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13. September 2017

Auch der vorzeitige Ausverkauf hat Tradition

Zwetschgenkuchenfest an der Umkircher Schlossmühle.

  1. Gemütlicher Plausch bei Kaffee und Zwetschgenkuchen, das gehört zum Fest an der Schlossmühle. Foto: Karin Wortelkamp

UMKIRCH. Das Zwetschgenkuchenfest an der Schlossmühle ist eine Art kleines Gemeindefest zum Abschluss der Sommerferien. Viele Umkircher lassen sich blicken, dazu gesellen sich Ausflügler, die zufällig vorbeiradeln und sich über das Kaffee-und-Kuchen-Angebot freuen. Traditionell wie das Fest selbst ist der vorzeitige Ausverkauf des Zwetschgenkuchens. Trotz Nachbacken eines Blechs gab es irgendwann nur noch Brezeln.

Der Kenner kommt daher stets frühzeitig zur Schlossmühle, denn der frische Hefekuchen schmeckt köstlich, am besten mit Sahne. 40 Kilo Zwetschgen hat der Förderverein Umkircher Schlossmühle diesmal verarbeitet. Die Zwetschgen haben die Vereinsmitglieder bereits entsteint gekauft, sonst wäre die Arbeit nicht zu bewältigen gewesen, zumal einige Aktive um die 80 Jahre alt sind. Je sechs große und kleine Bleche wurden gebacken.

"Der Gustav fehlt uns", sagt der Vereinsvorsitzende Stephan Kaltwasser, auf Gustav Danzeisen angesprochen, den Mühlenbäcker und Mühlenexperten, der am 1. März verstorben ist. In der letzten Zeit spielte er zwar beim Backen und bei den Mühlenführungen nicht mehr die Hauptrolle wie ehedem, aber: "Er war halt der Techniker, er kannte alle 144 Schmierlöcher in der Mühle", sagt Kaltwasser. "Wir müssen manchmal tagelang überlegen, wo noch eins sein könnte. Der Gustav wusste auch, welche Sattlerei noch Lederriemen macht und wo man das Schmierfett kauft." Zum Glück sei Friedrich Meier dem Verein in dieser Hinsicht nun eine Stütze.

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Am Zwetschgenkuchenfest schien endlich auch die Sonne mal wieder und die Besucher genossen die Idylle. Mittlerweile hat sich rund um die 1750 erbaute Mühle, das 2009 angebrachte Mühlrad samt Fischtreppe und den Mühlbach ein Biotop gebildet. Der Bach ist voller kleiner Fische, Libellen schwirren herum, das ungemähte Ufer in Richtung Friedhof bietet Insekten Nahrung. Auf Bänken und auf der Wiese, mit duftendem Kaffee und frischem Kuchen, ließ sich der Nachmittag angenehm verbringen.

Der im Jahr 2000 gegründete Verein sei gut aufgestellt, sagt Kaltwasser. Mit seiner Gründung und seinem Engagement hatte der Verein damals den Abriss der Mühle verhindert, die zu einem Kleinod in der Gemeinde geworden ist. Es sei aber schwer, junge Leute zu begeistern, so Kaltwasser. Deshalb werde gerade versucht, Auszubildende der Badenova, einer Mentorin der Mühlentechnik, für die Schlossmühle zu interessieren.

Innovatives Speicherkonzept

2016 wurde mit Fördermitteln aus dem Innovationsfond eine neue Anlage installiert. Die (bei genügend hohem Wasserstand) mit Wasserkraft erzeugte Energie wird mit Hilfe eines Akkus der Umkircher Firma ASD-Sonnenspeicher gespeichert und kann bei Bedarf abgerufen und ins öffentliche Netz eingespeichert werden. So bietet die Schlossmühle heute praktische Einsicht in zwei Themenbereiche: Nach wie vor sieht das Besucherkonzept das "vom Korn zum Brot"-Lernmodell vor, das von jährlich zwischen 40 und 50 Schulklassen und Kindergartengruppen angenommen wird. Heute zeigt die Mühlentechnik auch einen Weg von der Wasserenergie zur elektrischen Energie, ohne jede CO2-Erzeugung. Die Schlossmühle ist eine kleine Energieanlage, mit einem innovativen Speicherkonzept – ein Zukunftsmodell für nachhaltige Energiegewinnung.

Autor: Karin Wortelkamp