Turm im gotischen Stil

Verleger Franz Burda soll ein Denkmal in den Offenburger Reben erhalten

Ralf Burgmaier

Von Ralf Burgmaier

Sa, 15. Dezember 2018 um 13:24 Uhr

Südwest

Der Offenburger Medienunternehmer Hubert Burda erläutert seine Pläne für ein Monument in den Fessenbacher Reben: Ein Turm im gotischen Stil, zu Ehren seines Vaters Franz Burda.

Es war der Tag, an dem die ARD Teil zwei des Biopics über das Leben der großen Verlegerin Aenne Burda ausgestrahlt hat. Aber Aenne Burdas Sohn, Hubert Burda, offensichtlich auf Balance bedacht, setzte an diesem Tag ein Gegengewicht. Er stellte den Entwurf eines Denkmals für seinen Vater vor, den großen Verleger Franz Burda: ein Turm im gotischen Stil in den Fessenbacher Reben.

Auf eigenem Grund, im Weinberg oberhalb des Burda-Schlössles, soll bis zum Herbst 2019 das Denkmal für Senator Franz Burda (1903 bis 1986) entstehen. Am Mittwoch stellte Hubert Burda den Entwurf des Mailänder Innenarchitekten Roberto Peregalli in der Schlössle-Galerie im Fessenbacher Burda-Schlössle vor. Peregalli, der auf Innenausstattungen im luxuriös-historistischen Stil spezialisiert ist, hat 2011 auch die Innenausstattung des Erdgeschosses im Elternhaus von Hubert Burda in der Schanzstraße geschaffen.

Ein 14-Meter-Turm winkt

nach Straßburg hinüber

Die Grundidee zum Monument verdeutlicht ein Modell in der Schlössle-Galerie. Es soll ein 14 Meter hoher Turm werden, der mit hoch- und spätgotischen Formelementen geschmückt ist. Peregalli orientiert sich dafür am Freiburger Münsterturm, der vom Kunsthistoriker Jacob Burckhardt angeblich als schönster Turm der Christenheit bezeichnet wurde. Auf achteckigem Grundriss verjüngt sich das Monument nach oben bleistiftartig bis zum mit Maßwerk verzierten Turmhelm, der ein Zitat des Freiburger Turms ist. Etliche Detailfragen der Erscheinungsform sind aber noch nicht entschieden. Als Material werde aller Voraussicht nach ein Gussstein mit Sandsteinoptik verwendet. Ob das Denkmal geschlossen sein oder Lichtöffnungen haben oder sogar begehbar sein wird, sei ebenfalls noch nicht entschieden, wie am Rand der Präsentation in der Schlössle-Galerie zu erfahren war. Geplant ist, dass ein Spazierweg vom Burda-Schlössle links am Burda-Weinberg vorbei hinauf zum Monument führen soll. Oben werde möglicherweise eine Gedenktafel über die Widmung aufklären. Wie Hubert Burda, dritter Sohn von Aenne und Franz Burda sowie der Erbe und Fortentwickler ihres Verlagswerks, am Mittwoch vor Freunden und Medienvertretern erklärte, sei Fessenbach der Ort der "Rekreation" seines Vaters gewesen. Hier habe er zum Ausgleich in den Reben geschafft. Der vielseitig gebildete und belesene Vater, den sein Sohn als einen "faustischen Menschen" bezeichnet, habe von dort mit seinen Söhnen nach Straßburg geblickt, dessen gotischer Münsterturm mit seinen 149 Meter Höhe von dort gut zu sehen ist. Er habe ihnen von Goethe erzählt, der in Straßburg studiert hatte und 1771 mit seiner Schrift "Von deutscher Baukunst" den Landsleuten wieder den Blick für die Gotik geöffnet habe. Daher also die Entscheidung, für den gotischen Stil des Monuments.

Was dann folgte, war eine Rede, die Hubert Burda schon oft auf seinen Vater gehalten hat. Er erinnerte daran, dass dieser die Söhne oft am 24. Dezember ins elsässische Colmar mitgenommen habe, weil dort der Künstler Martin Schongauer um 1480 den Kupferstich erfunden habe. Aus dem Kupferstich habe sich das Tiefdruckverfahren entwickelt, mit dem die Burdas es bis zu den "best Printers in the world", den besten Druckern weltweit gebracht hätten. Zusammen mit Straßburg als Wiege von Gutenbergs Buchdruckerkunst sei das Oberrheintal damals so innovativ gewesen wie heute das Silicon Valley. Und ähnlich wie die alte habe auch die neue Medienrevolution Licht- und Schattenseiten. Die explosionsartige Verbreitung des Wissens ging mit Gutenberg ebenso einher wie die Verhetzung der Geister durch die gedruckte Propaganda von Katholiken und Protestanten, welche letztlich – unter anderem – in den Dreißigjährigen Krieg mündete, wie Burda erklärte.

Diese Bemerkung nahm Offenburgs neue Oberbürgermeister Marco Steffens, den Burda sich zur Seite gestellt hatte, zum Anlass, kurzerhand die Rede zu entern. Er erinnerte daran, dass es Grenzen eigentlich nur im Kopf gebe und man rechts und links des Rheins doch eigentlich in einem gemeinsamen Kulturraum lebe. Um so schockierender sei das Attentat von Straßburg. Dagegen setze dieser Turm als Erinnerung an Franz Burda ein Zeichen und grüße nach Straßburg hinüber als ein schönes Symbol für diesen gemeinsamen Kulturraum. "Das hätte ich nicht schöner sagen können", merkte Hubert Burda mit leichter Ironie an.

Pläne und Modell sind zu besichtigen am Samstag, 15. Dezember, 12 bis 16 Uhr, Senator-Burda-Straße 21, Fessenbach