Bürgerentscheid am 24. Februar

Dietenbach-Befürworter starten offensiv in den Wahlkampf

Fabian Vögtle

Von Fabian Vögtle

Mo, 17. Dezember 2018 um 14:32 Uhr

Freiburg

Am 24. Februar entscheidet Freiburg bei einem Bürgerentscheid über den Bau des neuen Stadtteil Dietenbach. Am Wochenende warben Dietenbach-Befürworter erstmals ganz offensiv für den Stadtteil.

Stadträtinnen und Stadträte mehrerer Fraktionen haben am Samstag auf verschiedenen Plätzen in der Stadt Äpfel verteilt und so für den geplanten Stadtteil Dietenbach geworben. Für ein Bebauungsverbot ist die Initiative "Rettet Dietenbach", die mit 12 500 gesammelten Unterschriften den Weg für einen Bürgerentscheid frei machte. Auch die Initiative war mit einem Stand in der Innenstadt präsent.

Nein, um den Dietenbachpark geht es nicht

Dick eingepackt steht Karin Seebacher am Dorfbrunnen im Stadtteil Haslach. Hier herrscht am Samstagmorgen reger Betrieb. Die SPD-Stadträtin geht gezielt auf die Leute mit ihren Einkaufstaschen zu. Ihr Ziel: Die Bürger von Dietenbach überzeugen. "Ich habe schon unterschrieben", sagt Christa Kappert, als Seebacher sie anspricht, und meint das von den Gegnern initiierte Bürgerbegehren. Die Freiburgerin ist skeptisch. Sie befürchtet, dass alles teurer werde, "wie ja schon im Rieselfeld", sagt sie. Die mittlerweile mehrheitlich vom Gemeinderat gewollte 50-Prozent-Quote für geförderten Mietwohnungsbau klinge gut: "Aber was heißt das am Ende, wie lange gilt die Bindung?" Das müsse schon für rund 60 Jahre sein, sagt Seebacher und erklärt, dass es zu der Bebauung von Dietenbach keine echten Alternativen gebe.

Die Stadträtin kämpft gegen mehreres an: Zum einen gegen diejenigen, die von leeren Versprechen der Politiker reden. Zum anderen gegen alle, die Falsches glauben. So wie zwei junge Leute, die fest der Meinung sind, der Dietenbachpark mit dem "schönen See" werde verschwinden, weil er Teil des Baugebiets sei. Allein um das auszuräumen, habe es sich gelohnt, der Kälte zu trotzen, freut sich Seebacher.

"Mich erstaunt schon, dass so wenig Leute Bescheid wissen." Grünen-Stadtrat Eckhard Friebis
Auch Grünen-Stadtrat Eckhard Friebis macht ein Informationsdefizit der Bürger aus: "Mich erstaunt schon, dass so wenig Leute Bescheid wissen." Seit sechs Jahren sei Dietenbach politisch ein Thema, aber rübergekommen sei anscheinend nicht viel, sagt er. Umso wichtiger ist für ihn, dass er zusammen mit Fraktionskollege Gerhard Frey und Grünen-Mitglied Angela Schoeller heute am Stühlinger Kirchplatz präsent ist und informiert. "Wie groß soll der Stadtteil denn werden?", fragt Axel Müller, der gerade auf dem Markt einkaufen war und nicht glaubt, dass die Wohnungsnot, die er aus seinem Freundeskreis kennt, zum Beispiel mit Hausaufstockungen gelindert werden könnte – wie etwa die Stadtteil-Gegner anführen. Frey und Friebis zeigen Müller Pläne des neuen Stadtteils, in dem auf rund 100 Hektar einmal 15 000 Menschen wohnen sollen.



Dietenbach-Gegner starten im Januar mit dem Wahlkampf

Auch die CDU-Fraktion macht mit den von der Stadtverwaltung aufgelegten Flyern und Äpfeln für Dietenbach mobil. "Wir müssen hier erst mal die Verwirrung aus dem Weg räumen, dass ein Nein beim Bürgerentscheid ein Ja zum neuen Stadtteil heißt", sagt die Fraktionsvorsitzende Carolin Jenkner mit Blick auf die Fragestellung – "Soll das Dietenbachgebiet unbebaut bleiben?" – am 24. Februar. Jenkner steht am frühen Samstagnachmittag gemeinsam mit Stadtrat Klaus Schüle am Rande des Europaplatzes an der Kaiser-Joseph-Straße und diskutiert mit den Bürgern. Darunter ist Jens Rüber: "Es braucht hier auch eine gute Wirtschaft. Aber wenn wir dafür Leute nach Freiburg locken, muss man denen was bieten", sagt Rüber, der am gerade erst ausgebauten Freiburger Standort des US-Medizintechnikkonzerns Stryker arbeitet. Er ist für mehr Wohnraum und einen modernen Stadtteil: "Aber nur, wenn beim Bau die Standards mehr als eingehalten werden."

Die Dietenbach-Gegner wollen erst ab Mitte Januar so richtig mit dem Wahlkampf durchstarten, sagt Manfred Kröber. Doch auch er steht mit einigen Mitstreiterinnen am Samstag auf dem Platz der Alten Synagoge. Beim Austausch mit Bürgern geht es um das Leerstandskataster, die "Negativbeispiele Rieselfeld und Vauban", die Versiegelung und die Frage nach einem Plan B, falls die Sparkasse als Investor abspringt. "Ich weiß nicht recht, was ich glauben kann", sagt Sandro Eisenhauer. Der 29-jährige Erzieher hört interessiert zu und findet: "Eines ist klar, der Wohnraum ist nicht gerecht verteilt." Ob der Stadt und den Menschen mit einem neuen Stadtteil geholfen ist, weiß er nicht. Er ist noch unentschlossen, wie er im Februar abstimmen soll.

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