Ärger entlädt sich beim Betriebsleiter

Verena Wehrle

Von Verena Wehrle

Sa, 23. Juni 2018

Utzenfeld

Celanese-Betriebsleiter Thomas Drechsel informiert Bürger im Utzenfelder Gemeinderat / Weiter Beschwerden wegen Gestank und Lärm.

UTZENFELD. Die Wogen sind noch nicht geglättet, was die Beeinträchtigungen rund um das Celanese-Werk in Utzenfeld angeht. Dies machte die Sitzung des Gemeinderats am Donnerstag wieder mehr als deutlich. Celanese-Betriebsleiter Thomas Drechsel gab dort einen Sachstandsbericht vor rund 20 Bürgern ab. Er sagte zwar: "Die Projekte, die wir versprochen haben zu realisieren, sind realisiert. Jetzt gehen wir noch einen Schritt weiter." Dennoch musste er sich viele Vorwürfe der Bürger anhören. Sie machten ihrem Ärger erneut Luft. Und Drechsel selbst gab einige Missstände zu.

Der Geruch: "Der Wasserdampf, der abgeleitet wird, riecht schon sehr stark nach Kunststoff", sagte Drechsel. Doch wie bei der Infoveranstaltung im Januar angekündigt, wurden die seitlichen Abluftrohre aus den Kühlsträngen nach oben geleitet, so dass die Gerüche nun senkrecht nach oben abziehen. Darüber hinaus habe die Firma die Emissionen neu berechnen lassen und diese Geruchsprognose sage, wenn man den Kamin fünf Meter über Dachniveau baue, komme aus diesem keine Geruchsbelästigung mehr für die Anwohner. In diesem Kamin sollen dann alle Abluftströme aus der Kunststoffverarbeitung gebündelt werden. "Wir beantragen dafür nun einen Bauantrag", sagte Drechsel, die Investition dafür betrage 100 000 Euro. Er bat um Geduld, informierte aber auch, dass man den Geruch nie ganz wegbekomme. Er sei selbst erstaunt gewesen, dass insbesondere bei Inversionswetterlage der Wind die Fahne nicht verwirble, sondern nach unten drücke. Er habe selbst Beobachtungen gemacht, die er erschreckend fand, etwa "Dampf, der eine Spirale macht" oder heftigen Lärm. Nach dem im Januar versprochenen Konzept für die Abluftreinigung erkundigte sich ein Bürger. Diese Machbarkeitsstudie sei am Laufen, für diese müsse aber erst die Finanzierung gesichert werden, so Drechsel. Man müsse nun dafür die nächsten 10 000 Euro nachschieben.

Insbesondere in den letzten Tagen sei die Abgasentwicklung wieder sehr stark gewesen, die Bürger berichteten von schwarzem stinkendem Rauch. Die Behörde habe die Firma aufgefordert, eine Liste ihrer Einsatzstoffe zu liefern. Denn es gebe Produkte, die mehr, und welche, die weniger Wasserdampf produzieren. Ludwig Asal wollte wissen, welche Stoffe im Wasserdampf sind. Drechsel gab hingegen seiner Aussagen in der Info im Januar nun zu, dass auch Geruchsstoffe und minimale Farbstoffe enthalten seien. Doch die Grenzwerte würden eingehalten. "Per se sind wir sauber", sagte er. Bürgermeister Harald Lais informierte, dass die Gemeinde mit einer Schweizer Firma in Kontakt sei, die Messgeräte für die Belastungen in der Luft liefern, die man im Wohngebiet nahe der Firma zwei Wochen aufstellen wolle.

Der Lärm: Mit den Behörden sei Celanese in engem Kontakt. Diese überprüfen derzeit auch noch einmal den bereits vom Landratsamt genehmigten "24-Stunden-an-sieben-Tagen-Betrieb". Man habe auch viel positives Feedback erhalten, etwa, dass die Befürchtungen wegen Lärm unbegründet waren, auch am Wochenende, so Drechsel. Diesem widersprach ein Bürger vehement und lud Drechsel zu sich nach Hause ein. Ihm zufolge habe der Lärm zugenommen. Man habe die Mitarbeiter angewiesen, die Luken zuzumachen, so Drechsel. Diese seien Tag und Nacht auf, entgegnete eine Bürgerin, die in der Nähe wohnt. Fünf Schalldämpfer auf den Raumentlüftern seien kaputt gewesen, diese habe man aber sofort durch neue ersetzt, die den Lärm jetzt noch mehr reduzieren, so Drechsel.

Beschwerdemanagement: Von Januar bis Mai habe man lediglich zwei Beschwerden der Bürger erhalten, jedoch sei man auf diese angewiesen. Auf diese Aussage reagierten die Bürger sehr verärgert. Denn sie hätten mehrmals versucht anzurufen und auch Mails geschickt, doch hätten sie niemanden erreicht. "Irgendwas geht in der Firma schief", sagte eine Bürgerin. Drechsel bat nochmals darum, Mails zu schicken und versicherte, dass man darauf reagiere. Hanns-Christian Ginsky von der Bürgerinitiative sagte, dass die topografischen Verhältnisse für einen solchen Betrieb wirklich ungünstig seien. Drechsel sagte, er habe sich selbst gewundert, dass eine solche Anlage in diese Landschaft gebaut wurde.

Drechsel lud die Bürger zu einer Firmenbesichtigung ein, dass diese sich die Produktion anschauen können und auch sehen, wo der Wasserdampf entsteht. Dazu wird er mehrere Terminvorschläge an die Gemeinde schicken. "Ich verstehe Ihren Unmut, aber machen Sie mich nicht zum Schuldigen", sagte er den verärgerten Bürgern. Er selbst gab zu, dass er diese Beeinträchtigungen als Anwohner auch nicht wollen würde. "Lasst uns dran arbeiten, dass wir es erträglicher machen." Gemeinderat Martin Wietzel schlug regelmäßige Treffen vor, um die Fortschritte zu erfahren.

Info: Die Firma Celanese hat derzeit 200 Mitarbeiter, ist aktuell 80 Prozent ausgelastet und will in diesem Jahr 32 000 Tonnen Kunststoffprodukte produzieren. Letztes Jahr waren es 27 000 Tonnen.