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10. August 2017

Unterm Strich

Schweizer Militärmusik verhängt Geldstrafe für falsches Spielen

O Freunde, nicht diese Töne! / Von Johannes Adam

Musik, eben die holde Tonkunst – das sind zumeist Schönklang und Harmonie. Letztere wurde bei der Schweizer Armeemusik in jüngster Zeit jedoch (traurig, traurig!) empfindlich gestört. Und mit Strafe verbunden. Was ist passiert? Ein Schlagzeuger drosch beim Zapfenstreich einen Takt zu spät auf sein Arbeitsgerät ein – und "verfälschte" damit das Stück. So steht es in der Disziplinarstrafverfügung der Armee. Fälschung beim Militär: Nein, das geht überhaupt nicht.

Wir fragen: Betriebsunfall oder eigenschöpferische Variation des Themas? Die Antwort weiß am ehesten der betreffende Musiker. Wobei ergänzend zu sagen wäre, dass just der Zapfenstreich bereits öfter zum Forum perkussionistischer Alleingänge geworden ist. Und zwar der mit Absicht kreativen Sorte. Was nicht folgenlos bleiben kann: "Bewusstes Falsch-Spielen wird weder im zivilen noch im militärischen Konzertbetrieb toleriert", stellt ein Armeesprecher – hier im Kampf für die Harmonie – gestreng klar. Hoffentlich schießt er sich da nicht selbst ins Bein. Wobei offenbar Schlagzeuger besonders störanfällig sind: Einer spielte zu spät, zwei griffen vorsätzlich zum falschen Instrument. Geldbußen waren fällig.

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Was tun? Sollte vor allem der Kandidat mit dem Spät-Einsatz ganz einfach mehr üben? "O Freunde, nicht diese Töne!" – so heißt es jedenfalls gegen Ende von Ludwig van Beethovens neunter Sinfonie. Im Zweifel für die Musiker – auf gut Deutsch "in dubio pro reo". Kleinintellektuelle wie Lehrer, Sozialarbeiter und Journalisten wissen ja (fast) alles. Daher jetzt an dieser Unterm-Strich-Stelle unser ultimativer lebenshilflicher Tipp: Vielleicht sollten Schweizer Armeemusikanten auch mal, natürlich restlos nüchtern, ihr Repertoire überdenken und mit Inbrunst primär Erzeugnisse der Neuen Musik – vulgo schräge Ottos – kredenzen.

Wenn da ein Musiker pennt, andere sich (im Instrument) vergreifen und es sie gelüstet, auf dem Pfad der Selbstverwirklichung mehr oder weniger kreativ zu sein: Dann merkt’s keiner so schnell...

Autor: jad