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06. März 2010
"Umkirch wird wieder positiv wahrgenommen"
BZ-GESPRÄCH: mit Walter Laub, einziger Kandidat zur Bürgermeisterwahl, über Ortsentwicklung, Bürgerbeteiligung, Zukunft der Schule und Gemeindewerke.
UMKIRCH. Nach acht Jahren stellt sich Umkirchs Bürgermeister Walter Laub am Sonntag, 14. März, der Wiederwahl. Manfred Frietsch und Barbara Schmidt haben ihn nach seiner Motivation und seinen Zielen für Umkirch gefragt.
BZ: Herr Laub, trauen Sie sich heute eigentlich über die Straße? Die B31-Umfahrung ist da, aber was gibt es noch an Restbelastung in der Hauptstraße?Laub: Ich traue mich natürlich über und auch mit meinem Fahrrad auf die Straße, aber nicht zu allen Tageszeiten. Die Verkehrsbelastung hat von 25 000 Fahrzeugen zwischenzeitlich auf 12 000 abgenommen, nur hat die Belastung der Straße nach Waltershofen aus meiner Sicht deutlich zugenommen. Viele, die im Gewerbegebiet Nord oder Hochdorf arbeiten und in Opfingen, Merdingen oder Waltershofen wohnen, fahren jetzt über Umkirch. Was deutlich abgenommen hat, ist der Lkw-Verkehr. Es gibt Leute, die sagen, es müsse noch mehr Verkehr aus dem Ort raus. Die andere Seite ist aber: Viel weniger Fahrzeuge heißt auch weniger potenzielle Kunden für unseren Einzelhandel. Ich wage zu behaupten, dass wir keine zwei Apotheken und keine drei Bäcker hätten, wenn nur die Bürger aus Umkirch dort einkaufen würden.
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Laub: Doch, ausgehend vom Gutshof. Der Architektenwettbewerb nahm ja den gesamten Bereich vom Heuboden bis zum Pfauen ins Visier. Nach dem Gutshof-Gebäude werden wir dieses Jahr jetzt den Außenbereich darum herum in Ordnung bringen. In einem dritten Schritt kommt dann die Kreuzung Waltershofer, Gottenheimer und Hauptstraße und danach dann die Hauptstraße bis Hasenwinkel.
BZ: In welcher Zeit geschieht das?
Laub: Ich bin mir mit dem Gemeinderat einig, dass wir das nur machen, wenn wir Geld haben. Wir werden uns für diese ganzen Maßnahmen sicherlich nicht verschulden. Eine Schuldenaufnahme war bei allen Projekten im Landessanierungsprogramm, vom Rathaus über den Gutshof bis zur Mühle, nie in der Diskussion.
BZ: Der Architektenentwurf ist das eine. Aber wie würden Sie persönlich die Straße gestalten?
Laub: Wir waren in Hornberg, und das fand ich sehr schön gemacht. Was klar ist: Wir werden natürlich nicht die ganze Hauptstraße mit Granitsteinen belegen können. Das ist auch nicht notwendig. Ich stelle mir vor, dass der Einmündungsbereich Gottenheimer Straße/Waltershofer Straße/Hauptstraße mit Granitplatten belegt wird, um eine optische Fortsetzung des Platzes zu erreichen und so unsere Ortsmitte zu definieren. Ob wir das mit dem Tempo 20 hinbekommen, wage ich zu bezweifeln, weil das auf einer Kreisstraße eigentlich nicht zulässig ist. Das haben sie uns beim Landratsamt schon signalisiert.
BZ: Was schätzen Sie, haben die Bürger für Vorstellungen zur Hauptstraße?
Laub: Die Bürger wollen natürlich auch, dass die Straße verkehrsberuhigt wird. Vor allem, dass die Fahrzeuge nicht jetzt, nachdem die Straße frei ist, so schnell fahren. Wir haben deswegen beim Landratsamt auch schon Maßnahmen beantragt.
BZ: Gutshof und Hauptstraße sind nur ein Teil der Zukunftsgestaltung für Umkirch. Es gibt auch noch "Umkirch 2020". Was verbirgt sich denn dahinter?
Laub: Das ist kein Geheimnis. Wir haben damals unter der Moderation vom Stadtplanungsbüro Fahle Zukunftskonzepte zu Papier gebracht. Der erste Arbeitskreis war im September 2005. Meine Idee war eigentlich, nur Bürger zu holen. Die Gemeinderäte wollten jedoch auch mit dabei sein. Der Gemeinderat hat schließlich 14 Bürger ausgewählt, dann waren wir 29. Wir haben sieben Entwicklungslinien herausgearbeitet, zum Beispiel Ortsmarketing oder Entwicklung Brünnleacker.
BZ: Das ist mittlerweile gut vier Jahre her. Gibt es nicht Bedarf, dazu eine öffentliche Bestandsaufnahme zu machen?
Laub: Wenn ich das Papier so durchblättere, fällt auf, dass wir schon relativ viel abgearbeitet haben. Für mich ist klar, dass wir diesen Prozess fortschreiben müssen.
