Zurück zum Absender

URTEILSPLATZ: Die Sache mit dem Strichcode

Bastian Bernhardt

Von Bastian Bernhardt

Mi, 16. Januar 2019

Urteilsplatz

Verflucht noch mal, da war er wieder! Zum zweiten Mal war ein Brief zu mir zurückgekommen, der schon lange beim Empfänger sein sollte. Warum landete das Ding nur immer wieder in meinem Postkasten? Ein drittes Mal wollte ich nun keine Briefmarke mehr kaufen, schon aus Prinzip nicht. Beim letzten Versuch hatte ich sogar vor den Adressaten noch ein "An:" und vor meinen Adressaufkleber ein "Absender:" geschrieben, damit auch ja niemand durcheinander kommt. Dabei dachte ich an einen Postangestellten, der in der Amtsstube vor einer riesigen Fächerwand steht und Briefe sortiert. Diese Vorstellung war natürlich völlig antiquiert. Heute werden Briefe vom Computer gelesen, gestempelt und sortiert. Dabei ist der Stempel selten noch ein schön gestalteter Abdruck auf der Briefmarke. Oft werden nur ein paar hellrote, kaum sichtbare Striche zur Portoentwertung auf den Brief gedruckt. Am vorderen unteren Rand sehen sie aus wie ein breit gezogener Strichcode. "Deshalb kam der Brief immer wieder zu Ihnen nach Hause", klärte mich die Postangestellte am Lahrer Schalter milde lächelnd auf. Und das war auch gleich beim ersten Versuch passiert, denn ich hatte einen schon mal gebrauchten Umschlag aus meinem Altpapier genommen. Für den Computer, der so schon drei Mal seinen alten "Stempel" las, war klar: Porto entwertet, zurück zum Absender. Großzügig spendierte die Angestellte nun eine dritte Briefmarke und strich den mysteriösen Code durch. "Jetzt sehen Sie den Brief hoffentlich nie mehr", verabschiedete sie mich heiter. Ich schwöre: Wenn er nochmal in meinem Postkasten landet, stelle ich ihn höchstpersönlich zu.