Vielfältiges Papier

Antje Lechleiter

Von Antje Lechleiter

Sa, 20. Mai 2017

Ausstellungen

Freiburg: Bettina Bosch in der Galerie Kralewski.

Vor den drei Belchen ist ein riesiges Wolkengebirge aufgezogen. "Cumuli" ist eine raumgreifende Installation aus Transparentpapier, die, wie "Belchen", "Belchenflue" und "Ballon d’Alsace" (Acryl auf Papier) von der Freiburger Künstlerin Bettina Bosch geschaffen wurde. Unter dem Titel "As time goes by" zeigt die Bildhauerin in der Freiburger Galerie Marek Kralewski, was man mit Papier alles machen kann und bringt Himmel und Berge in die ehemalige Sattlereiwerkstatt in der Basler Straße.

Die Künstlerin, die 1970 in Freiburg geboren wurde, hat zunächst eine Ausbildung als Steinmetzin an der Münsterbauhütte absolviert und dann bei Stephan Balkenhol an der Karlsruher Kunstakademie studiert. Kein Werdegang, der zwangsläufig zum Papier führt. Warum also dieser Werkstoff? Falten, schneiden, bemalen, reißen, zerknüllen – Papier ist nicht nur geduldig, sondern auch vielfältig. Die beiden ausgestellten, präzise ausgeführten Papierschnitte ihrer "Transluzenz-Serie" zeigen überdies, dass diesem Material auch ein meditatives Vorgehen eingeschrieben sein kann. Nicht Spontanität und Schnelligkeit, sondern Ausdauer und Beharrlichkeit führen zum Ziel. Die Bildhauerin, die schon mit eher kunstfernen Materialien wie Isolationsschläuchen, Trinkhalmen und Schnürsenkeln gearbeitet hat, erkundet in ihren Installationen, welche skulpturalen Eigenschaften Materialien und Motiven innewohnen. Dem Umgang mit technischen Hilfsmitteln hat sie dabei keineswegs abgeschworen. So erfolgte die Übertragung der Belchengipfel in ein Gitterliniennetz unter Zuhilfenahme der exakten Geodaten.

Klein zu sein, hat mitunter Vorteile. Die von außen komplett einsehbare und von innen äußerst überschaubare Raumsituation der Galerie Kralewski entlastet sowohl den Besucher als auch die Künstlerin. Bettina Bosch zeigt sechs neue Arbeiten, die speziell für diese Räume geschaffen wurden. "As time goes by" ist Maßarbeit und umfängt den Betrachter mit der phantasieanregenden Flüchtigkeit von Wolken und der sedierenden Beständigkeit der Berge. Ein guter Grund, inne zu halten und zu schauen.

Galerie Marek Kralewski, Basler Str. 13, Freiburg. Bis 18. Juni, Di bis Do 14–18 Uhr.