BZ: Wäre das auch eine Möglichkeit, dem verbreiteten Gefühl, dass solche Dinge in Umkirch zu wenig transparent sind, abzuhelfen?
Laub: Transparenz ist für mich ein wichtiges Thema; wir müssen den Bürgern unsere Entscheidungen nahe bringen; wichtig ist aber auch, dass Sie ein arbeitsfähiges Gremium haben. Wir haben die Teilnahme an dieser Projektgruppe damals im Gemeindeblatt ausgeschrieben und es haben sich um die 30 Personen beworben.
BZ: Soll dieser Arbeitskreis jetzt reaktiviert werden?
Laub: Ich werde mit dem Gemeinderat die Fortsetzung dieses Projektes diskutieren und gucken, ob die bisherigen Mitglieder bereit sind weiter zu machen.
BZ: Es gibt Gemeinden, die den Prozess des bürgerschaftlichen Engagements anpacken. Warum nicht auch in Umkirch?
Laub: Ich habe da einen anderen Ansatz. Den Arbeitskreis "Jung und Alt" machen wir schon seit drei Jahren, speziell auf die Seniorenarbeit fokussiert. Jetzt sind wir auf der nächsten Stufe: Wir haben einen Arbeitskreis "Pflege" eingerichtet, weil wir zum Ergebnis gekommen sind, dass wir in Umkirch eine Pflegeeinrichtung brauchen. Da sind nicht nur Gemeinderäte, sondern auch engagierte Bürger und Vertreter der Kirchen drin. Dann haben wir den Arbeitskreis für die Abschiedsräume, auch mit Bürgern. Mein Verständnis von bürgerschaftlichem Engagement ist, dass es projektbezogen sein muss, um effektiv zu sein.
BZ: Sie glauben also nicht, dass man einen Rahmen braucht, wo auch mehrere Arbeitskreise zusammen kommen, um sich auszutauschen?
Laub: Zum Beispiel in der Jugendförderung haben wir regelmäßig Zusammenkünfte mit der Vereinsgemeinschaft.
BZ: Das erreicht aber nur einen Teil der Jugend.
Laub: Das ist richtig. Darüber hinaus haben wir aber, auch von mir initiiert, das "Netzwerk Jugend Umkirch". Was ich jetzt noch anstoßen möchte, ist ein Arbeitskreis Sportstättenentwicklung. Da gehört sicherlich auch das Thema einer neuen Sporthalle dazu, die wir aus meiner Sicht dringend brauchen. Der nächste Arbeitskreis, den ich initiieren möchte, ist ein Arbeitskreis Kultur, weil wir durch den Bürgersaal die Möglichkeit für hochwertigere Veranstaltungen haben.
BZ: Wichtig für die Entwicklung einer Gemeinde ist auch die Baupolitik. Braucht Umkirch überhaupt noch neue Baugebiete? Wenn ja, wo und und mit welchen Vorgaben?
Laub: Wir wollen zunächst das Innenentwicklungspotenzial ermitteln und nutzen. Das Bühner-Gelände und Kalkofen haben wir so bebaut. Für den Bereich Dürrmatten/Brünnleacker am östlichen Ortseingang haben wir schon den Flächennutzungsplan geändert. Dort wird es bezahlbare Häuser geben. Im einzelnen muss das aber der Gemeinderat noch festlegen. Ich würde mir wünschen, dass wir noch mehr Wert auf ökologische und energieeffiziente Bauweise legen. Der Bereich Dürrmatten ist so groß, dass sich ein Nahwärmekonzept rechnen würde. Die Idee ist, dort eine Versorgungseinheit anzusiedeln, dass die Menschen sich dort mit Lebensmitteln versorgen können.
BZ: Gibt es bei der Infrastruktur im Ort sonst noch Bedarf?
Laub: Ja, wir bräuchten noch einen Orthopäden, gerade für die älteren Mitbürger. Und ein Hautarzt und ein Kinderarzt wären gut. Im Bereich des Einzelhandels sind wir eigentlich gut aufgestellt.
BZ: Wie sehen sie die Zukunft der Umkircher Hauptschule, da March jetzt Standort einer neuen Werkrealschule wird?
Laub: Es ist sicher in unserem Interesse, dass wir den Werkrealschulstandort March stützen. Eines ist klar: Umkirch wird nie Werkrealschule sein können. Wir haben jetzt im Augenblick 48 Schüler von Klasse 5 bis Klasse 9. Die notwendige Zweizügigkeit ist daher nicht möglich. Aber ich bin noch abwartend, wie sich das Ganze anlässt; es gibt noch sehr viel Bewegung in diesem Bereich. Auch tue ich mich schwer, die Kinder schon ab Klasse 5 abzugeben. Es gibt viele Gründe zu gucken, dass man so viele Klassen wie möglich hier am Ort hält. Die Hauptschule Umkirch ist ja auch seit Jahrzehnten gewachsen und eine etablierte Einrichtung.
