UNTERM STRICH: Du hast die Haare (nicht) schön

Stefan Zahler

Von Stefan Zahler

Di, 27. Februar 2018

Kolumnen (Sonstige)

Feiert Vokuhila ein Comeback? Ein Plädoyer gegen haarigen Einheitsbrei / Von Stefan Zahler.

Glossen an dieser Stelle tragen nicht selten autobiographische Züge. Unterm Strich lassen sich manche Dinge kompetenter beschreiben, wenn man sie selbst erlebt hat. Die Glosse heute beginnt mit einem Eingeständnis: Der Autor war vor langer Zeit Vokuhila-Träger. Wem diese Aussage beim Blick auf das Profilbild oben als Fake News erscheinen mag – auf Wunsch können sowohl Zeitzeugen benannt, als auch Fotodokumente nachgeliefert werden.

Für die jüngeren Leser: Vokuhila ist eine Abkürzung für vorne kurz, hinten lang. Sie steht für eine Haarmode, die in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts dank Rudi Völler und Dieter Bohlen Kultstatus erreichte. Und es sogar zu einem eigenen Wikipedia-Eintrag gebracht hat.

Heute werden Vokuhila-Träger bestenfalls müde belächelt. Sie scheinen aus der Zeit gefallen, zumindest in weiten Teilen dieser Welt. Nicht aber in Kurri Kurri, einer Kleinstadt mit 6000 Einwohnern im australischen Bundesstaat New South Wales. Dort wurden am Wochenende nach einer Meldung von Spiegel Online bei einem Frisurwettbewerb die schönsten Exemplare gekürt. Rund 150 Teilnehmer stellten sich in fünf Kategorien den Juroren. War das der Startschuss für das Comeback des Haarschnitts?

Man möchte kopfbehaarten Männern zumindest dies als eine Alternative wünschen. Es gibt zu viel Einheitsbrei. Ob Fußballprofis, Freizeitkicker, Olympiasieger, Langzeitstudenten, Hippster-Bierbrauer oder pseudohippe Langweiler – überall der gleiche modifizierte Popperschnitt: Föhntolle mit Undercut (der Experte spricht wohl eher von langem Deckhaar und kurzen Seitenpartien).

Deshalb, Männer: Mut. Vokuhila ist mehr als ein Haarschnitt. Es ist eine Lebenseinstellung. Oder wie es Junior-Vokuhila Alex Keavy nach seinem Sieg in Kurri Kurri sagte: "Es ist eine Einstellungssache. Du musst aus dir herausgehen können und selbstbewusst sein. Und du musst Aufmerksamkeit genießen." Also, wenn der Autor noch Haare hätte...