Trauer

Verstorbener Tengelmann-Patriarch Haub hat in Südbaden seine Spuren hinterlassen

Gerold Zink, dpa

Von Gerold Zink & dpa

Di, 13. März 2018 um 09:40 Uhr

Südwest

Er schrieb Einzelhandelsgeschichte, war Ehrenbürger von Hinterzarten und Eigentümer des Weinguts Abril in Bischoffingen: Jetzt ist Erivan Haub im Alter von 85 Jahren gestorben.

Einer breiten Öffentlichkeit war sein Name bis zuletzt fast unbekannt: Erivan Haub. Dabei schrieb der nun im Alter von 85 Jahren verstorbene Unternehmer in den 1970er , 80er- und 90er-Jahren Einzelhandelsgeschichte. Zu dem von ihm unter dem Dach der Unternehmensgruppe Tengelmann errichteten Familienimperium gehören Deutschlands größter Textildiscounter Kik und die Baumarktkette Obi – und lange Zeit war das Unternehmen auch im Lebensmittelhandel ein ernstzunehmender Wettbewerber. Das Manager-Magazin schätzte das Vermögen der Unternehmerfamilie 2017 auf rund 4,2 Milliarden Euro.

Vogtsburg verlieh Erivan Haub die Bürgermedaille

Weil Haubs Ehefrau Helga aus Südbaden stammte, war das Paar in der Region präsent. Sie hatte einige Jahre zusammen mit ihrer Mutter in dem Bischoffinger Weingut Abril gelebt. Als dieses 2007 zum Verkauf stand, erwarben die Haubs den Betrieb von Helga Haubs Cousin Hans-Frieder. Fünf Jahre später wurde am Ortsrand von Bischoffingen ein architektonisch interessanter Neubau eingeweiht.

Heute bewirtschaftet das Weingut Abril 25 Hektar Reben nach ökologischen Richtlinien. Die Investitionskosten lagen deutlich über zehn Millionen Euro. 2013 verlieh die Stadt Vogtsburg Erivan Haub die Bürgermedaille. Hinterzarten ernannte ihn im gleichen Jahr zum Ehrenbürger. Erwähnt wurden stets seine großzügigen Spenden für Belange der Gemeinde.

In gut 30 Jahren steigerte er die Erträge um das Fünfzigfache

Geprägt wurde der am 29. September 1932 in Wiesbaden geborene Diplomvolkswirt nicht zuletzt durch seine in den 1950er Jahren erworbenen Erfahrungen in den USA. "Die Freude am Gestalten und am Führen, die habe ich in Amerika gelernt und sofort auf Deutschland übertragen", erinnerte er sich später.

Die Möglichkeit dazu bot sich ihm, als er 1963 in die familieneigene Handelsgruppe Tengelmann eintrat und wenige Jahre später die Leitung übernahm. Zu dieser Zeit machte die Gruppe 1,4 Milliarden Mark Umsatz. Doch das reichte Haub nicht. Er schaltete rasch auf Expansion und erwarb Unternehmen und Beteiligungen in den USA, den Niederlanden sowie Italien und expandierte nach Osteuropa. Und er wagte den Schritt vom reinen Lebensmittelhandel zum Handel mit Bekleidung und Baumaterialien. Insgesamt konnte er so nach Berechnungen des Handelsblattes die Erträge in gut 30 Jahren um das Fünfzigfache steigern.

Kurz zuvor noch diamantene Hochzeit gefeiert

Haub bewies bei seinen Aktivitäten oft eine glückliche Hand, allerdings nicht immer. Als sich der Firmenpatriarch zur Jahrtausendwende schweren Herzens vom Chefposten zurückzog und das operative Geschäft seinen drei Söhnen übergab, war das Unternehmen unübersehbar sanierungsbedürftig. Allzu lange hatte der Firmenpatriarch notwendige Anpassungen vermieden.

Vor allem der für das Europageschäft zuständige älteste Sohn Karl-Erivan Haub musste harte Einschnitte vornehmen. Schritt für Schritt zog er sich aus dem Lebensmittelhandel – der Keimzelle des Unternehmens – zurück. Den Abschluss bildete Ende 2016 der Verkauf der Supermarktkette Kaiser’s-Tengelmann. Weil große Teile an den Mitbewerber Edeka gingen, war hierfür eine Sondererlaubnis des damaligen Bundeswirtschaftsministers Sigmar Gabriel erforderlich.

Der Firmenpatriarch starb am Dienstag vergangener Woche (6. März) auf seiner Ranch im amerikanischen Wyoming, wie die Tengelmann-Gruppe mitteilte. Dort hatte er wenige Tage zuvor mit seiner Frau Helga noch die diamantene Hochzeit gefeiert.