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19. März 2013

Verwachsen

Ausstellung I: Armin Göhringer und Petra Göhringer-Machleid in Emmendingen und Waldkirch.

  1. Geschwister: Armin Göhringer und Petra Göhringer-Machleid Foto: Birgit Herrmann

  2. Von beiden Künstlern gemeinsam angefertigt: Objekt, ohne Titel. Zu sehen in der Galerie im Tor in Emmendingen. Foto: Birgit Herrmann

  3. Gemeinschaftswerk, ohne Titel Foto: Birgit Herrmann

EMMENDINGEN/WALDKIRCH. "Sie glauben gar nicht, wie froh ich bin, dass wir alle Kunstwerke hier heil hergebracht haben", sagt Petra Göhringer-Machleid und lacht. Beim Anblick der filigranen und fragilen Kunstwerke versteht der Betrachter die Erleichterung der Künstlerin. Zusammen mit ihrem Bruder und Bildhauer Armin Göhringer stellt sie vom 24. März bis zum 28. April Skulpturen und Objekte zeitgleich in zwei Kunsthäusern aus: im Georg-Scholz-Haus in Waldkirch und in der Emmendinger Galerie im Tor. "Das ist eine echte Premiere", sagt Fritz Kendel, Vorsitzender vom Kulturkreis Emmendingen. Und das gleich im doppelten Sinne: Nicht nur die Zusammenarbeit der beiden Galerien findet zum ersten Mal statt, auch die Geschwister stellen zum ersten Mal zusammen aus – und haben sogar extra für die Ausstellung Kunstwerke gemeinsam geschaffen.

Zwei Künstler
"Ich fand es sehr spannend und erfrischend, mit meinem Bruder zu arbeiten", sagt Petra Göhringer-Machleid. Er habe ein Modell aus Holz vorgegeben, sie habe dann im zweiten Schritt mit Wachs das Kunstwerk fertig modelliert. Schwierig sei die Zusammenarbeit nicht gewesen – ganz im Gegenteil: "Wir haben ja eine ähnliche Formensprache. Das ergänzt sich bestens." So ist es: Das weiße Wachs verwächst symbiotisch mit dem geschwärzten Holz, das den Kunstwerken einen Rahmen gibt.

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Ein Titel
Passenderweise trägt die Doppelausstellung auch den Titel "Verwachsen". Hier trifft Beton auf Wachs, Wachs auf Holz, Holz auf Papier, Papier auf Holz, Holz auf Metall. Die Geschwister benutzen Materialien, die Gegensätze bilden und doch ihren Weg zwischen Verbindung und Umweg, zwischen Freilegung und Verbergen finden – ein Dialog, der trotz aller Kontraste harmonisch wirkt.

Ein Konzept
"Verwachsen" spielt aber nicht nur auf das Material und die Arbeitsweise an, der Titel lässt Raum für viele weitere Assoziationen: "Etwa auf die Künstler, die Geschwister sind. Oder die beiden Galerien, die bei dieser gemeinsamen Ausstellung verwachsen", sagt Paula Seeger, die in Emmendingen die Ausstellung kuratiert. Beide Kunsthäuser, das Georg-Scholz-Haus und die Galerie im Tor, haben für dieses bisher einmalige Projekt Ausstellungszeitraum, Einladungskarten, Plakat und Rahmenprogramm abgestimmt. "Voraussetzung dafür war, dass an jedem Ort ein deutlich anderer Schwerpunkt gesetzt wird, damit das Konzept des Dialogs auch zwischen den beiden Ausstellungshäusern aufgeht", sagt Seeger.

Emmendingen
Klar strukturiert findet in der Galerie im Tor die Ausstellung statt: In einem Raum sind nur Werke von Armin Göhringer – Skulpturen aus weißem Holz, Arbeiten aus Holz mit Papier sowie aus Papier – zu sehen. Petra Göhringer-Machleid stellt ihre Litfaßsäulenschichtungen sowie Werke aus Papier und Wachs im Zimmer ganz oben im Tor aus. In einem dritten Raum sind die Objekte, die beiden zusammen geschaffen haben, zu entdecken. Faszinierend ist dabei, dass die gemeinsamen Werke wie von einer Hand geschaffen aussehen.

