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Vernünftiges Arbeiten ist im Hüsinger Kindergarten unmöglich

hjh, bz

Von Hans-Jürgen Hege & BZ-Redaktion

Fr, 18. Januar 2019 um 12:01 Uhr

Steinen

Im Hüsinger Kindergarten fehlt vieles, was woanders selbstverständlich ist, sagt Kindergartenleiterin Michaela Sender del Castillo. Der Ortschaftsrat sieht dringenden Handlungsbedarf.

Das Gebäude des Kindergartens "Sonnenblume" entspricht nicht mehr den Anforderungen. Dies hat Michaela Sender del Castillo im Hüsinger Ortschaftsrat deutlich betont. Die Kindergarten-Leiterin schilderte dem Gremium Zustände, in denen eine gute Kinderbetreuung nur erschwert möglich sei. Der Ortschaftsrat war sich einig, dass der Kindergarten erweitert und saniert werden müsse.

Im Dornröschenschlaf

Geht’s nach dem Willen des Hüsinger Ortschaftsrates, ist der seit den 90er Jahren dauernde Dornröschenschlaf der "Sonnenblume" schon sehr bald vorbei. "An dem Kindergarten wurde in all den Jahren nicht das Geringste gemacht", so Ortsvorsteher Holger Sutter bei der Ratssitzung am Mittwoch. Erst nachdem eine der Wohnungen im Obergeschoss des Gebäudes frei wurde, habe sich gezeigt, wie groß der Investitionsstau sei. Eine Neuvermietung sei deshalb zunächst mal nicht in Frage gekommen.

Die Planung der dringend erforderlichen Sanierung aber habe sich immer wieder verzögert, weil kein Architekt gefunden wurde, der Zeit hatte, sich dem Projekt zu widmen. Soweit die Vorgeschichte zum Tagesordnungspunkt, unter dem sich die Ortschaftsräte mit einer Erweiterung des Kindergartens um eine Gruppe zu befassen hatten, weil die Verwaltung in Steinen nach einer Bedarfsermittlung Hägelberg und Hüsingen den größten Wachstumsschub in Sachen Nachwuchs voraussagt. Prompt wurde über Möglichkeiten nachgedacht, mit denen das Problem zu lösen sei.

Untragbare Zustände

Dass es da erhebliche Mängel gibt, zeigte die Kiga-Leiterin Michaela Sender del Castillo in ihrem Bericht auf, mit dem sie am Ende das Gremium auf das Sanierungs-, Umgestaltungs- und Erweiterungsprojekt einschwor. Sie schilderte Zustände, die Holger Sutter als "gar nicht mehr so prickelnd" bezeichnete. Dienstbesprechungen finden in einem Küchenbüro auf Kinderstühlen statt, klagte die Leiterin. Ordner liegen dort auf dem Herd, für jedermann zugänglich und einsehbar. Von der Datenschutzgrundverordnung könne keine Rede sein, zumal auch der Computer offen zugänglich in der winzigen Küche stehe.

"Da kann beim besten Willen niemand vernünftig arbeiten", sagte Michaela Sender: "Es gibt fürs Personal keine Sozialräume, kein Waschbecken, keine Dusche. Auf die Toilette gehen wir bei den Kindern." Und Elterngespräche werden in einer "Art Rumpelkammer" geführt, die von der Halle abgetrennt wurde, um einige Gerätschaften unterbringen zu können. Unter solchen Um- und Zuständen sei auf Dauer das Personal nicht zu halten.

Ausbau statt Neubau

Das sahen auch die Ortschaftsräte so. Und alle einigten sich schnell, die Gemeinde um eine vollständige Neuplanung des kompletten Gebäudes zu bitten. Ein Architekt habe Vorschläge als Diskussionsbasis und Grundlage für eine Detailplanung erarbeitet, in die Eltern, Erzieherinnen, Orts- und Gemeinderäte mit einbezogen werden sollen.

Danach würden im dreistöckigen Gebäude neben einer Drei-Zimmer-Wohnung genügend Räume zur Verfügung stehen, die es erlauben, eine weitere Gruppe unterzubringen, ausreichend Sozialräume und später noch weitere Flächen zur Verfügung zu haben, die weitere Ausdehnungsmöglichkeiten bieten würden. Das Schönste dabei sei, so Holger Sutter, dass man diesen Umbau zum Schnäppchenpreis haben könnte. Denn nach einer ersten Kostenschätzung des Architekten sei die Sanierung des Kindergartens einschließlich des Anbaus eines Treppenhauses aus Holz für rund 172 000 Euro zu haben, zusätzlich zu den 182 000 Euro, die für die Sanierung der Wohnungen ohnehin aufzubringen wären. "Mit diesem Geld kämen wir bei einem Neubau auf der Grünen Wiese nie und nimmer hin", sagte Sutter.