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11. Juli 2012
UNTERM STRICH: Die Heilige Schrift ist nicht genug
Christian Stückl inszeniert in Oberammergau auch weltliche Dramen/ Von Alexander Dick.
Unter den Herrgottschnitzern herrscht vermutlich schon seit längerem Aufruhr. Werden sie ihre Produktpalette den neuen Verhältnissen anpassen müssen? Cleopatra mit den Giftschlangen anstelle des leidenden Christus’ am Kreuz – made in Oberammergau? Gut möglich, dass sich der Wirtschaft in der weltberühmten Gemeinde am Fuße des Kofel da neue, säkularisierte Perspektiven eröffnen.
Der, der sie verschiebt, heißt Christian Stückl und war, wie der Bayerische Rundfunk kühn meint, als Regie-Revoluzzer des Volkstheaters immer "bayerisch, bibelfest, bodenständig". Als Spielleiter der Passionsspiele in seiner Heimatgemeinde hatte er die Oberammergauer Traditionen reformiert oder auch wiederbelebt. Neben dem alle zehn Jahre stattfindenden Passionsfestspiel griff Stückl auch auf alttestamentarische Stoffe zurück. Doch nun ist die Heilige Schrift nicht mehr genug, wie überhaupt im neuen Stück "nichts heilig" ist, wie der Regisseur sagt: "Da geht es um Liebe, Eifersucht und Rache." Was nun wiederum den Stoffen der Bibel nicht so diametral entgegenzustehen scheint. Aber gut: William Shakespeares "Antonius und Cleopatra" findet sich nun mal nicht dort, sondern gehört zu den großen Dramen der Weltliteratur. An diesem Freitag wird das Stück, inszeniert von Stückl selbst, im Passionstheater Premiere haben und soll eine neue Tradition weltlicher Stoffe am Theater-Wallfahrtsort begründen. "Auch die Schauspieler" – allesamt bekanntlich Laien – "wollen weg vom Predigerton, sie wollen einmal etwas auf andere Weise erzählen", sagt der Regisseur.
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Nun ist das nicht ganz so, wie wenn in der katholischen Kirche statt Verdis Requiem plötzlich "Aida" aufgeführt wird. Christian Stückl will Shakespeare, bekanntermaßen kein unbegabter Autor, auch zur Nachwuchsförderung für das Passionsspiel benutzen. Geschickt eingefädelt oder: A Hund is’ er scho. Im Übrigen einer, der im ersten Beruf Holzbildhauer war. Oberammergaus Schnitzer müssen sich also keine Sorgen machen.
Autor: adi



