Viele nehmen sich die Zeit zum Träumen

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Di, 02. Januar 2018

Rheinfelden

Ensemble Dúil begeistert Zuhörer beim Silvesterkonzert in der vollen St. Galluskirche in Eichsel.

RHEINFELDEN-EICHSEL. Windumtoste Küsten, Felsen und Meer, holde Maiden und mythische Sagen von Elfen, die in Vollmondnächten Harfe spielen: Mit Balladen und ausgelassenen Tänzen entführte das Ensemble Dúil die Zuhörer beim Silvesterkonzert in der überfüllten St. Galluskirche in Eichsel in die mythenumwobene Welt der Grünen Insel.

Die Magie der traditionellen irischen Musik zog überwältigend viele Besucher aus der ganzen Region zum Jahreswechsel auf den Dinkelberg. So übervoll war es selten in der Eichsler Kirche wie bei diesem begeisternden Auftritt der Harfenistin Yvonne Deusch, der Flötistin Katharina Bereuter, der Geigerin Stefanie Bischof und des Perkussionisten Michael Deusch. Die vier Musiker aus der Region, die mit originalem Instrumentarium die alt überlieferten irischen Stücke wunderbar authentisch und stimmungsvoll interpretieren, gaben ihrem Publikum einen irischen Wunsch mit durch den Abend und ins neue Jahr: "Nimm dir Zeit zum Träumen, das ist der Weg zu den Sternen."

Der gälische Name des Ensembles bedeutet so viel wie Sehnsucht und Hoffnung. Im Spiel spiegelte sich die Melancholie, der besondere Zauber, aber auch die übermütige Lebensfreude der irischen Musik. Sehnsuchtsvolle Melodien zauberten eine entrückte Stimmung, wenn sich Flöte und Fiddle zum Harfenklang gesellten. Mitreißend vital gespielt waren die Mazurkas und fröhlichen Tänze, in denen sich Michael Deusch an der Rahmentrommel Bodhrán ein rhythmisches Wettspiel mit der Flötistin und Geigerin lieferte. Und was wäre die irische Musik ohne den besonderen Klangreiz der keltischen Harfe, wie er in vielen Stücken betörend zur Geltung kam?

Das Schöne war, dass die Musiker immer wieder Geschichten einflochten, sind doch die Klänge von der Grünen Insel untrennbar mit Sagen und Mythen verbunden. Etwa der von dem Tischler und seiner Frau, die eines Nachts im Wald eine Elfe sehen, die auf einem Ast zauberische Harfe spielt.

Ein beträchtlicher Charme der irischen Musik geht von den Instrumenten aus, die Dúil verwendet. So spielt Yvonne Deusch eine speziell angefertigte keltische Harfe, die keine Pedale hat wie die klassische große Konzertharfe, sondern mit Haken ausgestattet ist. Katharina Bereuter spielt auf einer Tin Whistle aus Aluminium, die sechs Grifflöcher hat, und bezaubert mit den hellen, hohen, klaren Klängen dieser Flöte, die man früher wegen des günstigen Materials "Penny Whistle" nannte. Die Bodhrán von Michael Deusch ist mit Ziegenfell bespannt und wird mit Stöcken und Schlägeln, genannt "Tipper", angeschlagen. Ein, zwei Mal griff der Perkussionist auch zur Shrutibox, einem Instrument mit Blasebalg, das wie ein Akkordeon klingt und zum Erzeugen von Borduntönen verwendet wird. Stefanie Bischof verwendet eine normale Violine, doch von der Spielweise her und dem Anbringen der Verzierungen klingt sie wie eine irische Fiddle.

Berührend waren die von den Musikerinnen im originalen irischen Stil mit schönen, schlichten Stimmen gesungenen Lieder wie ein Wiegenlied und das Carol "In The Bleak Midwinter", das ein wärmendes Torffeuer im kalten irischen Winter des 19. Jahrhunderts beschwört.