"Verheerendes Zeichen"

afp

Von afp

Sa, 14. April 2018

Rock & Pop

Die Verleihung des "Echo" an das HipHop-Duo Kollegah und Farid Bang sorgt für viel Kritik.

Die Antisemitismusdebatte um die Rapper Kollegah und Farid Bang geht auch nach der "Echo"-Preisverleihung weiter. Die Ex-Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, bezeichnete die Auszeichnung als "verheerendes Zeichen". Gerade erst entstehe in Deutschland die "ersehnte Sensibilität für den erstarkten Antisemitismus in unserer Gesellschaft, insbesondere an Schulen". Mitten in dieser Debatte werde Musik ausgezeichnet, "die jene Phänomene zu befördern vermag". Mit "ihren menschenverachtenden Botschaften" erreichten die beiden Rapper Millionen meist junger Menschen.

Kollegah und Farid Bang wurden am Donnerstag für ihr Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 3" ausgezeichnet. Darauf finden sich die Textzeilen "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen" und "Mache wieder mal ’nen Holocaust, komm’ an mit dem Molotow".

Campino, Sänger der Toten Hosen, hatte die Preisverleihung genutzt, um Stellung zu Kollegah und Farid Bang zu beziehen: Er hoffe, dass die Diskussion wieder zu einem anderen Bewusstsein führe, "was als Provokation noch erträglich ist und was nicht". Für seinen "Mut" und sein "Verantwortungsbewusstsein" hat ihn am Freitag der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, gelobt. Campino habe mit seinen Worten dafür gesorgt, "dass nicht der Ruf der gesamten Branche ruiniert ist".

Kollegah reagierte während der Gala auf Campinos Worte mit einer Karikatur, die den Sänger mit Heiligenschein zeigt. "Wir sprechen hier nicht über politische Meinungen, sondern wir sprechen über Musik, über Kunst. Es ist natürlich ein dehnbarer Begriff und natürlich ist uns bewusst, dass wir eine bestimmte Grenze überschritten haben", hatte Farid Bang vor der Gala gesagt. "Die Absicht dahinter war niemals negativ, sondern höchstens vielleicht ein bisschen fahrlässig." Meron Mendel, Leiter der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt, bezeichnete die Texte am Freitag als "hervorragendes Fallbeispiel" für Bildungsarbeit – gewissermaßen als Beispiel für ’So nicht‘". Gleichzeitig teilte er die Kritik an den Texten: "Wenn Jugendidole wie Kollegah und Farid Bang antisemitische Texte rappen, hat das selbstverständlich eine besondere Kraft und Wirkung auf Jugendliche", erklärte Mendel.

Außenminister Heiko Maas (SPD) twitterte, dass antisemitische Provokationen keine Preise verdient hätten. "Sie sind einfach widerwärtig. Dass am Holocaustgedenktag ein solcher Preis verliehen wird, ist beschämend." Ähnlich äußerte sich der Musiker Peter Maffay bei Bild.de.