Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
07. Januar 2012
Den Aufbau besorgt immer der Gärtner
WEIHNACHTSZEIT – KRIPPENZEIT: Die Bacher-Krippe in Umkirch.
-
-
Die Südtiroler Holzfiguren stellen das Geschehen um die Geburt Jesu in der Krippenszene am Seitenalter der Umkircher katholischen Kirche dar. Foto: manfred frietsch (2)/ Kati Wortelkamp
-
Mesnerin Margrit Richert mit zwei der Heiligen Drei Könige. Diese Firguren wurden erst zum Dreikönigstag in die Krippe gestellt. Foto: Karin Wortelkamp
-
Sehr lebendig sind die Bacher-Figuren geraten, wie dieser Hirte mit einem Jungen. Foto: Manfred Frietsch
BREISGAU. Egal wie unterschiedlich sie auch sind – Jesuskind, Maria, Josef, Ochs und Esel gehören zu jeder Krippe. In der Serie "Weihnachtszeit – Krippenzeit" stellt die Breisgau-Redaktion Krippen in Kirchen im Freiburger Umland vor sowie Leute, die Krippen selbst bauen. Heute: die Krippe in der katholischen Kirche Mariä Himmelfahrt in Umkirch.
Am Freitag vor Weihnachten war es wieder so weit: Messnerin Margrit Richert und Rudolf Efinger haben gemeinsam die Krippe in der katholischen Kirche Mariä Himmelfahrt aufgebaut. "Die Könige werden erst am 6. Januar dazu gestellt", erzählte Margit Richert.In den Wochen vor dem Aufbau wird die Dekoration aus Naturmaterialien gesammelt. Dafür ist der Schlossgärtner Efinger zuständig. "Ich war schon drei oder vier Mal Moos sammeln. In diesem Jahr ist Josef Nutto mitgekommen, er sammelt für die Krippe in Eichstetten", erzählt Efinger. "Ich kenne die Stellen, wo in Umkirch das Moos wächst." Weitere Elemente sind ausgewählte Steine, Tannenreisig, schön geformte Äste, ein Wägele mit Kies und kleine Bäumchen, die wie Zypressen aussehen.
Werbung
Seit 1976 baut Rudolf Efinger nun schon die Umkircher Krippe auf. Der damalige Pfarrer Huber hatte ihn angesprochen. Efinger war insgesamt 12 Jahre lang Mitglied des Kirchengemeinderats. Pfarrer Huber wünschte sich eine anständige Krippe. Umkirch habe die schlechteste Krippe im ganzen Breisgau, fand er. In der Tat war die bisher gezeigte Krippe zusammen gestückelt: Sie hatte keinen Stall, dem gipsernen Josef fehlte ein Arm, einer anderen Figur ein Ohr. Das Ensemble war ein Sammelsurium und unansehnlich. "Also gut, ich mache das", antwortete Efinger.
Geld war keines da, denn eine Renovierung des Gotteshauses stand an. Rudolf Efinger tat sich mit dem mittlerweile verstorbenen Schreiner Walter Knoll zusammen. Sie hörten sich um, sahen sich Krippen an und entschieden sich dann für eine aus Holz geschnitzte. Auf dem nächsten Bazar der Pfarrgemeinde in der Halle wollten sie die Umkircher wegen Spenden ansprechen. Nur wie? Knoll baute einen Stall. Bei "Geschenke Hansen" in Freiburg liehen sie sich Figuren aus, um den Bazarbesuchern zu zeigen, wie die spätere Krippe aussehen werde. "Maria, Josef, das Kind, Schafe – und der Esel musste natürlich dabei sein", schildert Efinger mit Blick auf die Umkircher Fasnachtsfigur.
Er holte Ziegel vom Kirchendach, das gerade renoviert wurde, und sie verkauften die Ziegel für 2 D-Mark das Stück. "Das ist sehr gut angekommen, wir nahmen 640 Mark ein", erinnert sich Efinger. Die Maria, Melchior, der Ochse, das Kind und ein Schaf wurden gespendet. "Die Maria hat zum Beispiel 235 Mark gekostet", weiß Efinger, der sich die Finanzierung notiert hat. Es gab auch eine anonyme Spende über 500 D-Mark. Damit war die Grundausstattung der Krippe finanziert. Sie seien überrascht gewesen, dass so viel eingenommen wurde. "Pfarrer Huber war am glücklichsten," erzählt Efinger. Später kaufte die Pfarrgemeinde einige Figuren hinzu.
Die heutige Krippe hat 23 Figuren. Es ist eine "ANRI Bacher"-Krippe aus Südtirol. Die Firma ANRI ist aus der alpenländischen Holzschnitzerei in Heimarbeit hervorgegangen. Einer der Schnitzer, die für die Firma arbeiteten, war Walter Bacher. Heute werden die von ihm inspirierten Krippenfiguren weltweit unter der Bezeichnung "Nativity by Walter Bacher – Back to the Roots" verkauft.
Mit den jeweiligen Pfarrern hätten sich auch die Gewohnheiten beim alljährlichen Aufbau der Krippe geändert: "Pfarrer Ramminger möchte, dass die drei Könige erst am 6. Januar dazu gestellt werden. Früher waren sie von Anfang an dabei," erklärt Rudolf Efinger. Auch der Standort wurde je nach Pfarrerwunsch verändert. Lange Jahre stand die Krippe in der Taufnische. Unter Pfarrer Wagner kam sie in den Seitenaltar. "Da können die Kinder sie am besten sehen, die sitzen hauptsächlich links vorne", sagt Efinger. Erst am 2. Februar, an Mariä Lichtmess, packen Rudolf Efinger und Margrit Richert die Krippe wieder zusammen und verstauen sie für das nächste Jahr.
"Und wenn ich gesund bleibe, mache ich das weiter", sagt Efinger. Das hofft Margrit Richert sehr.
Autor: Kati Wortelkamp


