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05. Dezember 2016

"Vertreibung der Palästinenser ist eine Shoa"

Zeitzeuge berichtet Schülern.

  1. Reuven Moskowitz bei seinem Vortrag vor den GHSE-Schülern. Foto: GHSE

EMMENDINGEN (BZ). Reuven Moskowitz besuchte als Zeitzeuge die Gewerblichen und Hauswirtschaftlich-Sozialpflegerischen Schulen Emmendingen (GHSE), um mit Schülern und Schülerinnen über seine Erfahrungen als Überlebender der Shoah und seinen Einsatz für ein friedliches Miteinander in Palästina zu sprechen.

Der 1928 in Rumänien geborene Moskowitz erfuhr bereits mit elf Jahren das Leid von Verfolgung und Vertreibung, als er mit seiner Familie in ein Ghetto "umgesiedelt" wurde. 1947 wanderte er nach Israel aus, musste dort aber erfahren, dass die von der UNO beschlossene Zweistaatenlösung nicht verwirklicht wurde und die Rechte der Palästinenser von der israelischen Politik missachtet wurden.

Moskowitz sagte bei seinem Vortrag in der Schule, dass gerade viele Deutsche sich erneut schuldig machten, indem sie keine Stellung zu dem in Israel begangenen Unrecht bezögen. So sei es nicht akzeptierbar, dass nach dem Bau israelischer Siedlungen die palästinensischen Gebiete heute nur noch einem Fünftel des ursprünglichen Staatsgebietes entsprächen. Darüber hinaus warf er der israelischen Politik vor, gegen die Menschenwürde zu verstoßen, wenn sie als Rache für Steinewerfer die Häuser deren Familien zerstörten. Israel müsse endlich anerkennen, dass auch die Nakba, die Vertreibung der Palästinenser, eine Shoah, eine Katastrophe, sei.

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Wenn Deutsche sich für die Rechte und Menschenwürde von Israelis und Palästinensern einsetzten, so müssten sie sich leider immer wieder als "Antisemiten" beschimpfen lassen. Dieser Vorwurf sei jedoch absurd, denn beide Völker seien "Semiten" und außerdem als "Söhne" Abrahams "Geschwister". Nur eine Lösung, die das Recht beider Völker auf ein menschenwürdiges Leben in Palästina anerkenne, könne Frieden im Nahen Osten schaffen.

Gerade als Mensch, der schon als Kind habe ansehen müssen, wie andere gedemütigt und getötet wurden, liege ihm viel daran, für die Würde und Lebenschancen anderer zu kämpfen. Mit seinem Besuch verbinde er deshalb die Botschaft der Versöhnung und Achtung der Anderen.

Thomas Kruse, Schulleiter an den GHSE, bedankte sich für den sehr beeindruckenden Vortrag. ebenso wie die beiden Koordinatorinnen des Vortrags, Monika Bresch und Frieda Mangold.

Autor: bz