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13. Januar 2010 22:26 Uhr
Mehr als 100.000 Todesopfer?
Verzweiflung nach Erdbeben in Haiti
Der haitianische Regierungschef Jean-Max Bellerive rechnet mit mehr als 100.000 Toten durch das schwere Erdbeben vom Dienstagnachmittag. Derweil formiert sich ein massiver internationaler Hilfseinsatz.
Das Epizentrum des Bebens der Stärke 7,0 lag 15 Kilometer von Port-au-Prince entfernt, wo durch die Erschütterungen der mehr als dreißig Nachbeben reihenweise Gebäude einstürzten, darunter das UN-Hauptquartier. Die US-Geophysikerin Susan Potter sagte, ein so starkes Beben habe es in Haiti zum letzen Mal im Jahr 1770 gegeben. "Die Informationen über das volle Ausmaß der Schäden sind noch sehr dürftig", sagte UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon am Mittwoch in New York. "Wir haben es mit einer großen humanitären Notsituation zu tun, die einen umfassenden Hilfseinsatz erfordert."
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Helfer berichteten von unübersichtlichen und chaotischen Zuständen. Nach Angaben von Malteser international rutschten die auf den Hügeln der Hauptstadt gebauten Slums in einer Schlammlawine ab. Die Hilfsorganisationen berichteten, es seien auch Straßen blockiert, und das Telefonnetz sei zusammengebrochen. Rettungsmaßnahmen seien deshalb schwierig. Auch verfüge das verarmte Land kaum über Räumungsgerät und ausgebaute Infrastruktur wie geteerte Straßen. Viele Helfer gruben mit bloßen Händen in den Trümmern, um Überlebende zu finden und zu retten. Unter den Toten ist auch der Erzbischof von Port-au-Prince, Joseph Serge Miot, wie ein französischer Priester berichtete.
HILFSANSTRENGUNGEN – EIN WETTLAUF GEGEN DIE ZEIT
Haiti ist eines der ärmsten Länder der Welt und wurde in den vergangenen Jahren mehrfach von Naturkatastrophen heimgesucht. Viele Hilfsorganisationen sind dort dauerhaft im Einsatz. Zahlreiche Staaten und Organisationen kündigten umgehend Nothilfe an. Deutschland sagte 1,5 Millionen Euro zu, die EU gewährte drei Millionen Euro, auch Spanien versprach drei Millionen Euro. Viele Staaten, darunter Frankreich und Großbritannien, schickten Flugzeuge mit Helfern und Hilfsgütern.
US-Präsident Barack Obama stellte umfassende Katastrophenhilfe in Aussicht. Eine Sprecherin der UNO in Genf nannte die Hilfsanstrengungen einen Wettlauf mit der Zeit. Die desolate Infrastruktur sei ein großes Problem, sagte Ban. Die Versorgung mit Wasser und Strom sei fast vollständig zusammengebrochen. Auch in der benachbarten Dominikanischen Republik bebte die Erde, es gab aber keine Schäden.
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Autor: afp
