USA

UN-Botschafterin Nikki Haley tritt zurück

Frank Herrmann

Von Frank Herrmann

Di, 09. Oktober 2018 um 21:08 Uhr

Ausland

Nikki Haley, die UN-Botschafterin der USA, hat völlig überraschend ihren Rücktritt bekannt gegeben. Der Republikanerin werden Ambitionen auf das Weiße Haus nachgesagt.

Spätestens im Januar wird die Republikanerin, der Ambitionen aufs Weiße Haus nachgesagt werden, ihren Posten am New Yorker East River verlassen. Es war ein Abschied mit Treueschwüren, den US-Präsident Donald Trump und Haley am Dienstag im Oval Office zelebrierten.

Seinen einstigen Außenminister Rex Tillerson hatte der Präsident mit einem Tweet gefeuert, ohne ihm einen letzten Auftritt in Würde zu gönnen. Bei Haley dagegen bot er all seinen Charme auf, um schönste Harmonie vorzuspielen. "Sie hat einen fantastischen Job gemacht, wir beide zusammen haben einen fantastischen Job gemacht", schmeichelte er.

Die Vereinigten Staaten, gab Haley das Lob zurück, hätten sich wieder Respekt verschafft. "Manchen Ländern gefällt vielleicht nicht, was wir tun. Aber sie respektieren, was wir tun", sagte sie. Und weiter: "Die USA sind wieder stark." Ein Extralob galt Trumps Tochter Ivanka und deren Mann Jared Kushner, dessen "verborgenes Genie" nicht angemessen gewürdigt werde.

So verabschiedet sich niemand, der keine politischen Pläne mehr hat, zumal in einer Republikanischen Partei, die nach anfänglichem Widerstand nun fast ohne Abstriche eine Trump-Partei ist. Haley, Tochter indischer Einwanderer, gilt als aufstrebender Star in den Reihen der Konservativen und damit als potentielle Bewerberin fürs Weiße Haus. Zwar dementiert sie Gerüchte, nach denen sie bereits 2020 kandidieren könnte: 2020 werde sie für Donald Trump Wahlkampf machen, betont Haley. Wohl aber könnte sie sich in ihrem Heimatstaat South Carolina um einen Sitz im US-Senat bewerben, was ein Sprungbrett wäre, um 2024 ins Duell um die Präsidentschaft zu ziehen.

Haley werden Ambitionen auf das Weiße Haus nachgesagt

Ein Schlüsselposten im Kabinett Trumps indes schien ihr auf absehbare Zeit verwehrt, worin das wahre Motiv ihres Rücktritts liegen dürfte. Es hat ja durchaus Tradition, dass amerikanische UN-Botschafter ins Zentrum der Regierung wechseln. Madeleine Albright wurde unter Bill Clinton Außenministerin, Susan Rice unter Barack Obama Nationale Sicherheitsberaterin. Dass Haley ausscheidet statt aufzurücken, hat wohl in erster Linie mit zwei Hardlinern zu tun, die sie an den Rand drängten. Chefdiplomat Mike Pompeo und Sicherheitsberater John Bolton, beide im Frühjahr ernannt, verstehen sich als Alphatiere. Pompeos Vorgänger Tillerson hatte mit Trump gefremdelt und die Medienbühne gescheut. So konnte sich Haley, die sich bester Drähte zum Präsidenten rühmte, als eine Art heimliche Außenministerin profilieren. Pompeo indes versteht sich prächtig mit Trump und mag das Scheinwerferlicht. Bolton handelte schon nach der Maxime "America First", als Trump noch mit Immobilienkäufen beschäftigt war. Der Aufstieg der beiden ließ Nikki Haley absteigen, auch wenn sie sich alle Mühe gibt, den Eindruck zu verwischen.

Nach sechs Jahren im Gouverneursamt und zwei Jahren bei den Vereinten Nationen sei es Zeit für eine Pause, begründet sie ihren Schritt. Sie halte es für richtig, Amtszeiten zu begrenzen, und wolle mit gutem Beispiel vorangehen. In der UNO stand Haley für einen harten Kurs. Den Ausstieg aus dem Atomabkommen mit Iran verteidigte sie ebenso wie die Verlegung der US-Botschaft in Israel von Tel Aviv nach Jerusalem. Scharfe Kritik äußerte sie bisweilen an Russland. Im Wahlkampf 2016 hatte Haley noch zu jenen Republikanern gehört, die den Durchmarsch Trumps zu stoppen versuchten. Dass der Wahlsieger sie dann als prominenteste Frau in sein Kabinett holte, war eine faustdicke Überraschung.