Pädophilenring im Breisgau

Verdächtigem war es gerichtlich untersagt, mit Familie zusammenzuziehen – er tat es dennoch

Joachim Röderer, Wulf Rüskamp, bz

Von Joachim Röderer, Wulf Rüskamp & BZ-Redaktion

Fr, 12. Januar 2018 um 16:53 Uhr

Südwest

Dem Tatverdächtigen im Missbrauchsfall um einen neunjährigen Jungen war es gerichtlich verboten, mit dem Opfer und dessen Mutter zusammenzuziehen. Er ignorierte das – und tat es trotzdem.

[Artikel-Update um 19:26 Uhr] Der Mann aus der Nähe von Freiburg, der zusammen mit seiner Lebensgefährtin deren neunjährigen Sohn im Internet Pädophilen zum Missbrauch angeboten haben soll und in Haft sitzt, ist im vergangenen Jahr zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden, weil er ein Annäherungsverbot zu Minderjährigen missachtet hatte und mit der Mutter des Jungen zusammengezogen war. Dies erfuhr die Badische Zeitung aus dem Umfeld des Mannes.

Das Verbot war verhängt worden, nachdem er eine Haftstrafe wegen schweren sexuellen Missbrauchs verbüßt hatte. Der Mann beantragte beim Betreuungsgericht eine Aufhebung des Verbots. Obwohl ihm diese verweigert wurde, zog er mit der Frau und deren Sohn in eine gemeinsame Wohnung. Es kam zu einem Ermittlungsverfahren. Er wurde deshalb auch angeklagt und vom zuständigen Amtsgericht im Sommer 2017 zu einer viermonatigen Haftstrafe verurteilt. Gegen das Urteil legte der Mann Berufung ein, weshalb es bislang nicht vollstreckt wurde. Er lebte weiterhin in der gemeinsamen Wohnung. Der Missbrauch des Jungen hat im Jahr 2015 begonnen und bis weit ins Jahr 2017 angedauert. Zu den Straftaten kam es also trotz des verhängten Annäherungsverbotes.

Polizei informierte Jugendamt im März über die Vergangenheit des Lebensgefährten

In dem Fall hat sich am Freitagnachmittag auch das Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald geäußert. Demnach hatte das Jugendamt schon vor den jetzt bekannt gewordenen Ereignissen Kontakt zu der Familie gehabt. Dabei ging es um Hilfen zur Förderung der persönlichen Entwicklung des Kindes.

Im März 2017 habe die Polizei das Jugendamt über den einschlägig vorbestraften Lebensgefährten informiert. Das bestätigte Polizeipressesprecherin Laura Riske der Badischen Zeitung. Bis dahin, so heißt es vonseiten des Landratsamt, habe es nach momentanen Stand aber keine Hinweise auf eine sexuelle Gefährdung des Kindes gegeben.

Nachdem das Jugendamt von der Polizei über die Vorstrafen des Lebensgefährten informiert wurde, habe das Jugendamt das Kind in Obhut genommen und das Familiengericht angerufen. Einen Hinweis auf einen konkreten Missbrauch habe es zu dem Zeitpunkt nicht gegeben.

Nach der Entscheidung des Familiengerichts am Amtsgericht Freiburg wurde das Kind in die Familie zurückgeführt. Daraufhin habe das Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald eine Entscheidung von der nächst höheren Instanz eingeholt. Doch auch das Oberlandesgericht entschied sich für den Verbleib des Jungen in der Familie. Das Kind blieb in den Händen seiner Peiniger.



Erst die weiteren Ermittlungsergebnisse der Polizei im September 2017 hätten dann zur endgültigen Herausnahme des Kindes durch das Jugendamt, wie jetzt aktuell von den Ermittlungsbehörden bekannt gegeben, geführt.

Vor dem Hintergrund der laufenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen zum Fall und im Hinblick auf den geltenden Sozialdatenschutz möchte das Landratsamt zum Schutz des Jungen weitere Einzelheiten zum jetzigen Zeitpunkt nicht öffentlich bekannt geben.

Der neunjährige Junge wurde im September aus der Familie genommen. Der 47 Jahre alten Mutter und ihrem 37-jährigen Lebensgefährten werden vorgeworfen, den neun Jahre alten Sohn der Frau im sogenannten Darknet gegen Geld zur Vergewaltigung angeboten zu haben.

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