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29. Oktober 2008

Viel mehr als nur ein Anfang

Lothar Beckmann debütierte – gemeinsam mit Wolff-Ulrich Fenske – in der "Artpraxis"

  1. Vor ausverkauftem Haus debütierte in der „Art-Praxis“ Lothar Beckmann mit eigenen Texten. Er wurde von Rezitator Wolff-Ulrich Fenske unterstützt. Foto: Frank Berno Timm

WALDKIRCH. Nun kann er wohl nicht mehr zurück: Lothar Beckmann hat sich am vergangenen Samstag mit einer bemerkenswerten Lesung als Autor zu Wort gemeldet. Der Abend, gemeinsam mit Rezitator Wolff-Ulrich Fenske gestaltet, war ausverkauft.

Am Anfang standen eher politische Texte aus der Zeit der Nato-Nachrüstung – notwendigerweise politisch appellativ ("die müssen wir vertreiben") und drastisch ("wenn die Kakerlaken  auf unsere Laken kacken").

Dass sich das Rad im letzten Vierteljahrhundert weiter gedreht hat, dass nicht mehr nur die nukleare Abschreckung, das wahnwitzige Spielen mit dem eigenen, totalen Ende, sondern immer mehr das aktive Kriegführen – verbunden mit einer schleichenden Gewöhnung daran – Teil der aktuellen Politik ist, tippte Beckmann in seinen Moderationen zwar an, Gedichte dazu fehlten aber.

Schön zu hören (wenn auch in wohlfeiler Presse-Kritik zu undifferenziert) die Hommage an "Henri Heine", wirklich gelungen das böse Gedicht auf Zeitgenossen, die ihr Auto mit dem dummen Slogan "Eure Armut kotzt mich an" verzieren. Beckmann kennt den "langen Weg nach Unten", weiß, dass manchen "Schwielen auf der Seele" wachsen. Heinisch klingt auch seine Übersetzung des heutigen Worts von der Bürgerbeteiligung – nach dem Wählen hat man die Schnauze zu halten. Großartig "Das Würmchen", in dem Beckmann absolut schlüssig einen Bogen spannt von ungeliebten, nie gestreichelten Kindern, aus denen schließlich Bürokraten werden. Kinder, lehrt uns Beckmann zurecht, wissen stets mehr als die Alten.

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Fenskes und Beckmanns Präsentationen hatten ihre Höhepunkte, wenn sie sich Dialoge auf offener Bühne lieferten. Beckmann stützte sich auf Vorformuliertes auch zwischen den Texten – Fenske machte das mit hochvergnüglichen Theater-Momenten wett ("Ob sich jemand erinnern wird", "Muskelentspannungstraining MET").  Schade, dass Musik nur vom Band kam, nur in kurzen Fetzen angespielt wurde.

Lothar Beckmann hat ganz ohne Zweifel alles, was ein Autor haben muss: genaue Beobachtungsgabe, seine eigene Sprache, die sich von den literarischen Vorbildern löst (und, vielleicht, nur in Kleinigkeiten noch Überarbeitungen verdient), Distanz und Abgeklärtheit. Begeisterung, offener Beifall beim Publikum. Bitte gelegentlich mehr.

Autor: Frank Berno Timm