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24. Februar 2010

Herausforderung ohne Herausforderer

Tom Hirzle begründet, warum Suche nach Gegenkandidat zu Amtsinhaber Laub erfolglos blieb / Flugblatt von Laub-Gegnern.

  1. Er kann die Amtskette wohl anbehalten: Walter Laub ist einziger Kandidat für die Bürgermeisterwahl. Andere Bewerber für den Chefposten im Umkircher Rathaus konnten nicht gefunden werden. Ein Flugblatt t ruft jetzt zur Stimmabgabe für „Sonstige“ auf. Foto: christa rinklin/Manfred frietsch

  2. Foto: Manfred Frietsch

UMKIRCH. Am 14. März sind 4048 wahlberechtigte Umkircher zur Wahl des Bürgermeisters aufgerufen. Sie haben dabei nur eine Wahl: Walter Laub tritt als einziger Kandidat an. Dagegen ist zwar nun ein Flugblatt in Umlauf. Aber es gibt keinen Herausforderer, auch wenn Bemühungen in diese Richtung liefen. An ihnen wirkte maßgeblich Gemeinderat Tom Hirzle mit.

Der selbstständige Architekt steht eigentlich schon seit dem 6. Juni 2009 im Blickpunkt. Denn da gelang ihm als Neukandidat bei den Kommunalwahlen souverän der Einzug in den Gemeinderat: Er wurde Stimmenkönig, und das als parteiloser Bewerber auf der Liste der damals am Boden liegenden SPD. Gerade weil er, der im ganzen Ort bekannte Vorsitzende der Bürgerinitiative Pro B 31 West, nicht an ein Parteibuch gebunden ist, wurde er als möglicher Herausforderer von Laub ge-handelt. "Überrascht hat mich das nicht" meint Hirzle dazu, dass ihn eine Reihe von Bürgern und natürlich die SPD noch im alten Jahr ansprachen, ob er sich nicht eine Kandidatur vorstellen könne. Es wäre ja auch nicht die erste gewesen: Schon 2002 war Hirzle angetreten, damals gegen den SPD-Bürgermeister Ulrich Greschkowitz und in Konkurrenz zu den gleich zwei Bewerbern aus den Reihen der damaligen CDU-Gemeinderatsfraktion, Walter Laub und Klaus Leible. "Ich verstand mich als Alternative gegen die Fixierung auf die Parteien, aber die Wahrnehmung der Öffentlichkeit war damals stark auf den Clinch der Parteien und im Gemeinderat fixiert, da kam ich als unabhängiger Kandidat unter die Räder" resümiert Hirzle aus heutiger Sicht, wie er 2002 im ersten wie im zweiten Wahlgang jeweils nur Dritter wurde. 2010 nun sei die Ausgangslage vor allem für ihn persönlich eine ganz andere. Denn inzwischen hat sich Hirzle als Architekt selbstständig gemacht. "Diese Existenz will ich nicht aufgeben" erklärt Hirzle, darum komme eine erneute Bürgermeisterkandidatur für ihn nicht in Betracht.

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Klaus Leible wiederum sah für sich keine Veranlassung, über eine eigene Kandidatur nachzudenken. 2002 habe er – wie zuvor schon 1994 – kandidiert, weil er mit dem damaligen Bürgermeister Greschkowitz unzufrieden gewesen sei, "da habe ich Flagge gezeigt". Jetzt sei die Lage eine andere. Dass er, Leible, im Gemeinderat nicht selten eine andere Meinung als Laub oder die CDU-Fraktion vertrete, bedeute nicht, dass er auf Opposition mache. "Ich bin aber auch kein Jasager oder Mitschwimmer, ich vertrete das, was ich sachlich für richtig halte" betont Leible. Und dass sich kein in Umkirch unbekannter Kandidat von außerhalb in den Ring gegen den Amtsinhaber wage, sei ja nicht wirklich überraschend.

Genau eine solchen möglichen "weißen Ritter" von außerhalb hatten aber die SPD und Hirzle zu finden versucht. "Es ging uns nicht einfach um einen Gegenkandidaten zu Laub, sondern darum, von dem Schattenboxen im Ort wegzukommen und eine Fachkraft von außen zu interessieren", erklärt Hirzle. Und der SPD-Ortsvorsitzende Michael Wirth betont, dass man dabei auch betont auf inhaltliche Positionen Wert legen wollte.

Nachdem die Fraktion im Gemeinderat mit dem Vorstoß unterlegen war, in der Wahlanzeige der Gemeinde im Staatsanzeiger den Zusatz, dass der Amtsinhaber wieder kandidiere, zu streichen, entschloss man sich im Januar zu einer eigenen Anzeige. Doch verlangte der Staatsanzeiger als Organ für amtliche Bekanntmachungen laut Hirzle, dass in der Anzeige weder der Name der Gemeinde noch eine Person als Auftraggeber genannt werden dürfe. Darum habe man in der Anzeige unter dem Schlagwort "Wahl braucht Auswahl" von einer – freilich leicht als Umkirch zu identifizierenden – Gemeinde im Umland Freiburgs gesprochen und eine e-mail-Adresse als Anlaufstelle genannt. Das habe mit Heimlichtuerei also nichts zu tun, betont Hirzle. Tatsächlich hätten sich zehn Personen gemeldet, von denen drei mit konkretem Interesse zu Gesprächen nach Umkirch kamen. Letztlich wollte aber doch keiner als Außenseiter gegen Laub antreten. Dies könne er akzeptieren, meint Hirzle. Immerhin habe man sich ernsthaft um eine Wahlmöglichkeit für die Umkircher Bürger bemüht. "Wichtiger als persönliche Befindlichkeiten sind jedoch Vielfalt und Auswahl, für die wir uns eingesetzt haben," heißt es in einer gemeinsamen Erklärung Hirzles und seines ebenfalls parteilosen Fraktionskollegen Erhard Haas.

So bleibt allein die Frage spannend, wie hoch die Wahlbeteiligung bei Laubs Wiederwahl ausfallen wird. "Ich hoffe auf viele Wähler, wir brauchen einen starken Bürgermeister" gibt jetzt SPD-Chef Wirth als Losung aus. Kurioserweise könnten gerade Laub-Gegner dazu beitragen. So ist ein Flugblatt in Umlauf, das zur Stimmabgabe gegen Laub auffordert. Gültig wäre diese nur, wenn auf dem Wahlzettel eine durch Name und Wohnort – nötigenfalls mit ganzer Adresse – klar identifizierbare Person notiert wird. Um damit aber einen zweiten Wahlgang zu erzwingen – für den dann neue Kandidaten antreten könnten – müsste es am 14. März insgesamt mehr gültige Stimmen für solche sonstigen Personen geben, als für den einzigen auf dem Wahlzettel aufgeführten Kandidaten Walter Laub. Bei der letzten Wahl 2002 kamen – bei allerdings vier Kandidaten – gerade einmal 0,4 Prozent an solchen sonstigen Stimmen zusammen.

Autor: Manfred Frietsch