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25. März 2011 11:41 Uhr

Streit beigelegt

Uniklinik-Heizkraftwerk liefert Fernwärme für den Freiburger Westen

Das Heizkraftwerk der Uniklinik liefert künftig Fernwärme für den Freiburger Westen. Darauf haben sich die Klinik, das Land Baden-Württemberg und Energieversorger Badenova geeinigt. Ein jahrelanger Streit wird damit beigelegt.

  1. Weißer Rauch am Uniklinik-Heizkraftwerk – es ist geschafft. In letzter Minute wurde Fernwärme-Deal mit Energieversorger Badenova beschlossen. Foto: Peter Schröder

Die Einigung könnte einen großen Sprung nach vorne in den Freiburger Bemühungen um den Klimaschutz bringen: Derzeit wird noch 20 Prozent des im Klinikkraftwerk erzeugten Stroms durch den Einsatz von Steinkohle gewonnen. Bis zum Jahr 2016 will die Uniklinik die Kohle durch regenerative Brennstoffe wie Biogas oder Holzpellets ersetzen. Dadurch könnten in Freiburg pro Jahr 22.000 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden. Zum Vergleich: Der CO2-Ausstoß pro Einwohner liegt bei jährlich rund 10 Tonnen. Wenn die letzten beiden von insgesamt fünf Kesseln des Uni-Heizkraftwerks auf Gas oder Pellets umgestellt werden,
können rechnerisch die CO2-Emissionen stadtweit um rund fünf Prozent gesenkt werden, meldet die Stadtverwaltung.

Oberbürgermeister Dieter Salomon begrüßte die Einigung, die er als Kompromiss bezeichnet. Vereinbart wurde ein Stufenmodell. Von Dezember 2011 bis Ende Dezember 2015 nimmt Energieversorger jährlich 12 000 Megawattstunden an Fernwärme ab, obwohl immer noch ein Anteil an Steinkohle verwendet wird. "Das ist zwar nicht optimal, aber besser als wenn die Abwärme weiter verpufft", so der OB. Die Uniklinik habe fünf Jahre Zeit gewonnen, den Ausstieg aus der Kohle vorzubereiten und umzusetzen. Um dies zu bewerkstelligen, wird eine Arbeitsgruppe aus Uniklinik, Badenova und städtischen Umweltschutzamt gegründet. "Der Ausstieg 2016 sei nur noch theoretisch, aber praktisch nicht mehr umkehrbar", sagt Salomon. Ist die Kohle durch einen Brennstoff aus regenerativen Quellen ersetzt, wird Badenova im Jahr 2016 die Menge an Fernwärme, die abgenommen wird, auf 20 000 Megawattstunden erhöhen. Damit hätte die Uniklinik auch eine Möglichkeit, die höheren Kosten, die anfallen werden, zu kompensieren. "Dieser Kompromiss bietet eine Perspektive", so Salomon.Die Alternative wäre ein Scheitern der Verhandlungen gewesen.

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Thorsten Radensleben, Vorstandsvorsitzender von Badenova, hat bestätigt, dass es quasi in letzter Minute zur Einigung gekommen sei. Seit Monaten wurde um eine Einigung mit harten Bandagen gefeilscht, die Verhandlungen galten mehrere Male bereits als gescheitert. Die abschließenden Gespräche sind in den letzten Tagen zwischen dem Finanzministerium und Badenova-Finanzvorstand Maik Wassmer geführt worden, nachdem die Verhandlungen mit dem Klinikumsvorstand im Februar abgebrochen worden waren. OB Salomon berichtet, er habe diese Woche noch mit Wissenschaftsminister Peter Frankenberg telefoniert, der ihm ein hohes Interesse des Landes an einer Einigung versichert hätte. Dennoch sah es am Donnerstagabend nach der vermeintlichen letzten Verhandlungsrunde per Telefon, Mail und SMS so aus, als sei der Deal nun wirklich endgültig geplatzt. Am Freitagmorgen lenkte dann aber die Landesregierung doch noch ein, die Einigung war erreicht – sozusagen in der Nachspielzeit der Verlängerung.

Denn die Zeit drängt: An die Wärmeversorgung angeschlossen wird auch das Neubauprojekt auf dem Brielmann-Gelände, für das der Baubeginn bevorsteht. Durch den Fernwärme-Deal kann Badenova darauf verzichten, ein eigenes Blockheizkraftwerk zu bauen.

Wissenschaftsminister Frankenberg begrüßte am Freitag die Einigung über die Eckpunkte der Wärmeversorgung und bekräftigte noch einmal, dass das Klinikum einen Ausstieg aus der Wärmeerzeugung mit Steinkohle bis Ende 2015 anstrebe. Anja Simon, die kommissarische Kaufmännische Direktorin des Klinikums, zeigte sich sehr zufrieden mit Ergebnis der Verhandlungen: "Wir freuen uns, dass wir unseren Teil zum positiven Klima-Ergebnis der Stadt beitragen können. Die Fernwärme-Zusammenarbeit sei ein Schritt in die richtige Richtung, so Simon. Das Klinik-Heizkraftwerk wolle auf jeden Fall am Zeitplan zum Ersetzen des Steinkohleanteils festhalten. Im April sei ein Langzeitversuch mit Holzpellets geplant.

Erleichtert über die Einigung zeigte sich auch Uni-Rektor Hans-Jochen Schiewer: "Der gemeinsame Wille zur Kooperation unterstreicht einmal mehr das gute Verhältnis zwischen Stadt, Universität und Klinikum", sagt Rektor Schiewer, der auch stellvertretender Vorsitzender des Klinikums-Aufsichtsrates ist.

OB Salomon dankte Schiewer für seine Mittlerrolle, aber auch ausdrücklich den Freiburger CDU-Landtagsabgeordneten Klaus Schüle und Bernhard Schätzle, die sich für die Kooperation engagiert hatten.

Die CDU-Stadträte Daniel Sander und Bernhard Schätzle haben die Einigung im Heizkraftwerks-Streit ebenfalls begrüßt. Sie loben die zukunftsweisende und umweltfreundliche Kooperation. Bernhard Schätzle und vor allem Daniel Sander hatten immer wieder zwischen den verschiedenen Seiten vermittelt. Sander hatte im vergangenen Spätjahr – als die Verhandlungen als gescheitert und beendet galten – fast im Alleingang das Thema zurück auf die Tagesordnung gebracht.

Weitere Informationen werden im Laufe des Freitags erwartet.

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Autor: Joachim Röderer, Stand: 16.45 Uhr