Viel Tradition und ein Schuss Exotik

Ulrike Le Bras

Von Ulrike Le Bras

Mi, 12. September 2018

Lahr

Beim Alphorntag auf der Landesgartenschau präsentierten Musiker die Bandbreite des aus den Alpen stammenden Instruments.

LAHR. Bei herrlichstem Spätsommerwetter und vor beeindruckender Publikumskulisse ist auf dem gesamten Gelände der Landesgartenschau der Alphorntag über die Bühne gegangen. Höhepunkt der Veranstaltung war der Auftritt des Weltmusik-Trios Frapapepi auf der E-Werk-Bühne.

"Der Berg ruft!" Dieser Satz taucht unvermittelt in den Gedankengängen auf, kaum dass man das Eingangstor zum Bürgerpark durchschritten hat: Schon von Weitem waren die bedächtig und mit großer Gelassenheit ausgeführten Tonreihen aus den imposanten Alphörnern zu hören. Es war, als wollten sie dem Besucher sagen: "Mach jetzt mal langsam, auf dem Berg wird nicht gehampelt, sondern in aller Seelenruhe Schritt vor Schritt gesetzt."

Zusammen mit dem warmen Klang und dem mehr als gemütlichen Rhythmus hat es diese Musik auch binnen Minuten geschafft, das entschleunigte Sonntagmorgengefühl zu schaffen. Die optischen Reize taten das ihre dazu: Trachtenröcke und Krachlederne, Strickjacken mit Blumenmustern, in den Gesichtern vieler Männer dicke Rauschebärte – es war wie Urlaub in Tirol. Auch wenn die Gruppen, die sich auf der Bürgerpark Bühne aufgestellt hatten, nicht ganz so weit her angereist gekommen waren: aus dem Kinzigtal, aus Nordrach, Rheinfelden zum Beispiel. Die größte Gruppierung, die "Alphornfreunde Mittlerer Schwarzwald" dirigierte Ludwig Göppert.

Ganz im Sinne der Vielseitigkeit, die die Landesgartenschau durchgängig prägt, gab es auch hier einen kulturell aus einer anderen Ecke der Welt kommenden Impuls: ein Künstlertrio, das als Chinesen verkleidet zu sanften asiatischen Klängen bunte Seidenballons durch die Lüfte schweben ließ.

Weiter, im Sinne der musikalischen Vielseitigkeit bekamen die zahlreichen Zuhörer, die sich am Nachmittag in gespannter Vorfreude unter dem großen Zeltdach der E-Werk-Bühne versammelt hatten, eine spezielle, selten gehörte Kombination geboten: Weltmusik aus Afrika, Asien und Europa. "Frapapepi" nennt sich die Gruppe, abgeleitet von den Namen ihrer drei Mitspieler Franz Schüssele, Pape Dieye und Enkhjargal Dandarvaanchig alias Epi. Was sie den Besuchern an Hörerlebnissen vermittelt haben, sorgte immer wieder für Erstaunen, weil hier in einer Art lockerer Jam-Session Klangwelten miteinander verknüpft wurden, die sonst Kontinente voneinander entfernt sind: die durch Trommeln und Perkussion gekennzeichneten Rhythmen des Senegal, die sehnsuchtsvollen Weisen auf der Pferdekopfgeige, wie sie bei den Mongolen Tradition sind, und die bedächtig aus dem langen Resonanzrohr des Alphorns gezogenen Töne, die traditionell in der Schweiz zu Hause sind. Bringt man diese drei Welten zusammen, dann bekommen Flöten und Alphorn durch die treibenden Schläge auf Rahmentrommel und das Rauschen von Muschelketten plötzlich eine ganz andere Dynamik und sogar ein Andachtsjodler verliert viel von seiner sonst oft heimattümelig daherkommenden Machart.

Besonders beeindruckend war der von Enkhjargal Dandarvaanchig in Perfektion beherrschte Obertongesang, bei dem durch die zugrunde liegende Gesangstechnik der Eindruck entsteht, als singe da über der in tiefsten Bass-Tiefen angesiedelten, nach röhrendem Hirsch klingenden Stimme, ein Vögelchen fröhlich tirilierend sein Lied. Fazit: ein ungewöhnliches Klangexperiment, das dem in seiner Gesamtheit eher auf traditionelle Musik ausgerichteten Alphorntag einen Touch Weite verliehen hat.

Weitere Informationen zur Landesgartenschau gibt es unter http://landesgartenschau-lahr2018.de und im Online-Dossier der Badischen Zeitung unter http://mehr.bz/lgs-2018