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02. Juni 2012

Versöhnungsgeste statt PR-Aktion

Eine Delegation des Deutschen Fußball-Bundes besucht vor der EM in Polen die KZ-Gedenkstätte Auschwitz.

  1. Miroslav Klose, Oliver Bierhoff und Philipp Lahm (von links) in der Gedenkstätte Auschwitz. Foto: dapd

AUSCHWITZ. Miroslav Klose ist ein ernsthafter, eher verschlossener Mann. "Er hat es nicht gern, wenn seine Kindheit in Polen in die Öffentlichkeit gezerrt wird", sagen Vertraute in seinem Management. Am Freitag besuchte der deutsche Nationalspieler mit den schlesischen Wurzeln das ehemalige NS-Vernichtungslager in Auschwitz. Als Mitglied einer Delegation des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gedachte er der rund sechs Millionen Opfer des Holocaust. Allein in Auschwitz brachten die Nazis 1,1 Millionen Menschen um.

Größere "Medienaktivitäten" seien am Rande des Besuches nicht geplant, hatte der DFB schon im Vorfeld mitgeteilt. "Wir wollen keine PR-Aktion starten", sagte Teammanager Oliver Bierhoff.

Der Verzicht auf den Rummel dürfte dem stillen Miroslav Klose entgegengekommen sein. Er entzündete ebenso wie sein deutsch-polnischer Nationalmannschaftskollege Lukas Podolski und Kapitän Philipp Lahm eine Grabkerze am zentralen Mahnmal der Gedenkstätte. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach legte einen Kranz zu Ehren der Opfer nieder.

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"Wir wollen zeigen, dass wir

unsere Geschichte kennen und Verantwortung übernehmen." Nationalteamkapitän Philipp Lahm
Zuvor hatte die Delegation, der auch Bundestrainer Joachim Löw angehörte, das Museum in dem ehemaligen Todeslager besucht. "Es ist sehr wichtig, dass wir dieses Symbol geben", hatte Kapitän Lahm vor der Reise gesagt und hinzugefügt: "Auch wenn wir nicht die Generation sind, die Schuld trägt, wollen wir zeigen, dass wir unsere Geschichte kennen und Verantwortung dafür übernehmen."

Diese Worte werden nicht nur in Israel gehört, gegen dessen Nationalteam die Deutschen am Donnerstag in einem Freundschaftsspiel 2:0 gewonnen hatten. Noch wichtiger scheint den Polen das Bekenntnis des großen Nachbarn zu den dunklen Seiten ihrer Geschichte zu sein.

Warum das so ist, macht ein Skandal deutlich, für den dieser Tage Barack Obama gesorgt hat. Der US-Präsident sprach ausgerechnet in einer Rede zu Ehren des polnischen Widerstandskämpfers Jan Karski von "polnischen Konzentrationslagern". Die Empörung darüber, dass der mächtigste Mann der Welt nicht die Formulierung "deutsche KZ in Polen" gewählt hatte, war in Warschau riesig. Nach einer Protestnote seines Amtskollegen Bronislaw Komorowski verfasste Obama schließlich sogar einen Entschuldigungsbrief, um die Wogen zu glätten.

"Wir müssen uns dagegen wehren, dass die Verantwortung für den Massenmord in ihr Gegenteil verkehrt wird", sagte der Holocaust-Überlebende und ehemalige polnische Außenminister Adam Rotfeld nach Obamas verbalem Fehltritt.

Es waren polnische Medien, die als Erste eine Diskussion darüber entfachten, ob die deutsche Nationalmannschaft nicht moralisch dazu verpflichtet sei, Auschwitz zu besuchen. Und zwar bevor die Spieler zur Fußball-Europameisterschaft auflaufen. Möglicherweise treffen sie im Viertelfinale auf Gastgeber Polen – und das in Danzig, jener Stadt, in der die Nazis den Zweiten Weltkrieg entfesselten.

Der Deutsche Fußball-Bund hat den Ball in der Frage lange flach gehalten und sich am Ende für den stillen Gedenkbesuch entschieden. Mehr noch als alle Kranzniederlegungen und guten Worte können aber deutsch-polnische Nationalspieler wie eben Miroslav Klose für die noch immer schwierige Annäherung zwischen beiden Ländern erreichen. "Er ist für uns ein Held", sagen die Menschen in Kloses Geburtsstadt Oppeln über "ihren Miro". Oppeln (Opole) ist lediglich 130 Kilometer von Auschwitz entfernt.

"Wir Polen haben zwei Chancen, Europameister zu werden", erklären die Menschen dort und fügen mit einem verschmitzten Lächeln hinzu: "Mit der eigenen Mannschaft und mit Klose-Deutschland."

