Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
27. Januar 2012
Umkirchs Jugend musiziert nicht
Die Leitung der Musikschule im Breisgau meldet Rückgang der Umkircher Musikschüler um über die Hälfte in nur vier Jahren.
UMKIRCH. Mit weiteren sieben Kommunen ist die Gemeinde Umkirch Trägerin der Musikschule im Breisgau, die ihren Hauptsitz in Gundelfingen hat. Die beiden Schulleiter präsentierten auf der jüngsten Gemeinderatssitzung die Bilanz des vergangenen Jahres. Sie zeigten dabei eindrucksvoll, dass es bei der Arbeit der über 60 Lehrkräfte um weit mehr geht, als Kindern und Jugendlichen das Spielen eines oder mehrerer Musikinstrumente beizubringen. Großes Kopfzerbrechen bereiten allerdings die in Umkirch stark gesunkenen Schülerzahlen.
"Ich bin entsetzt über die Einbrüche der Zahlen", bekannte Bürgermeister Walter Laub, der auch zum Vorstandsteam der Musikschule im Breisgau gehört. Denn während in vergleichbaren Gemeinden wie beispielsweise Bötzingen die Schülerzahlen stabil oder gar ansteigend sind, hat die Musikschule in Umkirch in den vergangenen Jahren eine kontinuierliche Verringerung der Schülerzahlen zu verzeichnen.Hatten im Jahr 2007 noch 148 Jungen und Mädchen das Angebot der Musikschule genutzt, waren es im Jahr 2011 gerade einmal noch 66 Schüler. Damit ist die Nachfrage in nur vier Jahren um weit über die Hälfte gesunken, beklagte Schulleiter Matthias Hinderberger die "dramatische Entwicklung". Die qualitätsvolle Ausbildung seitens der Musikschule wünschen sich vor allem die Musikvereine, so Hinderberger. Allerdings leiste die Institution weitaus mehr, erläuterte der Schulleiter. So würden den Kindern und Heranwachsenden "ganz nebenbei" auch Fähigkeiten wie Durchhaltevermögen, Ausdauer und Verantwortungsbewusstsein vermittelt, die in allen Lebensbereichen und -abschnitten von zentraler Bedeutung seien. Gerade auch für Kinder mit Migrationshintergrund sind "niedrigschwellige Angebote" wie das Vorschulprogramm "Singen, Bewegen, Sprechen" (SBS), das von Kindergärten und Musikschulen gemeinsam angeboten wird, von großer Wichtigkeit, so Hinderberger weiter. Umso mehr bedauerte er, dass auf Beschluss der neuen Landesregierung das Programm nicht, wie ursprünglich angedacht, in den ersten beiden Grundschulklassen fortgesetzt würde.
Werbung
"Wir müssen bekannter werden", waren sich Bürgermeister Laub und der stellvertretende Schulleiter Lutz Thormann in Sachen Erweiterung der Schülerbestände einig. Als "Schaufenster nach Außen" nannte Thormann beispielsweise Veranstaltungen wie Infotage, öffentliche Musikstunden, Schülerkonzerte oder Kooperationen mit anderen Vereinen, Firmen oder Institutionen. Allerdings befände sich die Umkircher Musikschule in einer Art "Teufelskreis", denn je weniger Kinder die Musikschule besuchten, desto schwieriger sei es, öffentlichkeitswirksame Projekte auf die Beine zu stellen, schilderte Thormann das Dilemma.
"Nach dem Kindergarten laufen die Kinder ins Off", störte sich Jörg Kandzia (CDU) am Wegfall von SBS in der Grundschule. "Beim Sport und bei der Musik sind soziale Unterschiede am leichtesten zu überwinden", betonte Tom Hirzle (SPD) die Wichtigkeit der Musikschule.
Renner bei den Instrumenten ist weiterhin das Klavier, gefolgt von Gitarre, Trompete und Querflöte. Die Musikschule im Breisgau verfügt über einen Jahresetat von rund einer Million Euro.
Autor: Julius Steckmeister
