Verrückt nach Eis

Stephanie Streif

Von Stephanie Streif

Sa, 19. Januar 2019

Neues für Kinder

Beim Freiburger EHC trainieren rund 160 Kinder und Jugendliche – auch Gustav Seidl.

Es ist Montagnachmittag. In den Umkleidekabinen des Freiburger Eisstadions ist die Hölle los: jede Menge Kinder, vor allem Jungs, die sich fürs Training fertig machen. Einer von ihnen ist der zehnjährige Gustav Seidl aus Bötzingen. Seit einem Jahr spielt er bei den U11ern des EHC Freiburg.

Während Gustav den Puck mit dem Eishockeyschläger übers Eis schiebt, geht sein Blick geradeaus. Er muss gar nicht mehr nach unten schauen, um die schwarze Scheibe zu kontrollieren. Eishockey ist seins. Er mag die Schnelligkeit des Sports, das Gleiten auf dem Eis und er mag es, auch mal andere Spieler auszutricksen. In seinem Team spielt er als Center. Das ist der Mittelstürmer.

Gustav erzählt, wie er zum Eishockey gekommen ist: "Mit zwei Jahren habe ich angefangen, Schlittschuhe zu laufen." In der Schweiz, wo der Zehnjährige noch bis vor einem Jahr gelebt hat, ist Eishockey ähnlich beliebt wie Fußball in Deutschland. Nachmittags und am Wochenende geht man gerne mal mit den Kumpels zum Hockeyspielen raus aufs Eis. "Knebeln" sagen die Schweizer dazu.

Auch Gustav ging zum Knebeln – zusammen mit seinem Bruder, seinem Vater und seinem Opa. "Mein Opa war früher Profispieler bei den Tigers", sagt Gustav. Das ist der Eishockeyverein von Bayreuth. Und weil Gustav merkt, wie gerne er übers Eis saust, melden ihn seine Eltern mit drei Jahren in der Hockeyschule des Schweizer Vereins EHC Bülach an. Seither spielt er. Und das fast täglich. "Am Wochenende habe ich Turniere und unter der Woche gehe ich mindestens vier Mal ins Training." Manchmal spiele er auch bei den U13ern mit, dann seien es fünf Mal.

Gustav trainiert sogar in den Ferien: Den Sommer zum Beispiel verbringt er meist mit seiner Familie in Schweden, wo er an Hockey-Camps teilnimmt.

Bevor Gustav aufs Eis geht, muss er sehr viel anziehen: erst die Sportunterwäsche, dann den Tiefschutz, der Penis und Hoden schützt, und die Stulpen. Weiter geht es mit einer gepolsterten Hose, den Schlittschuhen und den Knieschonern. Sitzt das alles, kommen der Brust- und Halsschutz, die Ellenbogenschoner und das Trikot. Ganz am Ende setzt er sich den Helm auf und zieht die Handschuhe an. "Wenn ich mich beeile, schaffe ich das in 20 Minuten", sagt er. Manchmal dauere es aber auch zehn Minuten länger.

Angst vor dem Puck? "Nö", antwortet Gustav erst. Dann sagt er "oder doch": Manchmal, wenn er bei den Älteren mitspiele und ein hart geschlagener Puck auf ihn zugeflogen komme.

Vor ein paar Jahren wurde Gustav mal bei einem Spiel ohnmächtig, weil er von einem Mitspieler ganz fest an die Bande gedrückt wurde. Er kam aber gleich wieder zu sich und hat weitergespielt. "Das war auch das einzige Mal, dass mir beim Eishockey was passiert ist", sagt er.

Gustav will Profi werden. Wo und für wen er spielen will, weiß er noch nicht. Erste Liga, das ist klar, aber ob er mal in Deutschland, Schweden oder in der Schweiz spielen will, steht für ihn noch nicht fest. "Mal sehen", sagt er und meint dann noch, dass er nicht für die nordamerikanische Profiliga aufs Eis will. Auch wenn dort die besten Teams der Welt spielen.