Autor: Ulrich Krökel


14 Kommentare

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Christian Stocker

Registriert seit: 01.09.2010

Kommentare: 166

02. Juni 2012 - 09:52 Uhr

Die Aktion des DFB in Ausschwitz ist an Lächerlichkeit kaum mehr zu überbieten.
Ich frage mich, warum nicht die ganze Nationalmannschaft nach Ausschwitz gereist ist?? Nach Monaco zum Formel 1-Rennen ging das ja auch!!!!
Das Formel 1-Rennen scheint für die Nationalspieler auch wichtiger gewesen zu sein,
als der Besuch in einem Konzentrationslager!!!
Nach Ausschwitz hätte die gesamte Nationalmannschaft gehört, nicht nur Podolski, Lahm, Klose, Löw, Niersbach etc. Schliesslich gehen ja auch ganze Schulklassen nach Ausschwitz und nicht nur die halbe Schulklasse!!!!!!!
Das wäre auch bei der Nationalmannschaft möglich gewesen! Aber offensichtlich sind
andere Dinge wichtiger...
Lieber DFB, diese Aktion mit lächerlichen 4 Nationalspielern ist so peinlich, daß man sich dafür schämen muß! Wenn man es nicht schafft, die ganze Nationalmannschaft dorthin reisen zu lassen, dann soll man es am besten gleich bleiben lassen!
Mit gerade mal 4 Nationalspielern ist die Aktion geradezu unverfrohren und unverschämt lächerlich! Hier hätte die gesamte Nationalmannschaft hingehört!!!!

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Daniel Jäger

Registriert seit: 02.06.2012

Kommentare: 4

02. Juni 2012 - 13:10 Uhr

Ist das Ihr Ernst, Herr Stocker? Ich brings mal auf den Punkt: Keiner von denen hätte da hin müssen. Zu behaupten "Alle oder keiner" macht ebenso wenig Sinn, denn was ändert das? Ich finde es bemerkenswert, dass überhaupt jemand dort war.

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Christian Stocker

Registriert seit: 01.09.2010

Kommentare: 166

02. Juni 2012 - 17:02 Uhr

Sehr geehrter Hr. Jäger,
das wäre ja noch schöner gewesen, wenn niemand von der Nationalmannschaft
da gewesen wäre!! Aber von einer Nationalmannschaft, welche unser Land nach innen
und nach aussen vertritt, erwarte ich, daß Sie in voller Mannschaftsstärke zu diesem Ort reist, an dem im Namen von Deutschland so viel Leid über die Menschheit gebracht wurde!!! Ich frage mich, ob die Nationalspieler, welche nicht mitgereist sind,
überhaupt begriffen haben, um was es hier geht!!! Nämlich um das Vergessen zu verhindern. Wenn Ausschwitz besucht wird, haben gefälligst alle mitzugehen! Nationalspieler sind hier nicht als Privatpersonen hier, sondern im Namen der Bundesrepublik Deutschland! Es wäre daher gut gewesen, wenn der DFB dies zu einer Pflichtreise für alle gemacht hätte, wenn schon die Nationalspieler nicht schon auf den Trichter gekommen sind! 4 Spieler dort sind eine reine trauige und peinliche Lachnnummer, mehr nicht!

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Ralph Walchner

Registriert seit: 26.06.2009

Kommentare: 806

02. Juni 2012 - 21:34 Uhr

"Wenn Ausschwitz besucht wird, haben gefälligst alle mitzugehen! "
Das wäre für alle Spieler und Besucher aus allen Ländern empfehlenswert. Wenn man solche Verbrechen nur immer wieder den Deutschen vorführt, dann muss man sich nicht wundern wenn sie immer wieder geschehen.

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Franz Holst

Registriert seit: 01.04.2011

Kommentare: 156

02. Juni 2012 - 22:09 Uhr

Dass da nicht alle hingehen, ist doch verständlich; es gibt nun mal eine Aufgabenteilung in der Mannschaft. Klose und Podolski sind vielleicht ortskundig. Ein offizieller Termin der gesamten Mannschaft hätte auch die Interessen der Hauptsponsoren berücksichtigen müssen.

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Christian Stocker

Registriert seit: 01.09.2010

Kommentare: 166

03. Juni 2012 - 02:05 Uhr

@Franz Holst:
Sie erachten es also als wichtiger, daß die Interessen der Hauptsponsoren
gewahrt bleiben, als daß die Mannschaft in Ausschwitz der Opfer des Nationalsozialismus gedenkt?
Sorry, aber eine solche Interessensgewichtung finde ich sehr, sehr schlecht und sehr unanständig! Wenn die EM in einem Land stattfindet, an dem im Namen von Deutschland früher solche Verbrechen stattgefunden haben, hätte ich es als sehr anständig empfunden, wenn die gesamte Mannschaft dort aufgetreten wäre und der Opfer gedacht hätte! Eigentlich sollte so etwas eine Selbstverständlichkeit sein! So entsteht der Eindruck, daß andere Dinge als wichtiger empfunden werden! Wie gesagt, ein Deutscher Nationalspieler vertritt Deutschland in der Öffentlichkeit auf dem Fussballplatz und auch ausserhalb!

