Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

29. Dezember 2011

Farben und Lehrbücher der Freundin

MENSCHEN IN UMKIRCH: Monika Schacherer hat sich ganz der Bildenden Kunst gewidmet und organisiert VHS-Kunstfahrten.

  1. Monika Schacherer Foto: Karin Wortelkamp

UMKIRCH. "Ich bin eine Nestflüchterin, meine Familie väterlicherseits stammt aus Lenzkirch", sagt Monika Schacherer, die kürzlich eine Ausstellung mit Werken ihrer Schülerinnen und Schüler aus 32 Jahren ihrer Lehrtätigkeit in der Volkshochschule Umkirch eröffnet hatte. "Meine Vorfahren waren Glas- und Uhrenträger aus dem Schwarzwald, so genannte Elsassträger, und betrieben den "Schwobelade" in Straßburg, in dem mit diesen Produkten gehandelt wurde." Der Vater ist im Elsass geboren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg musste die Familie alles zurücklassen und über den Rhein ziehen. Ihr Vater wurde Amtsgerichtsdirektor in Freiburg. Sie selbst ist 1943 in der Habsburgerstraße geboren. "Ich weiß noch, dass Mama mit dem Fahrrad hamstern ging", erzählt Monika Schacherer. Ihr 1946 geborener Bruder kam ins Bärental zur Erholung. "Meine Mutter ist täglich da hoch geradelt, um ihn zu stillen." Von ihr scheint Monika Schacherer also den Elan geerbt zu haben.

Die kleine Monika besuchte die Tivoli-Schule in Herdern, ein schönes altes Haus, das im Winter mit den mitgebrachten Briketts der Schüler geheizt wurde. Danach ging sie auf das Droste-Hülshoff-Gymnasium. Ihr Kunstlehrer Professor Walter Wild begeisterte sie für die Kunst. Später sollte sie ihm wieder begegnen.

Werbung


Nach der Schule wollte Monika Schacherer gern Kunst studieren, was sie aber nicht durfte. Sie sollte was Richtiges studieren, fand ihr Vater: "Falls du deine Kinder mal alleine durchbringen musst." Offensichtlich hat sie sich die Sache mit der Eigenständigkeit zu Herzen genommen, von der Kunst konnte sie aber auch nie lassen. Mit 16 ging sie allein nach Paris. Ihr Vater kannte dort einen jüdischen Anwalt, mit dem er wegen Reparationsleistungen zu tun hatte. Sie besuchte das Musée des Arts Décoratifs. Mit der Tochter der Familie fuhr sie an die Côte d Azur, wo sie insgesamt vier herrliche Sommer verbringen sollte. "Es war eine Jeunesse dorée, eine goldene Jugend. Darüber könnte ich Bücher schreiben."

In all den Jahren lernte sie keinen Mann kennen, der dem Vergleich zu ihrem späteren Mann standhielt, den sie bereits in der Unterprima kennengelernt hatte. Sie schrieben sich viele Briefe, nachdem sie 1963 Abitur gemacht hatte und nach Köln gezogen war. Dort lebte Monika Schacherer in einem katholischen Studentinnenheim und studierte Bibliothekswissenschaften. Eine ihrer Tanten, die Bundestagsabgeordnete war, wohnte in Bonn. So lernte sie die Kanzler Adenauer und Erhard kennen. Mit der Kunst kam sie vermehrt durch ihre ältere Freundin Irmin Straub in Berührung, die bei Louis Corinth studiert hatte, einem der einflussreichsten deutschen Impressionisten. Die Freundin hinterließ ihr ihre Farben und Lehrbücher.

Nach ihrem Diplom 1966 kehrte sie nach Freiburg zurück und wurde Bibliothekarin am Institut für Kriminologie, dann am Militärgeschichtlichen Forschungsinstitut. Die Beziehung mit ihrem Mann hatte die Bewährungsprobe trotz der Kölner Jahre bestanden, und sie heirateten 1967. 1970 kam ihr erster Sohn zur Welt und 1971 machte ihr Mann als jüngster niedergelassener Arzt in Baden-Württemberg in Umkirch eine Praxis auf. Sie gab ihren Beruf schweren Herzens auf und half ihm. Doch es füllte sie nicht aus.

So begann sie 1979 mit ihren VHS-Kursen. "Zuerst habe ich bei Professor Wild privat ein Seminar gemacht. Er motivierte mich, selbst Kurse zu geben. "Sei nicht verkopft, lass die Leute tun und sich entwickeln", hätte er ihr geraten. Daran hielt sie sich. Zunächst hielt sie Vorträge in den Volkshochschulen von Staufen, March und Breisach. Dann bot sie Kreativkurse, Unterricht im Malen und Zeichnen und Hilfe beim "Selbstverwirklichen" in der Erwachsenenbildung und den Jugendkunstschulen in Umkirch, im Hochschwarzwald und der Region an. Außerdem organisiert sie kulturelle Reisen, die sich auch Leute mit kleinem Geldbeutel leisten können, denn sie ist mittlerweile Expertin im Finden von günstigen Gelegenheiten wie der Nutzung von Lidl-Tickets oder kostenfreien Museumstagen in Paris, Dresden, Wien oder Berlin. "Nebenbei half ich immer in der Praxis, versorgte die Kinder und habe mitgeholfen, das Haus zu bauen."

Ihr neuestes Angebot bei der VHS Umkirch ist ein Medienseminar – das sei eine Marktlücke. "Nach zwei ausgedehnten Zyklen der Kunstgeschichte ist es wichtig, sich auch mit den Herausforderungen unserer Zeit und deren Grundlagen zu beschäftigen" meint die außergewöhnliche Frau. Wohl auch deshalb werden ihre Kurse sehr gerne besucht.

Infos zu individuellen Kultur-Erlebnisreisen 2012 und zu den neuen Medien-Kursen direkt bei Monika Schacherer, Tel. 07665 / 940085 oder http://www.vhsumkirch.de

Autor: Kati Wortelkamp