Vermessungen, Sperrgebiete, Prozesse

Patrik Müller

Von Patrik Müller

Sa, 03. März 2018

Herbolzheim

Vier Hektar wurden von einem Tag auf den anderen zu Niemandsland – eine Chronik.

Der Tagesbruch im Kahlenberg beschäftigt seit zehn Jahren Winzer, Geologen, Beamte und Juristen. Eine Chronik.

» 13. Februar 2008: Ein Winzer und ein Wanderer entdecken unabhängig voneinander den Krater. Sie alarmieren die Behörden, die Stadtverwaltung sperrt das Gelände ab. Fachleute der Landesbergdirektion vermessen mit Lasern, stellen eine Tiefe von bis zu 23 Metern fest. Sie verschaffen sich auch unter Tage Zugang zum Stollen, kommen aber nur bis auf 30 Meter an den Bruch heran.

21. Februar 2008: Das Loch ist gewachsen, hat ein danebenstehendes Gartenhaus verschluckt. Mittlerweile gibt es zwei Sperrzonen: eine direkt um die Einbruchstelle und eine, die in einem größeren Bogen um den Tagesbruch führt.

» 25. Februar 2008: Die Stadt Herbolzheim erlässt eine Allgemeinverfügung: 56 Grundstückseigentümer dürfen ihre Parzellen vorläufig nicht mehr betreten.
26. Juni 2008: Die Landesbergdirektion im Freiburger Regierungspräsidium erlässt eine Anordnung, verschickt offizielle Briefe an die Grundstückseigentümer: Sie dürfen ihre Grundstücke nicht mehr betreten – und zwar auf unbestimmte Zeit. Schon im Frühjahr hatte der Zweckverband Abfallbehandlung Kahlenberg (ZAK) erklärt, betroffene Grundstücke aufzukaufen. Bis auf einen Winzer nehmen auch alle Eigentümer das Angebot an und verkaufen.
» 26. April 2011: Nach drei Jahren Vollsperrung wird die Steigstraße auf den Kahlenberg wieder eröffnet. Der wichtige Zufahrtsweg ist mit einem Geogitter gesichert worden, einer Art Sicherheitsnetz unter der Straßendecke.

25. Oktober 2012: Bei einem Ortstermin im Bürgerhaus Tutschfelden beschäftigt sich der Verwaltungsgerichtshof Mannheim mit der Klage eines Eigentümers gegen das Betretungsverbot. Der Winzer bekommt Recht. Später einigt er sich mit dem Regierungspräsidium auf 30 000 Euro Verdienstausfall. Die juristische Auseinandersetzung mit dem Zweckverband läuft noch. Im Mai 2014 organisiert der Winzer eine Demonstration gegen die Absperrung – und verlangt die Sicherung der alten Stollen.

13.2.2018: Zehn Jahre nach dem Tagesbruch sind rund vier Hektar zwischen Herbolzheim und Ringsheim immer noch Sperrgebiet – das werden sie wohl noch sehr, sehr lange bleiben.