Georg-Scholz-Haus

Ulrike Weiss gestaltet das Scholz-Haus

Frank Berno Timm

Von Frank Berno Timm

Di, 15. Juni 2010 um 14:45 Uhr

Waldkirch

Am kommenden Sonntag, 20. Juni, beginnt im Georg-Scholz-Haus Waldkirch eine Ausstellung mit Zeichnungen und Installationen von Ulrike Weiss.

WALDKIRCH. Die letzte Ausstellung "In between" von Hyun-Bi Gerhard-Choi im Georg-Scholz-Haus haben 480 Menschen gesehen, wie Kunstforum-Vorstand Volker Lindemann berichtet. Die Chancen, dass Ulrike Weiss’ Ausstellung "Dass du nicht enden kannst . . ." ebenfalls ein Erfolg werden kann, stehen gut. Die an der Freiburger Pädagogischen Hochschule und in Marokko lehrende Künstlerin ist derzeit damit beschäftigt, sich im Georg-Scholz-Haus einzurichten.

Spiel mit Räumlichkeiten

Der kleine Raum im Erdgeschoss beginnt, sich immer mehr zu einem Foyer zu den Ausstellungen zu wandeln. Hier zeigt sich in ersten Andeutungen, worum es geht. Ulrike Weiss spielt mit Räumlichkeit, mit Schichten der Wahrnehmung: Eine große Wand sieht aus, als hätte sich ein Schmetterlingsschwarm daraufgesetzt; es sind Schleifen, die sich vom Luftzug bewegen lassen, in der Mitte ein Frauengesicht im Oval, noch mal eingerahmt von Ornamenten. Die Frauen kommen wieder, wie auch das Geschichtenerzählen vis-a-vis: Die Künstlerin hat leichtes, Gaze-artiges Material wie eine Tangente über eine Ecke gespannt; jede der Schichten ist mit kleinen Skizzen bedeckt, die zusammengesehen ein ganzes Bild ergeben, wenn der Betrachter es will.

Zu Hause in zwei Welten

Eine der Frauen erinnert ein wenig an Rosa Luxemburg. Ulrike Weiss erzählt, sie habe Fotos auf Friedhöfen gesammelt; Frauen also, die seit 60 Jahren tot sind. Die Porträts hat Weiss bearbeitet, sie sind auf eigentümliche Weise lebendig geworden und wirken gar nicht so frei von Emotionen, wie sich die Künstlerin das zu wünschen scheint.

Ulrike Weiss lebt und arbeitet in zwei Welten. Sie unterrichtet Studenten in Marokko und in Freiburg. Ihre Kunst bringt das zusammen: Die Frauengesichter im ersten Stock hat sie mit Ornamenten eingerahmt. Es entsteht eine ganz eigene Welt, ein übersprudelndes, sich fast überschlagendes Geschichtenerzählen aus fein ziselierten Bildern, die europäische genauso wie arabische Symbole aufnehmen.

Liebe zum Detail

Urike Weiss zeichnet, neben schwarz gibt es rot, kaum andere Farben; manchmal ein paar arabische Schriftzeichen, ab und zu Englisch. Das Skizzenhafte, Leichte vermittelt nicht den Eindruck von Belanglosigkeit – im Gegenteil: die Liebe zum Detail, überzeugen. Man ist geneigt, sich eine Menge Zeit mitzubringen und eigene Geschichten aus den Bildern herauszufinden, was durchaus gewollt ist.

Ulrike Weiss’ Dialog zwischen der orientalischen und der europäischen Kunst, ihre Art der Verschmelzung, ist nicht appellativ gemeint. Dass die beiden Welten nicht zusammengingen, sei doch klar, wichtig seien Toleranz und der Abbau von Vorurteilen, sagt sie.

Kunst im Begleitprogramm

Ulrike Weiss ist seit zehn Jahren immer wieder in Marokko, sie spricht von zweiter Heimat, will ihre Erfahrungen mitteilen. "Das wichtigste ist doch, dass die Leute ihre eigene Phantasie entdecken", wünscht sie sich. Die Künstlerin berichtet durchaus angetan davon, wie Menschen etwas in ihren Bildern finden, das sie selbst gar nicht gesehen hat.

Ulrike Weiss steckt noch in den Vorbereitungen zu ihrer Ausstellung. Schon jetzt ist zu sehen, dass sie eine Menge zu sagen und anzustoßen hat. Sehr schön zu sehen – und in ihrer Leichtigkeit passend zum Sommer.

Die Ausstellung:

Ulrike Weiss Ausstellung "Dass du nicht enden kannst ..." im Georg-Scholz-Haus ist vom 20. Juni bis 25. Juli zu sehen. Vernissage ist am 20. Juni, 11 Uhr, Kunst im Dialog: 24. Juni, 20 Uhr; Schreibnacht in der Ausstellung: 3. Juli, 19 Uhr; Matinee: "Heimat in der Fremde - die Jüdin Rivka Holländer aus Emmendingen"; Lesung und Begegnung: 18. Juli, 11 Uhr; Filosofisches Forum: 23. Juli, 20 Uhr; Finissage: 23. Juli, 10 Uhr: Lesung aus der Schreibnacht: 11 Uhr. Die Öffnungszeiten sind wie immer donnerstags 15 bis 20; freitags und samstags 15 bis 18; sonn- und feiertags 10 bis 13 Uhr.