Macht auf die Tür...

Einmal jährlich entsteht hinter der Tür des Rotkreuzraums in Umkirch eine Plätzchenzentrale

Julius Steckmeister

Von Julius Steckmeister

Do, 07. Dezember 2017

Umkirch

Die DRK-Nachbarschaftshilfe nutzt den Rotkreuzraum für die Weihnachtsvorbereitungen. Die BZ durfte einmal zuschauen.

"Weihnachtsbesuche bei Senioren, das kenne ich noch von meinem Vater", sagt Roswitha Heitzler. Ihr Vater war von 1958 bis ins Jahr 1986 Umkircher Bürgermeister. Die Tochter ist ebenfalls kommunalpolitisch aktiv, sitzt seit vielen Jahren im Gemeinderat und ist Bürgermeisterstellvertreterin. Heitzlers Herz aber schlägt für die Arbeit im DRK-Ortsverein, dem sie seit langem vorsteht, und hier insbesondere für die Arbeit mit älteren Bürgern. Inzwischen gibt es am Ort zahlreiche Angebote für Senioren wie Unterhaltungs- und Bewegungsprogramme oder aber die Hausbesuche. Diese werden immer im Advent – zumindest für alle Umkircher ab dem 80. Lebensjahr – zum Weihnachtsbesuch: Das heißt, es gibt leckere Plätzchen, ein Fläschchen Wein und oftmals auch einen Plausch.

Vor dem Schenken steht jedoch die Statistik, und für die ist Elke Schräpler verantwortlich. Über das ganze Jahr studiert Schräpler das lokale Nachrichtenblatt, denn hier veröffentlicht die Verwaltung die Geburtstage. Jeder, der im Jahreslauf seinen 80. Geburtstag feiert, landet dann neu auf Elke Schräplers Liste. Und ja, natürlich werden auch die unterm Jahr Verstorbenen gestrichen.

Ist Liste eins fertiggestellt, folgt Liste zwei. Hier werden die Bäcker und Bäckerinnen eingetragen, und mittels Aufrufen im Nachrichtenblatt wird stets um Nachwuchs geworben. Heuer wieder mit Erfolg – Heitzler freut sich über einen Neuzugang. "Die junge Frau ist unter 30", betont die DRK-Vorsitzende. Jede der derzeit 14 Bäckerinnen – an männlichen Mitstreitern mangelt es leider – backt rund 200 Plätzchen, denn etwa so viele Besuche wird es bis Weihnachten geben, und in jeder Plätzchentüte soll ja mindestens ein Plätzchen jeder Sorte stecken. Für Abwechslung – in diesem Jahr sind 18 verschiedene Gebäckspezialitäten zusammen gekommen – sorgt die ebenfalls sorgfältig geführte Sortenstatistik. "Nur Butterplätzchen sind diesmal doppelt", konstatiert Roswitha Heitzler.

Auf Liste Nummer drei schließlich stehen die Packerinnen. Ein Dutzend Damen hat sich im DRK-Ortsvereinsraum eingefunden und tütet ein. Reihum geht es routiniert und rasch wie am Fließband. Neben dem großen Packtisch mit Keksdosen und Tüten steht ein kleinerer. Auf diesem liegt Liste vier – die Austrägerinnenliste. Sie enthält die Adressen der zu Beschenkenden sowie die Information darüber, wer wen besucht. Denn immerhin entfallen auf aktuell 17 Besucherinnen besagte gut 200 zu Besuchende.

Hinzu kommt, dass man für jeden Weihnachtsbesuch auch etwas Zeit mitbringen sollte, denn viele der Besuchten bekommen nicht oft Besuch, sind teils mehr oder weniger sozial isoliert, weiß Heitzler. So ist die Dame mit den Plätzchen eine willkommene Abwechslung. Nicht selten wird Tee oder Kaffee angeboten und einfach mal wieder geredet. Hier steckt auch der tiefere Sinn der liebenswerten, aber eben vor allem wichtigen Aktion: schauen, wie es Menschen geht, die man eben nicht so oft oder gar nicht im Ortsbild sieht. Sei es, weil sie sich nur noch eingeschränkt bewegen können, sei es, weil sie womöglich erst einen Anstoß brauchen, um eines der lokalen Angebote für Senioren anzunehmen. "Wir wollen ein Türöffner sein und auch ein wenig gucken, ob die Leute was brauchen", sagt Roswitha Heitzler.

Vor allem aber wolle man den Menschen zeigen "du bist nicht allein", sagt die langjährig Aktive, die gesellschaftliche Phänomene wie die Vereinsamung inmitten vermeintlich allgegenwärtiger, aber oft nicht mehr analoger Vernetzung kennt. Um Vertrauen herzustellen und ein wenig Nähe zu erzeugen, würde – soweit möglich – beim Einsatz der Austrägerinnen auch darauf geachtet, dass diese alljährlich dieselben Senioren besuchten. Zusätzlich zu den Hausbesuchen fahren die rührigen Damen in die Pflegeheime in Bötzingen, Ihringen und March und versorgen auch die dort lebenden Umkircher mit Plätzchen, Wein und offenen Ohren.

Nach ihrem ganz persönlichen Weihnachtswunsch gefragt, muss Roswitha Heitzler nicht lange überlegen: "Ich wünsche mir, jüngere Unterstützer für unsere Aktionen zu gewinnen, damit es das am Ort noch möglichst lange gibt."

Wer das Deutsche Rote Kreuz in Umkirch bei den aktivierenden Hausbesuchen, der Nachbarschaftshilfe oder auch bei anderen Angeboten unterstützen möchte, wendet sich am besten unter Tel. 07665/ 7180 an Roswitha Heitzler oder schreibt eine E-Mail an info@drk-umkirch.de.

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