Glosse

Preiswürdige Fußballersprüche: "Wäre, wäre, Fahrradkette"

Stefan Hupka

Von Stefan Hupka

Do, 13. September 2018 um 00:00 Uhr

Fussball

Vorsicht, Fallrückzieher: Erneut will ein "Fußballspruch des Jahres" ermittelt werden. Auch ein Fußballprofi des SC Freiburg ist nominiert. Und ein ehemaliger Weltmeister.

Die Zeiten, da Intellektuelle mit Fußballern gefremdelt haben und umgekehrt, sind lange passé. Die Milieus flirten inzwischen heftig miteinander. Täglich gibt es neue Belege – akademikerseits in Reden und Debatten (grobes Foul, Herr Kollege, Steilvorlage, Sie sollten sich mehr freispielen), fußballerseits in Interviews am Spielfeldrand. Das klappt nicht immer und produziert Peinlichkeiten, beiderseits. Wobei der Wettbewerb nicht ganz fair ist: Ein Geistesmensch muss sich kaum beim Versuch zuschauen lassen, per Fallrückzieher den Ball im Tor unterzubringen. Der Athlet dagegen hat bei Ausflügen in Kommentar und Analyse – die man ihm abverlangt oder die er freiwillig unternimmt – ein in mancher Hinsicht breites, auch feixbereites Publikum, zumal alles noch "von den Medien hochsterilisiert" wird, wie Trainer Labbadia klagt. Das Publikum sendet die Resultate dann an die Deutsche Akademie für Fußball-Kultur und die kürt daraus stets aufs Neue den "Fußballspruch des Jahres".

Bei den Urhebern unterscheiden wir, erstens, die Selbstkritischen. "Man muss immer ein bisschen aufpassen, dass das viele Geld nicht die Hirnwindungen irgendwie angreift", sagte jüngst etwa Oliver Kahn, selbst Millionär, zum Betragen des Kollegen Neymar auf dem Rasen.

Freiburgs Stürmer Nils Petersen, auch er unter den Nominierten 2018, bestätigt: "Salopp gesprochen, verblöde ich seit zehn Jahren, halte mich aber über Wasser, weil ich ganz gut kicken kann." Da sind, zweitens, die unfreiwilligen Komiker, wie immer angeführt von Lothar Matthäus und seiner Variation auf ein Steinbrück-Wort: "Wäre, wäre, Fahrradkette."

Dann gibt es Poeten wie Leonardo Bittencourt aus Köln. Der formulierte, als der Tabellenletzte ausnahmsweise gewann: "Die Leiche hat an den Sarg geklopft." Und da sind schließlich die Philosophen. Hier kann es nur einen geben – Christian Streich und dessen Einsicht: "Mit jedem Jahr, in dem du nicht gewinnst, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass du eher gewinnst." Die ist zwar schon von 2016, aber zeitlos gültig.