BZ: Ganz neu sind die Umkircher Gemeindewerke. Warum hat sich Umkirch nicht mit einem bestehenden Gemeindewerk zusammengetan?
Laub: Wir haben uns für einen strategischen, großen Partner entschieden, weil wir bei unserer Gemeindegröße auf dem Markt keine Chance haben mit einem kleinen Partner. Was ich mir durchaus vorstellen kann, ist, dass wir mit Gundelfingen und Kirchzarten, die ja beide Badenova-Partner sind, zusammen rücken. Wenn man Strom oder Gas einkauft, ist es schon wichtig, ein größeres Potenzial im Hintergrund zu haben. Unsere Zielsetzung war aber, zur Daseinsfürsorge die Netze in kommunaler Hand zu haben, um Einfluss auf Netzqualität und Versorgungssicherheit zu nehmen. Auch erneuerbarer Energien sind ein wichtiges Thema. Ich möchte gerne eine Bürgersolaranlage konzipieren.
BZ: Im Gewerbegebiet Stöckmatten sind jetzt alle Flächen verkauft sind. Sie haben aber noch die Schulden. Wie ist die Perspektive, davon runter zu kommen?
Laub: 1,4 Millionen Euro hat uns die Abrechnung des Gewerbegebiets gekostet, wovon 1,1 Millionen Euro nur Zinsaufwendungen sind. Das hing damit zusammen, dass man 5,5 Millionen Euro Herstellungskosten hatte und über Jahre nichts verkauft hat. Wir tilgen relativ hoch, mit sieben Prozent. Das heißt für uns, in diesem Haushalt 422 000 Euro. Das Ziel ist, auch außerordentlich zu tilgen, damit wir von den Schulden schnell runter kommen.
BZ: Wann zahlt sich das Gewerbegebiet steuerlich aus?
Laub: Wir haben ausgerechnet, dass wir circa acht Jahre brauchen werden. Aber das Gewerbegebiet ist für mich ja nicht bloß die Gewerbesteuer. Das sind auch Arbeitsplätze, Ausbildung- und Praktikumsplätze. Vor allem darf man nicht vergessen: Die Leute kaufen beim Neukauf ein, sie essen beim Kramer. Sie lassen viel Geld in Umkirch. Wir sind mit unseren Firmen sehr gut dran.
BZ: Trotzdem gibt es über das Gewerbegebiet, wie über andere Themen, immer wieder Konflikte im Ort. Wie gehen Sie damit um, dass manche Umkircher das auch öffentlich austragen?
Laub: Konflikte gibt es in jeder Gemeinde und Menschen, die sich bestimmter Themen annehmen. Da muss man fair miteinander umgehen. Die Lösung von Konflikten ist für mich jedes Mal eine Herausforderung und ich bin gerne bereit, mit jedem sachlich über strittige Themen zu diskutieren und mich von den besseren Argumenten überzeugen zu lassen.
BZ: Wie würden Sie einem Auswärtigen "die" Umkircher, falls es so etwas überhaupt gibt, beschreiben?
Laub: Es gibt "die" Umkircher. Das sind die Alt-Umkircher und diejenigen, die zugezogen sind und sich für die Gemeinde in Vereinen, Kirchen und Verbänden ehrenamtlich engagieren; das sind erstaunlich viele aus allen Schichten der Bevölkerung. Da ist ein enormes Gemeinschaftsgefühl spürbar. Das ist auch der Grund, weshalb ich die Arbeit gerne mache.
BZ: Welche konkreten Ziele haben Sie sich für die zweite Amtszeit gesetzt?
Laub: Ein Ziel ist für mich auf jeden Fall, die Kinder- und Jugendarbeit weiter auszubauen, auch die Kinderbetreuung, denn die Bedürfnisse ändern sich laufend. Stichwort: Kinderhaus 3 bis 10 Jahre. Unsere Sozialarbeiterin arbeitet momentan an einem Konzept. Ein großer Bereich sind für mich außerdem die Senioren und eine mögliche Pflegeeinrichtung. Das müssen wir auf jeden Fall angehen. Dann die Wasserversorgung und, was mir auch noch wichtig ist, die Wirtschaftsförderung. Wir haben jetzt das Gewerbegebiet verkauft, aber Wirtschaftsförderung ist auch Bestandspflege. Nicht zuletzt die Weiterführung der Ortskernsanierung. Ich könnte Ihnen noch eine ganze Reihe von Themen nennen. Was mich aber außerordentlich freut und worauf ich auch etwas stolz bin, ist, dass Umkirch in Freiburg und auch im Umland wieder positiv wahrgenommen und wertgeschätzt wird.
BZ: Und welches Ziel haben Sie sich für den Wahltag gesetzt?
Laub: Es wäre schön, wenn wir eine hohe Wahlbeteiligung hätten. Für mich wäre es eine Bestätigung dessen, was ich bisher gemacht habe, gleichzeitig eine große Motivation für die kommende Amtszeit.
Autor: bas