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Peter Binder

Registriert seit: 20.05.2012

Kommentare: 73

03. Juni 2012 - 12:26 Uhr

Ich war dieses Jahr in Krakau. Auschwitz ist nicht weit davon entfernt.
Ich bin nicht hin. Wozu auch? Mir die Laune, Stimmung für mindestens einen Tag vermiesen lassen? Mir geht es jedenfalls so. KZ Tourismus finde ich persönlich geschmacklos.
Dachau habe ich gesehen. Das reicht nun wirklich für ein ganzes Leben. Die anderen "Massengräber" sehen nicht anders aus.
Sensationsgier treibt die meisten Menschen an solche Orte. Sobald Sie den Stacheldrahtzaun hinter sich gelassen haben, ist wieder alles vergessen.
Das ist noch trauriger, als die üble Vergangenheit.

Im Übrigen geht die jüngere polnische Generation sehr locker mit der Vergangenheit um. Da ist niemand mehr bedrückt.

Auschwitz ist heute eine Geldmaschine. Es wird überall in Krakau mit einem Ausflug nach Auschwitz geworben, als ob es ein Freizeitpark wäre. Einfach ekelhaft. Fahren Sie mal nach Krakau, dann verstehen Sie was ich meine.

Diese Örtlichkeiten gehören platt gemacht.
Danach einen schönen Wald oder Park anlegen mit einem kleinen Denk/Mahnmal in der Mitte.
Ich bin mir sicher, dass die gr. Mehrheit der Opfer dies unterschreiben würden.
Überlebende haben Ähnliches geäußert.

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Nico Stoll

Registriert seit: 19.08.2011

Kommentare: 25

03. Juni 2012 - 13:10 Uhr

Herr Stocker: wo liegt dieses Ausschwitz ?

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Peter Binder

Registriert seit: 20.05.2012

Kommentare: 73

03. Juni 2012 - 13:58 Uhr

Nico Stoll,

ich ich ich, Herr Lehrer, ich, ich, weiß die Antwort. Darf ich, darf ich?
Ausschwitz liegt dort wo auch Auschwitz liegt.

Fuhhh

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Michael Riedle

Registriert seit: 17.07.2011

Kommentare: 573

03. Juni 2012 - 17:40 Uhr

@Stocker "Die Aktion des DFB in Ausschwitz ist an Lächerlichkeit kaum mehr zu überbieten."

Doch ist es, durch Ihren peinlichen Kommentar.

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Gelöschter Nutzer #793088

Registriert seit: 16.11.2009

Kommentare: 562

03. Juni 2012 - 18:17 Uhr

Mache Zeitgenossen, die vermutlich selbst keinen Finger rühren, würden sogar noch an einem Artikel über die Verdienste von Mutter Theresa an deren Engagement etwas auszusetzen haben.

Von Seiten der BZ hätte man die Kommentarspalte besser von den entsprechenden Artikelseiten abgekoppelt. Ich schäme mich immer mehr dafür, dass es keine fünf Kommentare dauert bis das erste Genörgel zu lesen ist.
Und da es sich ohnehin immer um die gleichen Verdächtigen handelt entsteht darüber hinaus beim unbedarften (Neu-)Leser ein falsches Bild über die Menschen in unserer Region. Wer am lautesten schreit hat nicht automatisch Recht oder die Deutungshoheit.

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Peter Binder

Registriert seit: 20.05.2012

Kommentare: 73

03. Juni 2012 - 20:07 Uhr

Michael Kühner,
somit müßte ich auch zu dem Kreis der üblichen Verdächtigen gehören?
Was ist denn für diesen Kreis bezeichnend?

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Marco Schneider

Registriert seit: 13.05.2009

Kommentare: 224

03. Juni 2012 - 21:09 Uhr

Ich findes es ist besser fünf Personen fahren nach Auschwitz und erinnern an das dort begangene Verbrechen, als dass überhaupt keiner kommt. Man sollte die Geste des guten Willens von Seiten des DFB achten und nicht ablehnen. Ob man es besser hätte machen können, sei dahingestellt. So wie es war ist es jedenfalls besser, als Auschwitz zu vergessen. So sprechen wenigstens wieder viele Menschen darüber. Das sich der Zentralrat der Juden nun auch noch darüber ärgert, obwohl dieser Besuch dem Thema Auschwitz wieder einmal eine große Plattform in Deutschland bietet, das kann ich überhaupt nicht verstehen.

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Roland Hellbardt

Registriert seit: 08.12.2010

Kommentare: 736

03. Juni 2012 - 21:17 Uhr

Ich versteh das Genörgel auch nicht, zumal die Personen, die hingegangen sind, nach meinem Dafürhalten recht sorgfältig ausgewählt waren. Wenn man dann noch den Artikel von Herrn Binder um 12:26 liest, finde ich die Symbolik, die mit der Auswahl der Delegation getroffen wurde, einfach nur passend.

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