informiert gewesen sei.
Die SPD-Gemeinderatsfraktion witterte in der Arge-Kritik von Junges Freiburg / Die Grünen einen politischen Winkelzug, um von Kirchbach zu schaden. Mittlerweile hat der Sozialbürgermeister öffentlich erklärt, dass er bei der kommenden Oberbürgermeisterwahl gegen Salomon antritt.
Diese ganze Vorgeschichte erbt nun Ulrich Lang.
– Hintergrund Dezember 2008: Chefs der Arge müssen gehen
– Viele Fehler und viele offene Fragen: Gibt es in Freiburg mehr Fehler als bei anderen Arbeitsagenturen?
Autor: Holger Schindler
