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20. März 2017 18:32 Uhr

"Glaskiste"

Verpackungsfreier Minisupermarkt startet in Freiburg

Kein Scherz – am 1. April eröffnet Freiburgs erster "Unverpacktladen". Unter dem Namen "Glaskiste" will der Minisupermarkt im Sedanviertel den täglichen Bedarf der Verbraucher decken.

  1. Diese drei Unternehmer sagen dem Verpackungsmüll den Kampf an (von links): Adrian Dell'Aquila, Björn Zacharias und Lisa Schairer. Foto: Ingo Schneider

Nudeln, Milchprodukte und Putzmittel – all dies gibt’s in der Glaskiste zu kaufen. Nur Fleisch bieten die drei Betreiber Lisa Schairer, Adrian Dell’ Aquila und Björn Zacharias nicht an. Was es auch kaum geben soll, sind Plastikverpackungen. Viele Waren werden lose angeboten. Kunden müssen also passende Behälter selbst mitbringen.

Lange habe man nach einem Standort für den neuen Laden gesucht, auch die Kartäuserstraße und Zähringen seien im Spiel gewesen. "Wir haben uns dann aber doch für die Innenstadt entschieden", sagt Dell’ Aquila (26). Die Räume im Sedanviertel seien gut erreichbar, auch per Straßenbahn. Zudem sei die Sedanstraße eine Fahrradstraße – und umweltbewusste Radler gehören natürlich zur Kernzielgruppe. Auch der Einzelhandelsverband, der die drei Gründer beraten hat, habe sich für die Sedanstraße ausgesprochen.

"Wir glauben, dass das Konzept zu Freiburg passt." Björn Zacharias
Gegen den Standort habe nur die hohe Miete gesprochen. "Es ist ein Risiko", räumt Lisa Schairer (25) ein. Man mache sich schon Gedanken darüber, was passiert, wenn man scheitere. "Damit muss man sich auseinandersetzen, aber wir glauben, dass das Konzept zu Freiburg passt", so Björn Zacharias (28).

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100 bis 120 Kunden seien nötig, damit sie kostendeckend wirtschaften können, haben die drei Gründer berechnet. Zur konkreten Höhe der Miete für die gut 120 Quadratmeter große Verkaufsfläche wollen die "Glaskiste"-Macher sich nicht äußern – sie sei aber marktüblich.

Startkapital via Crowdfunding

Das Startkapital für das Projekt lieferte im Wesentlichen eine Crowdfunding-Kampagne – mehr als 20.000 Euro. Beim Klimaschutzpreis der Stadt Freiburg gab es nochmals 1000 Euro als Preisgeld dazu. Die "Glaskiste" landete dort, lange vor Eröffnung, auf dem dritten Platz.

"Wir haben 600 Produkte im Sortiment", berichtet Lisa Schairer – darunter allein 15 Nudelsorten. Doch es soll nicht nur Lebensmittel geben, sondern alle Dinge des täglichen Bedarfs, also etwa auch Besen und andere Putzutensilien, Zahnbürsten und Kondome – letztere sind dann aber doch wie gewöhnlich in Plastik verpackt.

Kunden müssen ihre eigenen Dosen oder Tüten mitbringen

Ähnlich sehe es bei der Anlieferung der Lebensmittel aus, ganz könne man da noch nicht auf Plastik verzichten. "80 bis 90 Prozent werden in Papier angeliefert", erklärt Dell’ Aquila. Bei Nudeln bestehe zur Anlieferung in Plastik allerdings noch keine Alternative. Immerhin: Die Teigwaren kommen in Zehn-Kilo-Säcken, was die Verpackungsmenge reduziere, und werden dann zum Verkauf in Glasbehälter umgefüllt. Kunden müssen ihre eigenen Dosen oder Tüten mitbringen. Abgerechnet wird nach Gewicht. Zu den Preisen sagen die Unternehmer noch nichts – die seien nämlich noch nicht kalkuliert.

"Das System fördert einen bewussten Einkauf", sagt Lisa Schairer. Schon vor dem Einkauf müsse man sich überlegen, was man benötige. Aber auch spontane Kunden sollen zum Zug kommen. Es stünden etliche alte Glasgefäße bereit.

Bedenken wegen Hygienevorschriften haben die Gründer nicht. Sie stünden im Kontakt mit dem Veterinäramt. Dieses macht vor der Eröffnung eine Abnahme. Schairer und Dell’ Aquila hätten durch ihre Arbeit in der Gastronomie Erfahrung. Zacharias kenne sich als ehemaliger Krankenpfleger sogar noch besser aus.

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Autor: Jonas Hirt