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30. Juni 2012
Vergnügliches auf der Kirchenorgel
Bezirkskantor Johannes Götz musizierte in St. Pankratius.
WALDKIRCH. Es war ein ziemlich kleines Häuflein, das sich in der Buchholzer Pfarrkirche St. Pankratius eingefunden hatte, um einem Orgelkonzert zu lauschen. Aber Bezirkskantor Johannes Götz ließ sich davon nicht verdrießen, zumal das Konzert auf seinen Namenstag fiel.
Johannes Götz bot ein apartes Programm abseits der ausgetretenen Pfade, das aus italienischer Orgelmusik des 16. bis 19. Jahrhunderts bestand – einzige Ausnahme war ein Werk von Johann Sebastian Bach, allerdings eines, das ganz italienischen Vorbildern verpflichtet ist. Die zweiteilige Canzona, erst im Vierer- und dann im Dreiertakt gehalten, spielte Götz mit klarer Artikulation und sorgte damit für ein durchsichtiges Klangbild. Bachs gekonnter Stilübung stellte der Organist zwei Stücke von Girolamo Frescobaldi voraus, dem Altmeister der italienischen Orgelmusik. Die "Toccata prima" mit ihrer improvisierenden Harmonik interpretierte Götz stilsicher; bei den "Bergamasca"-Variationen führte er mit abwechslungsreichen Registrierungen den schönen Klang der Buchholzer Orgel vor.Werbung
Domenico Zipolis Pastorale gehört zu den wenigen italienischen Orgelstücken, die auch jenseits der Alpen Eingang ins Repertoire gefunden haben. Es handelt sich um schlichte, aber durchaus reizvolle Hirtenmusik, die mit einem Teil in Moll endet. Von Johannes Götz dargeboten, gefiel sie ebenso wie Zipolis weniger bekannte Canzona. Mit Vincenzo Petrali kam das Konzert dann im 19. Jahrhundert an, in Italien ein ausgesprochenes Opernjahrhundert, das auch der Orgelmusik seinen Stempel aufgedrückt hat. Petralis drei Gloriaversetten erwiesen sich als fröhliche Unterhaltungsmusik im besten Sinn und wurden von Götz mit erkennbarer Freude am Effekt ausgespielt.
Als Schlussmarsch inklusive einer richtigen "Stretta" kam dann Petralis "Sonata Finale" daher. Mit einem Menuett und der munteren "Scossa elettrica" von Giacomo Puccini ging es im selben Stil weiter, bevor Puccinis "Crisantemi" einen Ausflug in seine spätromantische Harmonik boten. Als "Rausschmeißer" hatte Johannes Götz schließlich das "Rondo con imitazione de campanelli" ausgewählt; auch mit diesem effektvoll-unbeschwerten Stück spielte er sich in die Herzen der Zuhörer, denen er noch eine Zugabe "all’italiana" bot. Ein vergnüglicher Orgelabend auf einem hörenswerten Instrument!
Autor: ur