Waldkirch
Hier stellt ebenfalls jeder der beiden Geschwister seine eigenen Werke aus: "Ich zeige dort meine Arbeiten aus Holz sowie aus Holz mit Eisen – allerdings dort mit geschwärztem Holz", sagt Armin Göhringer. Objekte aus Wachs mit Beton sowie großformatige Skulpturen stellt seine Schwester im Georg-Scholz-Haus aus. Aber auch dort werden experimentelle Gemeinschaftsarbeiten gezeigt, die erstmalig der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Armin Göhringer
Die neuen Kunstwerke mögen noch unbekannt sein, aber deren Erschaffer sind bekannt: "Armin Göhringer ist mit seinen Werken in Emmendingen sehr präsent", sagt Fritz Kendel. Er verweist auf den "Läufer" im Rathausfoyer, eine Skulptur ohne Titel vor dem Rathaus sowie die Stele "Schichtung", die bisher auf dem Emmendinger Skulpturenweg ihren Platz hatte, bis eine Windhose sie 2011 fällte. Laut Kendel soll die "Schichtung" aber bald wieder einen Platz in einem Innenraum oder -hof finden. Wo genau, sei noch unklar.

Ein wichtiges Arbeitsmittel von Armin Göhringer aus Zell am Harmersbach, der 1954 in Nordrach geboren wurde, ist die Kettensäge. Was sich spektakulär anhört, wird besonders beeindruckend, wenn man seine filigranen Kunstwerke sieht. Nur dünne Stäbchen verbinden etwa zwei schwere Holzblöcke, die er mit der Kettensäge weder ganz durchtrennt noch zusammengefügt hat, sondern in einem Stück belässt. Wie viel Holz kann nach und nach rausgeschnitten werden? Wie viel Fragilität kann das Material verkraften? Wann entsteht ein Ungleichgewicht, welches das Objekt zerbrechen lässt? Fragen wie diese motivieren Armin Göhringer zu seinen Arbeiten.

Petra Göhringer-Machleid
Ähnlich arbeitet auch seine Schwester Petra. Aus dicken Schichten von übereinander geklebten Plakaten etwa, die einst an Litfaßsäulen klebten, schneidet sie Bereiche aus, sorgt für ungewohnte Durchblicke. Ihr Grundmaterial ist dabei das Wachs, mit dem sie Papier, Tuch, Holz oder Beton in besonderer Weise behandelt, verbindet oder überzieht.

"Die Konfrontation und die Vereinigung von Gegensätzen prägen das Werk der Künstlerin Petra Göhringer-Machleid: das Opake und das Transparente, Licht und Schatten, Starrheit und latente Bewegung. In ihren teils fragilen Skulpturen und Wandobjekten aus Holz, Wachs und Papier findet sich vor allem ein Grundgegensatz wieder, der ihre gesamte Arbeit zu grundieren scheint, zwischen den vermeintlich zufälligen frei wachsenden Struktur und der gesetzten Form. Pathetisch ausgedrückt: zwischen Natur und Kunst", beschreibt Kulturjournalist Stefan Tolksdorf die 1961 in Zell am Harmersbach geborene Künstlerin, die heute in Ettenheim arbeitet und lebt. Übrigens: Stefan Tolksdorf wird sowohl in Waldkirch als auch in Emmendingen bei der Vernissage am 24. März sprechen und auf die jeweiligen Ausstellungsschwerpunkte eingehen.


Verwachsen: Armin Göhringer und Petra Göhringer-Machleid, 24. März bis 28. April:
Georg-Scholz-Haus, Waldkirch,
Merklinstraße 19: Vernissage am 24. März, 11 Uhr; Öffnungszeiten: Do, Fr und Sa 15 bis 18 Uhr, sonn- und feiertags 10 bis 13 Uhr, http://www.georg-scholz-haus.de
Galerie im Tor, Emmendingen, Lammstraße 30: Vernissage am 24. März, 15 Uhr;
Öffnungszeiten: Mi 14 bis 17, Sa 11 bis 14, So 11 bis 17 Uhr, Karfreitag und Ostermontag geschlossen, http://www.galerie-im-tor.de

Autor: Birgit Herrmann