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21. September 2011 13:52 Uhr

Atdorf

Umweltminister Untersteller: Ja zum Pumpspeicher am Hochrhein

Das Pumpspeicherwerk mit seinen beiden Becken im Hotzenwald und am Hochrhein soll kommen – die Frage ist nur, in welcher Form. Diese Linie vertritt der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller.

  1. Umweltminister Untersteller hat sich für Pumpspeicherwerk Atdorf mit dem Unterbecken bei Bad Säckingen und dem Oberbecken im Hotzenwald ausgesprochen. Foto: Repro:BZ

  2. Umweltminister Untersteller hat sich für Pumpspeicherwerk Atdorf mit dem Unterbecken bei Bad Säckingen und dem Oberbecken im Hotzenwald ausgesprochen. Foto: Repro:BZ

Der Grünen-Politiker gab seine Maxime bei der Sitzung des Runden Tischs am Dienstag in Wehr aus. Das umstrittene Projekt soll helfen, ein ehrgeiziges Ziel der Landesregierung zu erreichen: Geht es nach Grün-Rot, dann haben die erneuerbaren Energien schon 2020 einen Anteil von 35 Prozent an der Stromerzeugung in Baden-Württemberg.

Wenn der Anteil der erneuerbaren Energien steigt, steigt auch der Bedarf an Stromspeicherkapazität. Da sind sich nicht nur die Experten einig. Aber um die Frage, wie der Strom gespeichert werden soll, und wie eilig der Ausbau der Kapazitäten ist, wird heftig diskutiert – auch am Hochrhein, wo von 2013 an das Pumpspeicherwerk Atdorf gebaut werden soll.

Pumpspeicher auf Dauer kein Allheilmittel

Nachdem es gestern beim Runden Tisch zu dem umstrittenen Großprojekt um die energiewirtschaftliche Notwendigkeit gegangen war, erklärte der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller im Gespräch mit der Presse, dass es nicht mehr darum gehe, ob gebaut werde. Nun müsse geklärt werden, wie gebaut wird.

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Die Belange des Natur- und Umweltschutzes sowie der Anwohner müssten bestmöglich berücksichtigt werden. Auch sei klar, dass die Region angemessen entschädigt wird. Er könne sich beispielsweise ein Stiftungsmodell vorstellen, wolle aber den Diskussionen vor Ort nicht vorgreifen. Der Runde Tisch hat ein touristisches Gutachten in Auftrag gegeben, das auch Entwicklungsmöglichkeiten durch Ausgleichszahlungen untersucht.

Untersteller gab zu, dass Pumpspeicherwerke nicht auf Dauer das Allheilmittel sein werden. Aktuell seien sie aber die einzige erprobte, wirtschaftliche und effektive Methode zur Energiespeicherung. Die dafür notwendigen topografischen Bedingungen finde man in Deutschland vor allem im Süden, und eben auch in Baden-Württemberg. Ob die großen Speicherseen in Norwegen als Alternative für Deutschland in Zukunft verfügbar sein werden, sei noch nicht abzusehen. Dies zumal es dort vor Ort durchaus Widerstände gebe und andere Staaten ebenfalls Interesse an den großen Speicherkapazitäten in Skandinavien hätten.

Für Untersteller hat der Ausbau der Energiespeicher höchste Priorität. Das stellte er in Wehr klar. Und ihm zufolge ist durchaus Eile angesagt: Die Umsetzung eines Pumpspeicherwerks nehme sechs bis acht Jahre in Anspruch – "wenn wir heute nicht handeln, werden wir später in einen Engpass kommen". Deshalb ständen im Kabinett zeitnah ein Speicherkonzept und auch die Förderung von Speichertechnologien auf der Tagesordnung. "Das Prinzip Hoffnung ist nicht geeignet, um die Energiewende umzusetzen."

Ein Journalist hält Untersteller das St.-Florians-Prinzip vor

Mit seiner positiven Haltung zu Atdorf liegt Untersteller trotz "intensiver Kommunikation" auf Kollisionskurs mit den Grünen vor Ort: "Wir hatten in inhaltlichen Fragen unterschiedliche Auffassungen, und offensichtlich ist das immer noch so", sagte Untersteller. In der Frage der grundsätzlichen Akzeptanz von Pumpspeicherwerken sieht er sich dagegen mit der grünen Basis am Hochrhein auf einer Linie. Das habe die Arbeit am Wahlprogramm für die Landtagswahl gezeigt.

War Atdorf lange Zeit nur in der Region ein Thema, haben es mittlerweile auch überregionale Medien aufgegriffen. Umso mehr, als der Runde Tisch eine wahre Bewährungsprobe für die Bürgerbeteiligung ist, die sich die grün-rote Landesregierung auf die Fahne geschrieben hat. Die Interessen der Bürger verteidigte Untersteller im Gespräch mit einem Münchner Journalisten. Der hatte in den Raum gestellt, der Protest vor Ort sei nichts anderes als das berüchtigte St.-Florians-Prinzip. Davon könne keine Rede sein, so der Umweltminister. Mit dieser Argumentation würde jede Diskussion vor Ort von vornherein unterbunden, so Untersteller. Er räumte aber ein, dass es bei der Umsetzung einzelner Projekte vor Ort oft schwierig werde. Da seien dann die Politiker gefordert, vor Ort mit Information und Transparenz für Akzeptanz zu sorgen. Das müsse nicht unbedingt bei einem Runden Tisch wie dem zu Atdorf geschehen. Auch eine Mediation hinter verschlossenen Türen könne sinnvoll sein und biete oft eine gute Gelegenheit für offene Gespräche.

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Autor: Katja Mielcarek