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17. Februar 2012
Musikalische Verbeugung vor den Opfern des Tsunamis
Maki Kobayashi lotet mit seinem beeindruckenden Umkircher Benefizkonzert für Japan die emotionalen Tiefen großer Musik aus.
UMKIRCH. Am Sonntag Abend gab der Pianist Maki Kobayashi zugunsten seines Heimatlandes Japan ein Benefizkonzert im Umkircher Bürgersaal. Mit den Spenden wolle er helfen, dass die Musik in dem vom Tsunami und der Reaktorkatastrophe betroffenen Gebiet wieder Fuß fassen könne, sagte er in einer bewegenden Ansprache vor seinem Auftritt.
Wer glaubte, zur Tatortzeit am Sonntagabend könne man kein Publikum für dieses klassische Konzert gewinnen, sah sich getäuscht: Der Bürgersaal war bis auf den letzten Platz besetzt, sogar auf der Treppe zur Empore saßen Zuhörer. Schon mit den Klängen von Mozarts "Adagio in h-moll Kv.540" hatte Kobayashi sein Publikum verzaubert. Er bat darum, nach dem getragenen Stück, das er für die Opfer der Katastrophe spiele, keinen Applaus zu spenden.
Den gab es umso reichlicher bei den restlichen Klavierstücken des Abends. Zunächst wurde man fast verstört und aufgeschreckt von der Musik des modernen japanischen Komponisten Toru Takemitsu. Kobayashi spielte ihn ebenso wie alle anderen Stücke – rund zwei Stunden lang – mit geschlossenen Augen und ohne Notenblätter. Andächtig lauschte das Publikum danach einer Sonate von Schubert, die einen innerlich davon treiben ließ. Fast wie automatisch schlossen viele Menschen im Saal die Augen. Kobayashis Lust und Leidenschaft am Spiel war deutlich spürbar.
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In der Pause waren begeisterte Kommentare zu hören. Viele seiner Schüler und Schülerinnen der Musikschule im Breisgau waren gekommen, aber auch Freunde der Klaviermusik aus der Region, für die der Name Kobayashi längst ein Begriff geworden ist. Für die Gemeinde war der Solist und Kammermusiker bei der Suche nach dem hervorragenden Flügel für den Bürgersaal behilflich, auf dem er jetzt sein Konzert gab.
Nach der Pause ging es leichter mit Chopin weiter. Kobayashi verschmolz regelrecht mit dem Flügel und ließ im Inneren der Zuhörer Bilder von blühenden Wiesen und glücklichen, sonnigen Momenten auftauchen. Stundenlang hätte man weiter lauschen können, die Musik durchströmte und belebte den ganzen Körper. Maki Kobayashi hatte sich warm gespielt, verbeugte sich bescheiden zwischen seinen Stücken und bedankte sich bei der Chorgemeinschaft Umkirch, deren Dirigent er ist, und der Gemeinde für die Unterstützung für dieses Konzert. Dann gab er eine Zugabe als Zeichen der Hoffnung für die Überlebenden der Katastrophe: Schuberts Impromptus in Ges-Dur.
Nach dem Konzert bildete sich eine Schlange von Menschen vor der Tür, hinter der Kobayashi verschwunden war. Sie bedankten sich, als er herauskam, einzeln bei ihm für das herzerwärmende Konzert, was der Pianist bescheiden entgegen nahm. Auch einige seiner Landsleute waren gekommen und verbeugten sich sichtlich bewegt vor ihm, seiner Musik und auch dem besonderen Anlass des Konzerts. Die Spenden und Erlöse aus dem Getränkeverkauf des Abends betragen rund 2700 Euro. Sie sollen für den Kauf von Musikinstrumenten verwendet werden, die in den Schulen und Kulturhäusern beim Tsunami zerstört wurden.
Autor: Kati Wortelkamp
