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Verkehrsminister will gesperrte Albtalstraße retten

Martin Köpfer

Von Martin Köpfer

Di, 22. August 2017 um 18:52 Uhr

Görwihl

Nach einem großen Felssturz wurde die Albtalstraße 2015 zwischen Hohenfels und Tiefenstein gesperrt. Nun gibt es ein erstes Signal aus Stuttgart für ihre Wiedereröffnung.

Verkehrsminister Winfried Hermann will sich ebenso wie Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer, Landrat Martin Kistler ("Ein guter Tag für die Region") und der CDU-Landtagsabgeordnete Felix Schreiner, auf dessen Initiative hin der grüne Ressortchef ins Albtal kam, für die Wiedereröffnung der gesperrten Albtalstraße einsetzen.

"Das muss ich mir selbst vor Ort anschauen" Winfried Hermann
"Eine so kleine Straße mit nur 800 Fahrzeugen am Tag und 11.000 Unterschriften für die Wiedereröffnung der gesperrten Albtalstraße. Das habe ich bisher noch nicht erlebt und habe an meinem Schreibtisch gedacht: Das muss ich mir selbst vor Ort anschauen", sagte der baden-württembergische Verkehrsminister am Dienstag zu den rund 300 Bürgern, die sich am oberen Ende der gesperrten Albtalstraße bei der Tiefensteiner Brücke versammelt haben. Gut, dass Hermann seine Wanderstiefel geschnürt und sich die Probleme vor Ort angeschaut hat. Denn am Ende meinte der Minister unter dem Beifall der Bürger: "Mein Ziel ist es, die Straße wieder aufzumachen."

Das war die erste klare Ansage aus Stuttgart für eine Wiedereröffnung der Albtalstraße seit der Schließung im Mai 2015 (Fotos). Bereits zwei Jahre zuvor war ein rund drei Kubikmeter großer Fels auf die Straße gestürzt und war Auslöser, die Hauptverbindungsstrecke zwischen Albbruck und St. Blasien später lahmzulegen. Dass diese Wiedereröffnung gar nicht so einfach werden wird, wurde bei der kleinen Wanderung klar, auf der Hermann von Clemens Ruch vom Landesamt für Geologie in Freiburg die Probleme anschaulich dargestellt bekam. In dem extrem steilen Gelände oberhalb der Straße gebe es Schwierigkeiten, Fels zu sichern und zu vernetzen. Zudem gebe es beim Sichern große Eingriffe in die Natur (Hintergrund).

Gutachten beim Regierungspräsidium angefordert

Damit kommt die nächste Problematik ins Spiel: der Naturschutz und FFH. "FFH, also Fauna, Flora, Habitat, ist ein europäisches Naturschutzrecht, über das wir uns nicht hinwegsetzen können", sagte Hermann. Derzeit prüft das Regierungspräsidium gerade, wie stark diese Eingriffe sein werden. Das Ergebnis des Gutachtens soll im November vorliegen. Dann wird es auch realistische Zahlen geben, was die Wiedereröffnung der Straße kosten wird. Derzeit stehen drei Millionen Euro im Raum, allerdings nur für Felssicherungsmaßnahmen. Im Landratsamt Waldshut rechnet man mit weiteren Kosten in Millionenhöhe, bis wieder Fahrzeuge durchs Albtal fahren können.

"Grundsätzlich wollen wir alle helfen, die Albtalstraße baldmöglichst wieder zu öffnen" Bärbel Schäfer
Regierungspräsidentin Schäfer nahm zu diesem Gutachten, das in ihrer Behörde erstellt wird, kurz Stellung. Mit diesem Gutachten werde geprüft, ob mit den Sicherungsmaßnahmen ein erheblicher Eingriff in die Natur vorliege. Selbst dann wäre es aber möglich, diese Maßnahmen vorzunehmen, allerdings müssten möglicherweise Ausgleichsmaßnahmen auf anderen Flächen vorgenommen werden.

"Grundsätzlich wollen wir alle helfen, die Albtalstraße baldmöglichst wieder zu öffnen. Doch an erster Stelle stehen die Sicherungsmaßnahmen. Wie weit diese das FFH-Gebiet tangieren, das Tiere und Pflanzen unter einen besonderen Schutz stellt, wird mit dem Gutachten geprüft", sagte die Regierungspräsidentin.

Dass die historische Straße den Bürgern sehr am Herzen liegt, wurde in den Wortbeiträgen deutlich. Aber auch der Verkehrsminister betonte, dass die Straße "ein historisches, individuelles und infrastrukturelles Denkmal" sei, das vor rund 150 Jahren geschaffen wurde. Es gelte aber auch, den Charakter des Tals zu erhalten. Er jedenfalls wolle keine riesigen Betonverbauten an den Straßen, wie man sie oft in der Schweiz sehe.

Alle also wollen nach ihren Worten die Wiedereröffnung der Albtalstraße. Der nächste wichtige Termin steht im November an. Schäfer kündigte an, die Ergebnisse des Gutachtens zum Schutz der Natur öffentlich vorzustellen. Dann wird auch die endgültige "Kosten-Nutzen-Rechnung" aufgemacht, wie es Hermann ausdrückte. Aber zumindest die im Albtal am Dienstag in den Raum gestellten drei Millionen Euro Kosten für die Felssicherheit haben dem Minister trotz der Sonne keine Schweißperlen auf die Stirn getrieben.

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