Virtuoser Sturm aus Wohlklang

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Do, 24. Mai 2018

Schopfheim

Hochkarätig besetzt, alles im Griff, alles gefühlt: Barocksolisten bereiten ihren Zuhörern im Krafft-Areal ein wahres Klangfest.

SCHOPFHEIM. Das gab es bisher noch nie in der Reihe "Klassik im Krafft-Areal": Erstmals war ein Barockensemble zu Gast und erwies sich auf Anhieb als äußerst zugkräftig. Überwältigt zeigten sich die Veranstalter von dem enormen Andrang in der ehemaligen Fabrikhalle in Fahrnau, wo sonst in der etablierten Konzertreihe eher das klassisch-romantische Repertoire gepflegt wird.

Dass Barockmusik derart zieht und neben dem treuen Stammpublikum auch zahlreiche neue Zuhörer in die Tonhalle lockte, freute die künstlerische Leiterin Andrea Kauten und Werner Geigle, der die Besucher begrüßte, natürlich sehr. Zumal man mit den Barocksolisten Musiker der Spitzenklasse eingeladen hatte: den Geiger Daniel Gaede, den früheren Konzertmeister der Wiener Philharmoniker, den Cembalisten Raphael Alpermann, einen ausgewiesenen Barockspezialisten von der Akademie für Alte Musik Berlin, die junge Geigerin Johanna Staemmler, Preisträgerin des ARD-Wettbewerbs, und die Cellistin Aleke Alpermann, Stipendiatin des Deutschen Musikrats und mehrfache Preisträgerin. Sie hatten ein Programm mit Werken aus dem deutschen und italienischen Barock mitgebracht.

Schon in Händels Triosonate g-Moll op. 5 für zwei Violinen und Basso continuo legten die Musikerinnen und Musiker einen derart vitalen Gestus und sprechenden Klang vor, dass es umwerfend war. Gaede und Staemmler gingen mit dynamischer Streicherverve und prägnant artikuliert die schnellen, tänzerischen Sätze an und gestalteten die langsamen Sätze sehr ausdrucksvoll. Auch die Continuospieler waren mit Elan am Werk, so dass sich ein Händel-Spiel von ansteckend lebendigem Impuls ergab.

Höchste Virtuosität und wahnwitziges Tempo herrschten in Vivaldis Variationen über La Follia für zwei Violinen und Basso continuo. Mit schier überbordendem Schwung, mitreißender Vehemenz, hochvirtuos in den Affekten und höchst akzentuiert und prononciert im Bogenstrich gingen die Streicher diesen Vivaldi an, und der Cembalist agierte ebenso temperamentsprühend, agil und fingerfertig, dass es die Zuhörer schier von den Sitzen riss bei diesem rasanten Vivaldi-Drive. Da fegte ein richtiger Sturm über die Saiten und Tasten in diesem mit federnder Spannkraft aufgeladenen Vivaldi.

Der mit Barockbogen spielende Geiger Daniel Gaede und sein Cembalopartner Raphael Alpermann glänzten auch in den Sonaten c-Moll BWV 1017 und h-Moll BWV 1014 von Bach. Gaedes in Spieltechnik und Stimmführung meisterliches Violinspiel war ganz auf schlanken, beweglichen, dabei wunderbar warmen und sanglichen Klang ausgerichtet in den sorgfältig ausformulierten langsamen Sätzen Siciliano und Adagio. In den schnellen Allegrosätzen war Gaedes Bach-Spiel von vitaler, zupackender Gangart, setzte auf barocke Rhetorik, Klangrede und prägnante Artikulation.

Raphael Alpermann agierte am Cembalo ebenbürtig mit fein ziseliertem und herrlich leichtflüssigem Spiel. Im griff- und bogentechnisch ausgefeilten Violinspiel, im schönen Ton von Gaede und im lebendigen Cembalospiel von Alpermann wurden die Stimmenverläufe bei Bach transparent nachgezeichnet.

Alles an Farbigkeit, Lebendigkeit, Frische holten die Barocksolisten auch aus der Sonate C-Dur BWV 1037 für zwei Violinen und Basso continuo von Bach (die vermutlich nicht von Bach, sondern von dessen Schüler Goldberg stammen soll). Es war pures Hörvergnügen, wie die Violinisten und die Continuospieler mit Hingabe die langsamen Sätze wie das besinnlich und kantabel gespielte Largo aushorchten und mit tänzerisch bewegtem Impuls in der Gigue ein Barockklangfest par excellence boten.

Faszinierend zu hören war auch die Sinfonia d-Moll des Italieners Alessandro Stradella für Violine, Cello und Basso continuo, in der Johanna Staemmler und die in historischer Aufführungsmanier auf einem Cello ohne Stachel spielende Aleke Alpermann mit virtuosem Schwung und körperhaft dynamischem Gestus im Strich überzeugten. Ausdauernd erklatschten sich die hellauf begeisterten Zuhörer nach diesem furiosen Auftritt der Barocksolisten eine Zugabe, einen Satz von Händel.