UNTERM STRICH: Sozial erwünschte Strangulation

Stefan Hupka

Von Stefan Hupka

Sa, 14. Juli 2018

Kolumnen (Sonstige)

Nicht alle Probleme lösen sich so einfach wie ein Schlipsknoten / Von Stefan Hupka.

Man konnte ja schon ins Grübeln kommen damals, vor gut zehn Jahren – wie da hochkompetente und hochbezahlte Banker den Globus mit vereinten Kräften in die Finanzkrise rollten. Oder ganze Teams von Automanagern später mit Abschalteinrichtungen den Weltruhm ihrer Branche lädierten. Auch in jüngster Zeit müssen wir Zeitungsleute den geschätzten Leserinnen und Lesern fast täglich Anlass geben, am An- beziehungsweise Verstand hochrangiger Verantwortungsträger zu zweifeln. Des Rätsels Lösung ist womöglich eine ganz einfache: Vielleicht sollte man – wenn es sich um Herren handelt, und, nun ja, das tut es meist – mal nach ihrem obligaten Schlipsknoten schauen. Sitzt der eng, also vorschriftsmäßig, dann kann es sein, dass das Hirn nicht die Leistung bringt, die man auf solch herausgehobenen Posten braucht. Das wollen Forscher des Uniklinikums Schleswig-Holstein in Kiel jetzt mit einer Studie herausgefunden haben.

Sie legten 15 gesunde junge Männer in einen Magnetresonanztomografen (MRT) und maßen die Durchblutung des Gehirns – ohne Krawatte. Dann wurden die Männer gebeten, sich mit Windsorknoten einen Schlips umzubinden, gerade so, dass es sich unbequem anfühlt. Resultat: Der Blutfluss im Gehirn verringerte sich um durchschnittlich 7,5 Prozent. Dafür stieg dort der Druck. Die Autoren vermuten eine Kompression der Halsvenen. Im Fachblatt Neuroradiology nennen sie es trocken "sozial erwünschte Strangulation" – und glauben, ältere Männer hätten unter dem Problem stärker zu leiden.

Das mag erklären, warum Regierende wie Angela Merkel mit Kollegen wie Trump oder – wirkungsgleich – Seehofer, nicht dieselbe intellektuelle Etage finden. Mancher hat da zwar schon Konsequenzen gezogen; der Grieche Tsipras und sein Ex-Kassenwart Varoufakis gelten als Trendsetter. Und heute geht auch Daimler-Chef Zetsche ohne Krawatte zur Arbeit. Nur schade, dass dort manches selbstgemachte Problem sich nicht so einfach löst wie der Schlipsknoten.