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22. April 2010
Flut des Dietenbachs läuft ins Geld
In Karlsruhe wird das neue Hochwasserbecken am Dietenbach als Modell vorgebaut / Umkirch und Gottenheim müssen zahlen.
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Im Wasserbaulabor am Karlsruher Institut für Technologie lassen sich die Bürgermeister Volker Kieber (rechts) und Walter Laub das Modell des Dietenbachbeckens erklären. Die graue Platte im Vordergrund ist die Autobahn, zwischen Autobahn und Abfluss aus dem Becken (hinten) wird die Bahnstrecke verlaufen. Foto: b.schmidt
GOTTENHEIM/UMKIRCH. Das Regenrückhaltebecken Dietenbach, das Umkirch und Gottenheim vor Hochwasser schützt, muss saniert werden. Bezahlen müssen das die beiden Gemeinden über ihre Umlage an den Entwässerungsverband Moos. Damit das Millionen-Projekt auf jeden Fall wasserdicht wird, hat der Verband am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) einen Modellversuch in Auftrag gegeben.
In der Versuchshalle des Theodor-Rehbock-Wasserbaulabors steht ein maßstabgetreues Modell des Rückhaltebeckens, erbaut aus Steinen, Sand, Beton und Kunststoff. "Es hat was von Modelleisenbahn", gibt der stellvertretende Institutsleiter Boris Lehmann zu. Ein Meter im Modell entsprechen zwölf Meter in der Wirklichkeit. Das Labor hat allerdings nicht das ganze Becken nachgebaut, sondern nur den hydraulisch bedeutsamen Bereich rund um den Abfluss aus dem Becken. Für die Versuche leiten die Ingenieure Wasser ein. "Komplexe Strömungsvorgänge sind nicht berechenbar, sondern müssen sichtbar gemacht werden", begründet Lehmann die Versuche.Am Modell lassen sich unterschiedliche Hochwassersituationen simulieren. Die Ergebnisse aus dem Labor können n dann in die Wirklichkeit übertragen werden. Die Grundlage für das Modell lieferte das Freiburger Ingenieurbüro Fichtner Water and Transportation, das vom Moosverband mit der Sanierungsplanung beauftragt ist. Die Pläne der Freiburger Ingenieure werden in dem Modellversuch ausprobiert und noch verfeinert.
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Die Anforderungen an das Rückhaltebecken, das auf Freiburger Gemarkung zwischen dem Mundenhof und der Autobahnanschlussstelle Freiburg-Mitte liegt, sind durch neue Richtlinien für den Hochwasserschutz und die Gewässerqualität heute viel höher als bei seinem Bau 1994. Hinzu komme, dass das geplante dritte und vierte Gleis der Rheintalbahn mitten durch das Becken führen werde, sagt Umkirchs Bürgermeister Walter Laub. Bislang wird das aufgestaute Wasser über eine Scharte in der Dammkrone abgeleitet, unter der Autobahn hindurch in ein Waldstück jenseits der Autobahn, welches als Überschwemmungsfläche dient.
Künftig wird das nicht mehr so einfach möglich sein. Stattdessen muss ein aufwendiges, etwa 100 Meter langes Durchlassbauwerk her, dass das Wasser durch drei Schütze in einen Kanal unter den Bahngleisen und der Autobahn hindurch leitet. Im Regelfall sollen – auch das ist neu – die Schütze höchstens vier Kubikmeter Wasser in der Sekunde durch lassen. Derzeit sind es noch fünf Kubikmeter, was für Gottenheim aber zu viel sein könnte, weil hier neben dem Umkircher Mühlbach (in den der Dietenbach mündet) auch der Mühlebach aus Waltershofen ankommt. Beide Bäche kommen letztlich vom Schauinsland.
Das Rückhaltebecken soll künftig sogar einem Hochwasser Stand halten können, wie es statistisch gesehen nur alle 5000 Jahre vorkommt. Bis dahin ist aber noch viel Arbeit von den Ingenieuren gefragt, denn durch den geplanten Wegfall der Dammscharte wird sich das Fassungsvermögen des Beckens vergrößern. Ziel sind laut Projektleiter Matti Gerspacher 770 000 Kubikmeter statt der 420 000 Kubikmeter bisher. Das wird den Schutz für die Unterliegergemeinden weiter erhöhen. Die Ingenieure müssen aber noch prüfen, ob der Damm für solche Wassermassen verstärkt werden muss.
Knackpunkt der Planung ist das Durchlassbauwerk, wobei die für den Bahnausbau neu gestaltete Autobahnausfahrt zum Flaschenhals wird: Sie liegt etwas niedriger als die Autobahn und die geplanten Bahngleise, weshalb sie vielleicht eine zusätzliche Schutzwand braucht. Weil im Dietenbachgelände auch Tiere leben, hat der Moosverband einen ökologischen Gutachter eingeschaltet. Das Becken soll für Marder, Fuchs und Wiesel nicht zum Hindernis werden. Deshalb wird der neue Durchlass auf beiden Seiten der Wasserrinne mit Bermen ausgestattet, eine Art Gehsteig für die Tiere.
Ein Problem ist der Hardackerweg, denn er verläuft quer vor dem Eingang zum Becken. Der Weg verringere das Einstauvolumen um 20 bis 25 Prozent, sagt Gerspacher und empfiehlt daher, den Weg zurückzubauen. Er sei planwidrig gebaut worden, sagt der Ingenieur. Das ist nicht die einzige Ungereimtheit: Die Grundstücksgeschäfte rund um das Becken seien bis heute noch nicht im Grundbuch eingetragen, wundert sich Gottenheims Bürgermeister Volker Kieber, der im Januar den Vorsitz des Moosverbands von Laub übernommen hat. Der Verband will nun prüfen, ob der Bestand den planfestgestellten Plänen entspricht.
Die Modellversuche kosten 33 000 Euro. Die Sanierungskosten werden mindestens 2,3 Millionen Euro betragen. Der Moosverband hofft, dass das Land 60 Prozent davon übernimmt. Auch die Bahn habe nach langen Verhandlungen eingewilligt, sich zu beteiligen, berichtet Laub. Den Rest müssen sich die beiden Gemeinden teilen, was Laub wie Kieber mächtig ärgert. Beide sprechen von einem "Kuriosum", schließlich liege das Becken vollständig auf Freiburger Gemarkung und auch das Wasser komme aus Freiburg. Die Nachbargemeinde March wird dagegen von zwei Becken auf Freiburger Gemarkung geschützt, für deren Unterhalt aber die Stadt als Oberlieger aufkommt.
Dass das in Umkirch und Gottenheim anders ist, liegt an einem Vertrag aus den 80er Jahren. Damals war die Stadt noch Mitglied im Entwässerungsverband Moos. "Die Stadt hat sich aber damals für 300000 DM freigekauft", erklärt Kieber. Durch diesen einmaligen Zuschuss – der für den Bau der Gottenheimer Hochwassermulde verwendet wurde – entledigte sich Freiburg aller zukünftigen Verpflichtungen. Der Vertrag ist laut Kieber "rechtlich sauber, da kann man nichts machen".
Autor: Barbara Schmidt
