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26. Januar 2012
Krimistoffe aus dem Leben
Claudia Pflaum greift in ihren Jugendbüchern auch schwierige Themen auf / Lesung am Freitag.
UMKIRCH. Claudia Pflaum wollte immer schon ein Buch schreiben, nun hat sie in zwei Jahren bereits vier Bücher geschrieben, Bücher für Kinder ab zehn Jahren. Ihre Helden, Lolatte und Krawatte, sind Randfiguren bei den Gleichaltrigen. Krawatte lebt als Waise bei seiner Großmutter und ist Quereinsteiger in seiner Klasse. Lolatte wird gemobbt. Sie tun sich zusammen und wehren sich gegen die "Erbsenhirne" – und lösen auch Kriminalfälle.
"Als das erste Buch fertig war, suchte ich einen Verlag," erzählt Claudia Pflaum. Sie verschickte ihr Manuskript an verschiedene Verlage. Ein evangelischer zeigte Interesse und band die Autorin vertraglich für sechs Bände an sich. Claudia Pflaum war früher Krankenschwester und Gemeindediakonin. Sie war lange in der evangelischen Kirchengemeinde in Umkirch aktiv und studiert heute noch für sie das Weihnachtsstück mit Kindern ein.Sie wolle die christlichen Werte in ihren Büchern aber nicht mit der Holzhammermethode vermitteln, sagt sie. "Das können die Kinder im Handeln der Figuren entdecken." Es gehe ihr vor allem um das mitmenschliche Verständnis. "Wir können auch die verstehen, die Mist bauen." Diese Vorgehensweise sei nicht ganz im Sinne des Verlages, deshalb wisse sie nie, ob ein nächster Band erscheinen werde. Wenn der Verlag sich aber meldet, muss sie den nächsten Band relativ flott schreiben. Sie macht sich dann einen Stundenplan, setzt sich zwei bis drei Vormittage die Woche in ein Café und schreibt. Im Café habe sie das Gefühl, es sei halb Arbeit und halb Urlaub.
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Am liebsten würde sie auch Hörbücher schreiben oder die Bücher verfilmen, aber durch die Bindung an den Verlag ist sie eingeschränkt. Claudia Pflaum arbeitet heute als selbständige Theaterpädagogin und Drama- und Theatertherapeutin. Sie arbeitet in der Freiburger Schulprojektwerkstatt, macht theaterpädagogische Sprachförderung für Kinder mit Migrationshintergrund, arbeitet mit behinderten Menschen in der Akademie Himmelreich und im Epilepsiezentrum Kork. Demnächst wird sie wahrscheinlich ein Projekt im Gefängnis durchführen.
Auch sonst ist sie sehr kreativ: Sie schreibt an einem Krimi für Erwachsene mit einer Kommissarin wie aus dem richtigen Leben ("der passieren auch mal peinliche Dinge") und an einem Kurzroman über eine afrikanische Toilettenfrau in einem hiesigen Einkaufszentrum.
Ihre "Lolatte- und Krawatte"-Bücher behandeln keine Allerweltsthemen und sind thematisch nicht einfach. Sie wolle keine oberflächlichen Themen behandeln, sagt die Mutter zweier Kinder. Im zweiten Band geht es um häusliche Gewalt und Magersucht, im dritten um Mobbing, das fast in einen Amoklauf des betroffenen Mädchens gipfelt. Der vierte Band schließlich handelt von illegaler Einwanderung und sogar von einem Mord. Für Claudia Pflaum sind sowohl Humor als auch in die Tiefe gehen zwei elementare Bereiche ihrer Bücher und des Lebens überhaupt. "Ich möchte auch zeigen, dass Kinder ihre Träume wahr machen können. Ich möchte ihnen Mut machen, sich mitzuteilen und sich auszudrücken." Sie selbst habe als Kind übrigens nicht gelesen und sei von der Schule geflogen. "Aber Menschen können trotzdem ihren Weg machen", lacht sie.
Dass sie mit ihren Themen die Nöte und Gefühle ihrer jungen Leserschaft anspricht, beweisen die Briefe und Mails, die sie bekommt und alle beantwortet. "Sie schreiben mir über ihre Gefühle oder ihre Mobbingerfahrungen. Manche schreiben mir auch, dass sie meine Bücher in der Schule vorstellen. Mit manchen stehe ich schon länger in Kontakt."
Die Bücher von Claudia Pflaum verkaufen sich vor allem über Mundpropaganda, Werbung gibt es kaum. Die Autorin tritt nur mit ihren Lesungen an die Öffentlichkeit. Die nächste ist am Freitag 27. Januar um 19 Uhr in der Gemeindebücherei Umkirch: "Lolatte und Krawatte – Die Jagd nach der Schwarzen Hand". Der Eintritt ist frei.
Autor: Kati Wortelkamp
