Verstärkung für die Polizei in Offenburg

Helmut Seller

Von Helmut Seller

Do, 23. August 2018

Südwest

Weitere Einsatzgruppe für mehr Kontrollen / Trauerzug erinnert an getöteten Arzt.

OFFENBURG. Als Reaktion auf die Kriminalitätsbelastung in Offenburg und die Verunsicherung in der Bevölkerung nach dem tödlichen Angriff auf einen 51 Jahre alten Arzt, verstärkt Innenminister Thomas Strobl (CDU) vorübergehend die Polizeipräsenz in der 60 000 Einwohner großen Stadt. Ab sofort werde das Polizeirevier um "nahezu täglich zwei Einsatzgruppen" des Polizeipräsidiums Einsatz unterstützt. "Das hilft uns sehr", sagt Polizeioberrat Peter Dieterle, dessen bislang mit 118,5 Stellen ausgestattetes Revier somit über 16 Einsatzkräfte zusätzlich verfügen kann.

Schon seit Anfang Juli ist eine der beiden jeweils achtköpfigen Gruppen in Offenburg aktiv. Unter anderem konnte die Polizei ihre Präsenz im Bereich des Bahnhofs erhöhen, wo der angrenzende Pfählerpark zum Kriminalitätsschwerpunkt erklärt wurde. In nur vier Wochen hat die Polizei dort nach 620 Kontrollen 114 Strafverfahren eingeleitet. 79 davon beziehen sich auf Drogendelikte von meist deutschen Konsumenten, die sich bei gambischen Kleinhändlern eindecken. Es gab vier Haftbefehle. Schon seit Jahren forderte die Gewerkschaft der Polizei (GdP) eine personelle Aufstockung für das Polizeipräsidium Offenburg. GdP-Bezirksgruppenchef Andreas Heck begrüßte am Mittwoch zwar Strobls Unterstützung. Die jetzt bereitgestellten Stellen müssten dem Polizeipräsidium aber dauerhaft zugewiesen werden. Dies hatte der Offenburger Gemeinderat zu Jahresbeginn auch in einer Resolution gefordert – ohne Erfolg. Dass es jetzt zumindest zeitweise Verstärkung gibt, würdigte Oberbürgermeisterin Edith Schreiner als "gute Nachricht für Offenburg".

Unterdessen ist noch immer unklar, was den 26-jährigen mutmaßlichen Täter zur Messerattacke auf den Mediziner getrieben hat. "Diese schreckliche Tat ist von besonderer Brutalität", so Strobl.

Mit einem Trauermarsch vom Übergangswohnheim für Asylbewerber im Offenburger Nordwesten bis zur Arztpraxis in der Südoststadt gedachten am Mittwochabend mehr als 300 Menschen des getöteten Arztes. Zu dem Trauerzug hatten zwei junge, private Initiatoren aufgerufen. Auch viele Flüchtlinge zeigten ihre Betroffenheit.